Kaum bekannte Marken

BYD, Alipay und Co.: Das sind die fünf China-Sponsoren der Fußball-EM 2024

Schon mal von BYD gehört? Oder von Alipay? Wir erklären, warum Unternehmen aus China bei der Fußball-EM omnipräsent sind.

Vor ihnen gibt es bei dieser Fußball-EM kein Entkommen: Fünf der 13 Hauptsponsoren der EM stammen aus China. Ob in den Fanzonen oder auf der Bannerwerbung im Stadion – Vivo, Hisense, Alipay, AliExpress und BYD sind bei dem Fußballspektakel omnipräsent. Wer sind die Marken – und warum werben sie in Deutschland?

Vivo: Smartphone-Marke aus China ist EM-Sponsor

Vivo, ein Hersteller von Smartphones, ist erst seit etwa vier Jahren auf dem europäischen Markt präsent. Die Marke erregte jedoch schon zwei Jahre zuvor Aufmerksamkeit, als sie offizieller Smartphone-Partner der Fußball-Weltmeisterschaft in Russland war. Heute vertreibt Vivo seine Mobiltelefone in zahlreichen Ländern, einschließlich Deutschland. Ein vorübergehender Konflikt mit Nokia über Mobilfunkpatente führte dazu, dass Vivo-Handys in Deutschland aus dem Verkauf genommen wurden. Zu Beginn des Jahres gaben jedoch beide Unternehmen bekannt, dass sie eine Einigung erzielt haben.

Im ersten Quartal des Jahres 2024 war Vivo mit einem globalen Marktanteil von etwa sieben Prozent der fünftgrößte Hersteller von Mobiltelefonen. Die vier größten waren Samsung, Apple, Xiaomi und Oppo.

Toni Kroos in Aktion gegen Joachim Andersen und Alexander Bah beim Achtelfinalspiel in Dortmund – im Hintergrund Werbung von Vivo.

BYD: Trotz Problemen mit der EU bei der Fußball-Europameisterschaft

Der chinesische Autobauer BYD, der seinen Sitz im südchinesischen Shenzhen hat, hat Volkswagen als Sponsor der EM abgelöst. BYD wirbt mit dem Slogan „Build Your Dreams“ – zu einer Zeit, die für Automarken aus China kaum ungünstiger sein könnte. Denn nach einem Beschluss der EU-Kommission müssen BYD und alle anderen chinesischen Hersteller zusätzliche Zölle auf ihre Importe in die EU zahlen. Die EU ist in einer Untersuchung zu dem Schluss gekommen, dass die chinesische Regierung die Autobauer mit erheblichen, wettbewerbsverzerrenden Subventionen unterstützt.

Trotz der Werbung bei der EM dürfte der Marktanteil von BYD in Europa, der derzeit bei nur 0,1 Prozent liegt, kaum steigen. Denn im Gegensatz zu China, wo das günstigste BYD-Modell bereits für einen umgerechneten Preis von unter 10.000 Euro erhältlich ist, sind die Autos aus China in Europa keine echten Schnäppchen. Die zusätzlichen Strafzölle dürften die Fahrzeuge noch teurer machen. Dennoch konnte BYD zu Beginn des Jahres weltweit Tesla als führenden Elektroautohersteller vorübergehend ablösen.

Chinesische Hersteller boomen: 14 Autobauer, die Sie kennen sollten

Changan-Händler
Changan ist einer der ältesten Autohersteller Chinas und produziert jährlich mehrere Millionen Fahrzeuge, darunter auch Joint‑Venture‑Modelle mit Ford und Mazda. In den vergangenen Jahren hat Changan seine eigene Markenstrategie stark elektrifiziert und mit Submarken wie Deepal und Avatr moderne Elektro‑ und Plug‑in‑Hybridmodelle auf den Markt gebracht.  © IMAGO/CFOTO
Changan-Produktion
Kürzlich hat der China-Autobauer die Produktion von 30 Millionen Fahrzeugen zelebriert. Für Europa verfolgt der Konzern eine schrittweise Expansionsstrategie, die zunächst über ausgewählte Märkte und wenige Modelle erfolgen soll – meist im mittleren bis gehobenen Segment. Neben den genannten Marken sollen in den kommenden Jahren auch Modelle des Anbieters Nevo auf den Markt kommen. © Changan Automobile Deutschland GmbH
Jaecoo 7 von Chery
Chery ist einer der größten chinesischen Autoexporteure und baut seine Präsenz in Europa mit mehreren Marken gezielt aus. In Ländern wie Spanien erfolgte der Markteintritt früher. Zunächst wird hierzulande der Plug-in-Hybrid Jaecoo 7 angeboten. © Chery/dpa
Omoda 5 HEV
Die zweite Chery-Marke für Deutschland heißt Omoda. Gut ausgestattete Modelle wie der Omoda 5 HEV sollen zeitgemäßes Design mit effizienter Hybrid-Antriebstechnologie vereinen. Inwiefern sich deutsche Kunden darauf einlassen? Wir dürfen gespannt sein. © Omoda
Fahransicht Leapmotor B10
Leapmotor ist ein E-Auto-Hersteller, der sich auf dem Heimatmarkt China mit technisch ambitionierten, aber preislich sehr wettbewerbsfähigen Modellen einen Namen gemacht hat. Im Bild ist das Kompakt-SUV B10. © Leapmotor/dpa
Leapmotor T03
Die Marke bietet auch kleine, bezahlbare Modelle wie den T03 an. In Europa startete Leapmotor 2025 mit Unterstützung von Stellantis, das 21 Prozent der Anteile hält und den Markteintritt beschleunigt. © Leapmotor
Lynk & Co 01
Lynk & Co: Hinter diesem Hersteller, der 2016 gegründet wurde, verbirgt sich Geely. Der Plug-in-Hybrid 01 wurde zunächst vor allem im Abo vertrieben. Das Modell kann aber auch gekauft oder geliehen werden.  © Lynk & Co
Lynk & Co 02
Entwickelt und entworfen werden die Modelle von Lynk & Co in Schweden bei der traditionsreichen Konzernschwester Volvo. Das elektrische Crossover-Coupé Lynk & Co 02 war kürzlich auf einer Reise- und Freizeitmesse im Münchner Osten zu sehen. © IMAGO/Bernd Feil/M.i.S.
Elektrotransporter von Maxus.
Maxus: Ford, VW und Mercedes aufgepasst. Mit Maxus greifen chinesische Hersteller auch bei den Nutzfahrzeugen an. Die Modelle der 2011 gegründete Tochter von SAIC Motors sind unter anderem bei der österreichischen Post und Ikea im Einsatz. Verkauft werden die Transporter über eigene Händler. © GlobalImagens/Imago
Maxus: Elektro-Transporter eDeliver
Maxus ist vor allem auf Elektro‑Transporter, Vans und leichte Nutzfahrzeuge spezialisiert – ein Segment, das in Europa durch Lieferdienste, Handwerk und urbane Logistik wächst. © IMAGO/Slavek Ruta
Der MG 4 EV.
MG: Tot gesagte Leben länger. Das gilt auch für die britische Traditionsmarke. Allerdings nicht mehr unter der Flagge ihrer Majestät. Nach der Insolvenz erwarb zunächst die Nanjing Automobile Group im Juni 2005 die Markenrechte. Inzwischen gehört der Hersteller zu SAIC Motor. Dort wurde MG mit Roewe in der Abteilung Passenger Vehicle zusammengefasst. Seit Januar 2021 ist MG auch wieder auf dem deutschen Markt vertreten – unter anderem mit dem 4 EV. © MG
MG Cyberster
Das Modellangebot der von China neu aufgelegten Traditionsmarke umfasst unterschiedliche Fahrzeuggattungen: Zum Portfolio gehört der vollelektrische Roadster MG Cyberster.  © MG Motor
Der Xpeng P7.
Xpeng: Wie viele chinesische Hersteller ist auch Xpeng noch relativ jung. 2014 wurde das Unternehmen gegründet, konnte in den vergangenen Jahren seine Stückzahlen aber immer weiter steigern. In Europa war Xpeng zunächst in Schweden, Norwegen, Dänemark und den Niederlanden vertreten. Wann der Hersteller nach Deutschland kommt, ist unklar. © Zuma Wire/Imago
Xpeng G9
Für Schlagzeilen sorgte auch die Zusammenarbeit mit Volkswagen in China. 2026 ist der Marktstart in Deutschland terminiert. Partnerschaften mit mehreren Händlern sind geschlossen, hierzulande wird als erstes Modell das Elektro-SUV Xpeng G9 angeboten. © Xpeng
Der Zeekr 001.
Zeekr: Auch wenn der Name so gar nicht chinesisch klingt, stammt der Hersteller dennoch aus dem Reich der Mitte. Der Markenname setzt sich aus Generation Z und dem Begriff Geek zusammen. Hinter dem erst 2021 gegründeten Autobauer steckt Geely. Mit der neuen Tochter möchte man im Premiumsegment Fuß fassen. 2023 hat der chinesische Anbieter in Schweden und den Niederlanden mit den Modellen 001 und X ihren Europa-Start gefeiert. © Zeekr
Zeekr 7X
In Europa verfolgt Zeekr eine Wachstumsstrategie im hochwertigen E‑Segment – mit technisch starken Modellen (800‑Volt‑Architektur, große Reichweiten) und einem Fokus auf gut ausgestattete, aber preislich konkurrenzfähige Fahrzeuge. Seit Ende 2025 sind Zeekr-Modelle wie der 7X auch in Deutschland bestellbar. © Zeekr
Xiaomi SU7
Xiaomi steigt mit dem SU7 erstmals in den Automarkt ein und verfolgt dabei klar ambitionierte Pläne – auch für Deutschland. Der Konzern nutzt seine enorme Elektronik‑Reichweite und Markenbekanntheit, um sich im E‑Auto‑Segment als technologischer Herausforderer zu positionieren. Für Deutschland plant Xiaomi mittelfristig den Vertrieb über ein eigenes Händler‑ und Servicenetz, anfangs stark digital gesteuert.  © David Zorrakino/EUROPA PRESS/dpa
Studie Vision GT von Xiaomi
Studie Vision GT von Xiaomi: Ziel von Xiaomi ist es, im Premium‑Elektro‑Segment Marktanteile zu gewinnen, indem man Performance, Software‑Kompetenz und aggressive Preisgestaltung kombiniert. Deutschland gilt dabei als Schlüsselmarkt, weil Xiaomi hier eine treue Smartphone‑Kundschaft hat, die als Einstiegskanal in die Mobilität dienen soll. © Josep LAGO/AFP
Der Ora Funky Cat.
GWM Ora ist die Elektromarke des chinesischen Herstellers Great Wall Motor und in Europa vor allem durch den Ora Funky Cat (später: Ora 03) bekannt geworden. Die Marke positioniert sich im kompakten bis unteren Mittelklasse‑Segment und zielt damit auf europäische Volumenmodelle wie VW ID.3, Renault Mégane E‑Tech oder auch den heimischen Rivalen MG4 ab. © Ora/GWM
GWM Ora 07
Der Hersteller versucht, sich als preislich zugängliche, designorientierte E‑Alternative zu etablieren – bisher jedoch mit zögerlichem Markterfolg. Dazu machen vermeintliche Kopien die Runde – wie zum Beispiel der GWM Ora 07, als chinesische Ausführung des Porsche Panamera.  © GWM Ora
Der NIO ES6 steht auf einer Messe.
NIO: Der Name des 2014 gegründeten Herstellers ist eine Anspielung auf den Smog über den Großstädten Chinas. NIO, in chinesischen Schriftzeichen „Weilai“, bedeutet übersetzt „Der Himmel wird blau“.  © VCG/Imago
Kombi NIO ET5 Touring
NIO ET5 Touring: Eine Besonderheit der Marke ist die Battery-Swap-Technologie. In fünf Minuten wird der Akku gegen einen neuen ausgetauscht. Ihr Europa-Debüt gab die Marke 2021 in Norwegen. Seit 2022 sind die E-Autos auch in Deutschland erhältlich. © NIO
Der BYD Seal.
BYD: Seit 1995 gibt es das Unternehmen. Autos spielten am Anfang noch keine Rolle, stattdessen baute man wiederaufladbare Batterien. 2003 stieg man durch den Kauf der angeschlagenen Xian Qinhuan Automobile in das Automobilgeschäft ein. Inzwischen ist BYD einer größten Hersteller der Welt. © VCG/Imago
BYD-Schiff mit Neufahrzeugen im Hafen
BYD: In Deutschland sind die Chinesen mittlerweile mit mehreren Modellreihen vertreten. Schlagzeilen macht der Autoriese aus Fernost auch mit seiner Schiffsflotte, welche die Fahrzeuge in großer Stückzahl in verschiedene Weltregionen befördert. © Anadolu Agency/Imago
Denza Z9GT
Denza ist die technologieorientierte Premiummarke von BYD. Im April 2026 wurde das Angebot im Rahmen einer Veranstaltung in Paris als global agierende Marke eingeführt. Dabei gab es auch die ersten Modelle für Europa zu sehen. Im Bild das vollelektrische Coupé Denza Z9GT. © DENZA
Luxus-Van Denza D9
In China hat sich Denza mit Modellen wie dem Van D9 (im Bild) als hochwertige Alternative zu Marken wie Lexus, Mercedes EQ oder BMW i etabliert. In Europa soll der Anbieter schrittweise als gehobenes Premium‑Label eingeführt werden, allerdings nicht sofort in der Breite wie die Hauptmarke BYD. © DENZA
Smart #5
Smart: Einst eine Kleinwagenmarke, ist Smart heute ein Gemeinschaftsunternehmen zwischen Mercedes-Benz und dem chinesischen Geely-Konzern, wobei die Produktion und technische Entwicklung in China erfolgt. Der Fokus liegt auf SUVs (im Bild #5), die Effizienz und wettbewerbsfähige Preise ermöglichen sollen.  © Mercedes-Benz/Smart
Smart #1
Das erste Modell der neuen Ära ist der Smart #1. Strategisch sieht Smart Europa weiterhin als Kernmarkt, allerdings nicht mehr im klassischen Microcar‑Segment, sondern als kompakte, elektrisch angetriebene Crossover‑Alternative im Premiumbereich. Gleichzeitig hilft die Mercedes‑Designsprache, ein vertrautes Markenimage zu erhalten.  © Mercedes-Benz/Smart

Hisense: Fernseher, Kühlschränke – und EM-Videoassistent

Die chinesischen Schriftzeichen auf den Hisense-Bannern in den deutschen EM-Stadien bedeuten: „Nummer eins in China“. Die Werbebotschaft richtet sich hauptsächlich an die Zuschauer im Heimatland und dürfte in westlichen Ländern kaum potenzielle Kunden ansprechen. Trotzdem hat das Unternehmen den deutschen Fußballstar Manuel Neuer als Markenbotschafter gewählt, der auch in China bekannt und geschätzt ist. Hisense, ein Unternehmen mit Sitz in der ostchinesischen Metropole Qingdao, ist nicht nur für die Produktion von Fernsehern, Beamern, Kühlgeräten, Waschmaschinen und Wärmepumpen bekannt, sondern stellt auch für die Bildschirme des Videoassistenten bei der EM.

AliExpress: Umstrittenes Unternehmen ist Sponsor der EM

Die meisten Menschen in Deutschland assoziieren mit preiswerten Produkten aus China den Bekleidungshersteller Shein und den Online-Händler Temu. Beide Unternehmen sind bekannt für den Verkauf von minderwertigen Waren zu günstigen Preisen. Nun strebt auch AliExpress danach, sich einen Anteil an diesem Markt zu sichern. AliExpress ist ein Unternehmen des großen chinesischen Technologiekonzerns Alibaba, der bisher hauptsächlich auf dem heimischen Markt aktiv war.

Um den globalen Markt zu erobern, hat AliExpress nicht nur eine Menge Bandenwerbung geschaltet, sondern auch ein prominentes Werbegesicht engagiert: Der ehemalige Fußballer David Beckham soll dazu beitragen, das Unternehmen auch im Westen bekannt zu machen. Allerdings hat das Image des Online-Marktplatzes einen Kratzer bekommen: Im März eröffnete die EU-Kommission ein Verfahren gegen AliExpress. Es soll untersucht werden, ob die Plattform gegen EU-Regeln verstößt, indem sie illegale und pornografische Inhalte anbietet. Die EU wirft dem Unternehmen unter anderem vor, gefälschte Medikamente zu verkaufen.

Alipay: Mit der App kann man sein EM-Bier bezahlen

Zum Alibaba-Universum zählt auch Alipay. Der Zahlungsservice wird von der Ant Group, einer Tochtergesellschaft von Alibaba, betrieben und hat seinen Hauptsitz in Shanghai. Mit der Alipay-App können Nutzer in China Geldtransaktionen durchführen, Essen von Lieferdiensten bestellen oder Zugfahrkarten buchen. Alipay hat Paypal bereits vor einigen Jahren als weltweit führenden Anbieter abgelöst. Der Erfolg des Unternehmens ist hauptsächlich auf die chinesischen Nutzer zurückzuführen, da Alipay im Westen bisher kaum bekannt ist. In Deutschland akzeptieren nur wenige Geschäfte die App, aber in den EM-Stadien können Bier und Bockwurst mit Alipay bezahlt werden.

Die Ausweitung auf Europa oder die USA wird durch chinesische Kapitalverkehrskontrollen erschwert, die die Ausfuhr großer Geldbeträge verbieten. Zudem erklärte der deutsche Verfassungsschutz in seinem Jahresbericht 2020, dass chinesische Geheimdienste möglicherweise Zugang zu den Kundendaten von Zahlungssystemen chinesischer Unternehmen, einschließlich Alipay, haben könnten. Antom, eine Tochtergesellschaft der Ant Group und Anbieter von Zahlungsverarbeitungsdiensten für Händler, ist ebenfalls mit Werbung bei der EM vertreten. (sh)

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