VonMarie Riesschließen
Verteidigungsminister Pistorius sieht in „Air Defender“ 2023 eine Stärkung des Nato-Bündnisses. Doch es gibt auch Kritik an der Großübung.
Berlin – 10.000 Soldaten, 250 Flugzeuge, 25 Nationen: In einer Woche soll mit „Air Defender 2023“ ein militärisches Großmanöver im deutschen Luftraum beginnen. Verteidigungsminister Boris Pistorius hat am Montag (5. Juni) die militärische Bedeutung des Manövers für die Sicherheit Deutschlands betont. „Mit Air Defender 2023 als größte Verlegungsübung von Luftstreitkräften seit Gründung der Nato stärken wir das Bündnis und die transatlantischen Beziehungen. Gemeinsam mit unseren Verbündeten zeigen wir, dass wir das Bündnisgebiet reaktionsschnell und schlagkräftig verteidigen können“, sagte der SPD-Politiker am Rande einer Asienreise.
Debatte um Air Denfender 2023: Strack-Zimmermann begrüßt bevorstehende Nato-Übung
Auch Marie-Agnes Strack-Zimmermann (FDP) hob die Wichtigkeit der Nato-Übung hervor. Angriffe auf Staatsgebiet würden heute in vielen Fällen aus der Luft erfolgen. Diese Gefahrenszenarien habe Deutschland „nicht mehr genug auf dem Schirm gehabt“, sagte die Vorsitzende des Verteidigungsausschuss im Bundestag gegenüber dem Portal Web.de News. Dabei seien Militärübungen wie „Air Defender“ immer auch ein Signal an das Gegenüber: „Man zeigt damit, was man alles kann“, so Strack-Zimmermann.
Kritik für die Großübung von Linken-Fraktionschef Dietmar Bartsch
Der Fraktionschef der Linken im Bundestag Dietmar Bartsch hingegen übte Kritik am bevorstehenden Großmanöver.„Verteidigungsfähigkeit ist zwingend, aber hier liegt wenig ‚defender‘, sondern viel Säbelrasseln in der Luft“, sagte er zu Web.de News. Bartsch forderte eine europäische Friedensinitiative statt neuer Signale der Konfrontationsbereitschaft. Nur das könne den Weg ebnen, „um nicht immer mehr Milliarden für die Aufrüstung der Bundeswehr auszugeben“, sagte der 65-jährige Linken-Politiker.
Air Defender: Nato-Übung bereits seit 2018 von der Bundeswehr geplant
Die Bundeswehr ist Ausrichter des Manövers „Air Defender 2023“, das vom 12. bis zum 23. Juni stattfindet. Dabei soll ein Nato Artikel-5-Bündnisfall nachempfunden werden. Von Montag bis Freitag werden dafür drei große Teile des deutschen Luftraums abwechselnd für den zivilen Luftverkehr gesperrt.
Hauptdrehkreuz der Übung soll der niedersächsische Fliegerhorst Wunstorf in der Region Hannover werden. Gruppen wie das „Bremer Friedensforum“ wollen am 10. Juni vor Ort gegen das geplante Manöver protestieren. Deutschland hatte die Großübung bereits vor fünf Jahren ins Leben gerufen.
Pistorius: Auswirkungen für Zivilbevölkerung sollen so gering wie möglich ausfallen
Auswirkungen für die Zivilbevölkerung, etwa in Form von Lärm und Flugverspätungen, sollen laut dem Verteidigungsminister so gering wie möglich gehalten werden. „Dafür stimmen wir uns seit Monaten ganz eng mit allen Beteiligten ab“, sagte Pistorius. Von Flugstreichungen ist wohl nicht auszugehen, Verspätungen sind jedoch möglich. (mit dpa und AFP)
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