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Nächste Provokation aus Minsk: Putins Verbündeter Alexander Lukaschenko wendet sich wegen der in Belarus stationierten Wagner-Söldner an Polen.
Minsk – Er gilt über den Ukraine-Krieg hinaus als gefälliger Vasall von Moskau-Machthaber Wladimir Putin: Der belarussische Autokrat Alexander Lukaschenko. Mit Blick auf die in seinem Land angekommenen Wagner-Söldner hat der 68-jährige Politiker nun ein weiteres Mal Nachbar Polen provoziert - diesmal mit besonders drastischer Wortwahl.
Alexander Lukaschenko: Belarus-Machthaber richtet Wagner-Drohung an Polen
Konkret: Die staatliche belarussische Nachrichtenagentur Belta zitierte Lukaschenko laut Reuters am Dienstag (1. August) mit den Worten, die Polen „sollten dafür beten, dass wir sie (die Wagner-Söldner, d. Red.) festhalten und für sie sorgen. Sonst wären sie ohne uns durchgesickert und hätten Rzeszow sowie Warschau in nicht geringem Ausmaß zerstört. Sie sollten mir also keine Vorwürfe machen, sie sollten sich bedanken“.
Zur Einordnung: In der Hauptstadt Warschau mit ihren rund 1,8 Millionen Einwohnern haben die polnische Regierung sowie das Parlament ihren Sitz. Die südostpolnische Stadt Rzeszow und der dortige Militärflughafen gelten indes als Drehkreuz bei den westlichen Waffenlieferungen an die Ukraine sowie bei der Versorgung der Nato-Truppen im deutschen Nachbarland.
Ein Grund dafür: Rzeszow liegt mit seinen etwa 196.000 Einwohnern keine 100 Kilometer von der ukrainischen Grenze sowie rund 250 Kilometer von der ukrainischen Großstadt Lwiw (rund 720.000 Einwohner) entfernt. Indes sollen im Juli tausende Söldner der Privatarmee Wagner nach dem gescheiterten Aufstand von Jewgeni Prigoschin in Russland nach Belarus ins Exil gegangen sein. Satelliten-Aufnahmen zufolge schlugen sie in Ossipowitschi rund 100 Kilometer südöstlich der Hauptstadt Minsk ein Lager auf.
An Grenze zu Belarus: Polen sichtet rund 100 Wagner-Söldner bei Grodno
Am Samstag (29. Juli) hatte indes der polnische Premierminister Mateusz Morawiecki berichtet, eine Gruppe von etwa 100 Wagner-Söldnern sei näher an die weißrussische Stadt Grodno nahe der polnischen Grenze herangekommen. Morawiecki nannte die Situation „zunehmend gefährlich“. Aus Sorge vor den gesichteten Wagner-Einheiten schickte Polen eine Anti-Terror-Einheit an die polnisch-belarussische Grenze. 500 Polizistinnen und Polizisten, darunter auch beschriebene Spezialeinheit, sollen aktuell die 5000 Grenzschützerinnen und Grenzschützer des Landes sowie 2000 Soldatinnen und Soldaten verstärken, die derzeit an der Grenze stationiert sind, teilte Innenminister Mariusz Kaminski am Sonntag (30. Juli) bei Twitter mit. Die Großstadt Grodno ist mit ihren rund 380.000 Einwohnern nur etwa 15 Kilometer von der polnischen Staatsgrenze entfernt.
„Plötzlich, das habe ich kürzlich gehört, war Polen außer sich vor Wut darüber, dass angeblich eine Abteilung von bis zu 100 Menschen hierher käme“, wird Lukaschenko von Reuters zitiert: „Keine Wagner-Abteilungen mit 100 Mann sind hierher (Grodno, d. Red.) gezogen. Und wenn doch, dann nur, um ihre militärischen Erfahrungen an (belarussische, d. Red.) Brigaden zu übertragen, die in Brest und Grodno konzentriert sind.“ Auch Brest liegt, im äußersten Südwesten von Belarus gelegen, direkt an der Grenze zu Nato-Mitglied Polen.
Alexander Lukaschenko: Putin-Verbündeter scherzt wegen Wagner-Privatarmee über Polen
Es ist nicht die erste Provokation seit der Ausweisung der Wagner-Söldner aus Russland. Lukaschenko hatte bei einem Treffen mit Putin im Juli gescherzt, dass einige der Kämpfer daran interessiert seien, nach Polen vorzudringen, um „eine Reise nach Warschau und Rzeszow zu unternehmen“. Der polnische Militärflugplatz Rzeszow wird von den Amerikanern schwer bewacht, unter anderem mit mehreren Patriot-Flugabwehrsystemen. Die Nato Battlegroup Poland ist zudem – unter anderem mit dem britischen Royal-Lancers-Regiment – im Nordosten in Orzysz stationiert. (pm)
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