VonJens Kiffmeierschließen
Alarm in Deutschland: Habeck hat die zweite Stufe im Notfallplan Gas ausgerufen. Haushalte sollten im Sommer sparen. Doch wie? Tipps für Mieter.
Berlin – Sparduschkopf anschaffen oder Thermostat austauschen: Wegen der Gaskrise hat die Bundesregierung die Deutschen eindringlich zum Energieeinsparen aufgerufen. Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) setzte die zweite Alarmstufe im Notfallplan Gas in Kraft und bezeichnete das Sparen von Gas als nationale Kraftanstrengung. „Gas ist ein knappes Gut“, warnte der Politiker in Berlin. Alle Haushalte müssten ihren Beitrag leisten. „Das klingt banal, macht aber den Unterschied.“ Tatsächlich werden die Mieter und Hauseigentümer die Auswirkungen bald kräftig zu spüren bekommen.
Gas sparen im Sommer: Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) ruft Alarmstufe 2 beim Notfallplan Gas aus
Der Handlungsdruck ist groß. Nachdem die Energiekosten durch den Ukraine-Krieg seit Jahresanfang enorm gestiegen sind, geraten sie weiter unter Druck. Anfang der Woche hatte Russland die Lieferung von Gas in den Pipelines reduziert, was nun die Versorgungslage in Deutschland bedroht. Die Ampel-Koalition hat Mühe, die Gasspeicher für den Winter aufzufüllen. Vorsorglich rief Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) die Alarmstufe 2 im Notfallplan Gas aus – was mitunter direkte Folgen für die Verbraucher hat. Denn um hohe Kosten zu vermeiden, sollten Mieter und Hauseigentümer im Sommer unbedingt Gas sparen.
„Die Lage ist ernst“, sagte Habeck. „Wir stecken in einer Gaskrise.“ Es sei die Strategie von Russlands Präsidenten Wladimir Putin, durch die Drosselung der Liefermenge eine Spaltung der europäischen Staaten herbeizuführen und die Preise hochzutreiben. „Wir müssen uns auf weitere Anstiege gefasst machen“, warnte der Minister. Verbraucherschützer warnen schon lange vor hohen Nachzahlungen, die auf Mieter mit der Nebenkostenabrechnung zukommen.
Notfallstufe Gas: Habeck sucht nach Alternativen bei der Energie – „Gas ist ein knappes Gut“
Nachdem die Politik bereits mit dem Entlastungspaket 2022, das unter anderem ein 9-Euro-Ticket, eine Energiepreispauschale von 300 Euro oder einen Tankrabatt beinhaltet, direkte Finanzhilfen für die Bürger auf den Weg gebracht hat, sucht die Bundesregierung nach weiteren Alternativen als Ausweg aus der Krise. Bereits vor der Ausrufung des Notfallplans Gas wurde der Ausbau der Erneuerbaren Energien vorangetrieben und neue Gaslieferanten erschlossen. Dabei setzt Habeck unter anderem auch auf Flüssiggas, das mit Schiffen an LNG-Terminals angeliefert werden soll. Auch die Kohlekraftwerke sollen länger als gedacht in Betrieb bleiben.
Mit unserem Newsletter verpassen Sie nichts mehr aus ihrer Umgebung, Deutschland und der Welt – jetzt kostenlos anmelden!
Darüber hinaus soll aber auch unbedingt das Einsparpotenzial in den Haushalten gehoben werden. „Das klingt banal und wird immer belächelt“, sagte Habeck. „Aber am Ende macht es in den Unterschied.“ Häufig werde immer nur die minimale Reduzierung in einem einzelnen Haushalt gesehen. Aber es gehe um insgesamt 41 Millionen Haushalte in Deutschland. Wenn man das zusammenrechne, so Habeck, dann rede man über eine gewaltige Summe an Einsparungen. Doch was genau kann jeder Einzelne tun? Hier ein paar Tipps.
Wie kann man Gas sparen? Sparduschkopf und Thermostate – Tipps für Mieter
- Sparduschkopf installieren: Oberste Priorität beim Sparen von Gas ist ein geringerer Warmwasserverbrauch. Dabei kann ein Sparduschkopf helfen. Ohne Komfortverlust garantiert er 60 Prozent Einsparungen. Das wirkt sich auch auf den Geldbeutel aus. Laut Verbraucherzentrale kostet tägliches Duschen (acht Minuten bei 38 Grad) im Jahr 446 Euro. Reduziert man die Duschdauer um zwei Minuten und die Temperatur auf 36 Grad und verwendet dabei einen Sparduschkopf sinkt der Preis auf 250 Euro.
- Programmierbare Thermostate: Mieter sollten an den Heizungen die herkömmlichen Thermostate austauschen lassen. Mit programmierbaren Geräten können die Heizkörper dem persönlichen Tagesablauf angepasst werden. Für wenig Geld gibt es sogar welche, die sich per App steuern lassen. Statt die Heizung den ganzen Tag durchlaufen zu lassen, kann sie auf dem Weg von der Arbeit nach zu Hause hochgefahren werden.
- Zugluft vermeiden: Es gilt, die Fenster und Türen möglichst gut abzudichten, damit keine Wärme entweichen kann oder die Räume unnötig ausgekühlt werden. Ob Fenster und Türen dicht genug sind, lässt sich einfach prüfen: „Einfach ein Blatt Papier zwischen Rahmen und geschlossenem Fenster klemmen“, teilte die Verbraucherzentrale dem Bayrischen Rundfunk mit. Lasse sich das Papier nicht herausziehen, sei das Fenster dicht genug.
- Überlegtes Kochen: Auch in der Küche können Verbraucher kleine Effekte erzielen. Immer mit Deckel und auf der passenden Kochstelle kochen, damit weniger Energie verloren geht. Außerdem nur so wenig Kochwasser verwenden, wie man wirklich braucht – meist nutzt man zu viel.
- Stromsparen: Mieter und Hauseigentümer sollten auch auf die Suche nach Stromfressern gehen. Denn am Ende wird auch Gas eingespart, wenn der Stromverbrauch sinkt. Denn bei der Stromproduktion wird auch viel Gas eingesetzt. Deshalb sollten elektrische Geräte nicht unnötig im Stand-by-Modus betrieben werden. Auch ein Gefrierschrank, der regelmäßig abgetaut wird, zieht weniger Strom.
Energiesparen: Habeck stellt neues Entlastungspaket in Aussicht
Für Habeck gibt es keine Alternative zum Sparen. „Putin benutzt das Gas als Waffe“, sagte der Minister nach der Ausrufung des Gas-Notfallplans. Aber darauf werde man sich nicht einlassen. Wichtig sei es jetzt, dass die Gesellschaft zusammenstehe und sich nicht spalten lasse. Zugleich machte er aber auch deutlich, dass es zur Not auch noch weitere Entlastungen für die Bürgerinnen und Bürger geben müsse. Trotz zweier Entlastungspakete wird der Ruf nach weiteren Maßnahmen schon seit Tagen lauter. Vor allem sozial schwache Haushalte, so kündigte Sozialminister Hubertus Heil (SPD), müssten in den kommenden Monaten weitere Finanzhilfen bekommen.
Rubriklistenbild: © Stephanie Pilick/dpa

