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Die Washington Post spricht weder für Harris noch für Trump eine Wahlempfehlung aus. Eigentümer Jeff Bezos verteidigt die Entscheidung gegen Kritik.
Washington, D.C. – Er ist einer der reichsten Menschen der Welt: der Unternehmer und Amazon-Gründer Jeff Bezos. Neben dem Versand-Riesen gehören dem Multimilliardär unter anderem auch die Weltraumfirma Blue Origin – und die renommierte Tageszeitung Washington Post. Diese hat erstmals seit Jahrzehnten keine Wahlempfehlung für die kommende US-Wahl ausgesprochen, woraufhin es Kritik hagelte. Jetzt hat Bezos seine Entscheidung, eine Empfehlung zu unterbinden, verteidigt.
In einem Meinungsbeitrag begründete Bezos den Verzicht auf eine Wahlempfehlung mit dem gesunkenen Vertrauen der US-amerikanischen Bevölkerung in den Journalismus. Viele Menschen hielten Medien für parteiisch. Mit Blick darauf gehe es ihm darum, die Glaubwürdigkeit der Washington Post zu stärken, und nicht um seine persönlichen Interessen, so Bezos weiter. Zudem, so schreibt er, würden Wahlempfehlungen von Medien niemanden dazu bewegen, für einen bestimmten Kandidaten zu stimmen.
Journalisten werfen Amazon-Chef Bezos Kalkül vor – Vorbereitung auf Sieg von Trump bei US-Wahl?
Am vergangenen Freitag hatte die Washington Post erklärt, sie werde vor der Präsidentschaftswahl am 5. November weder eine Empfehlung für die Demokratin Kamala Harris noch für ihren republikanischen Konkurrenten Donald Trump aussprechen. Auch bei künftigen Wahlen werde man davon absehen. Aus Protest kündigten daraufhin mehrere Mitglieder der Kommentar-Redaktion. Sie werfen Bezos Kalkül vor. Auch deshalb, weil die Entscheidung so kurz vor der Wahl kommt, was Bezos als Fehler einräumt.
Einer dieser Journalisten, Robert Kagan, sagte dem Sender CNN, die Entscheidung von Bezos sei offensichtlich ein Versuch, sich bei Donald Trump für den Fall dafür, dass er die Wahl gewinnt, beliebt zu machen. Zudem habe Trump Bezos in der Vergangenheit damit gedroht, ihm geschäftlich zu schaden, so Kagan weiter. Bezos Weltraumfirma Blue Origin ist auf Staatsaufträge angewiesen, deren Vergabe Trump als Präsident einschränken könnte.
Treffen von Blue-Origin-Chef und Donald Trump – keine Wahlempfehlung für Kamala Harris
Eine Trump-Regierung könnte Bezos und dessen Unternehmen also das Leben schwer machen. Bezos führt Amazon zwar nicht mehr selbst – sein Vermögen besteht aber zum großen Teil aus Aktien des weltgrößten Online-Händlers. Öl ins Feuer goss auch, dass sich Blue-Origin-Chef, Dave Limp, nur wenige Stunden nach Bekanntwerden der Entscheidung mit Trump in Florida traf. Er habe davon vorher nicht gewusst, schreibt Bezos jetzt in seinem Meinungsbeitrag.
Bezos hatte die Washington Post im Jahr 2013 gekauft. Bei den darauffolgenden Präsidentschaftswahlen 2016 und 2020 sprach die Zeitung den demokratischen Kandidaten Hillary Clinton und Joe Biden ihre Unterstützung aus. Eine für Kamala Harris wird es jetzt dagegen nicht geben – obwohl sie bereits geschrieben worden sein soll. Das empört nicht nur einige Mitarbeitende der Zeitung, sondern auch viele Leserinnen und Leser. Seit der Entscheidung sollen Medienberichten zufolge über 200.000 Menschen ihr Abo gekündigt haben. (grmo)
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