VonJakob Maurerschließen
Donald Trump hat zum „Labor Day“ keine Auftritte aufgekündigt. Kamala Harris dagegen reist mit viel Symbolik in den „Rostgürtel“ der USA. Die Kolumne.
Was ist besser als ein Tag der Arbeit im Jahr? Zwei Tage der Arbeit! Den 1. Mai verbrachte ich zwar noch im Feiertagsdienst für die Frankfurter Rundschau. Dafür komme ich im journalistischen US-Austausch in den Genuss des Labor Days – der sogar im wirtschaftsfreundlichen Texas wie immer am ersten Montag im September ansteht.
Zum 130. Mal wird der US-Feiertag bereits begangen. Bei der Einführung im Jahr 1894 wählte der Präsident Grover Cleveland bewusst nicht den Mai: Jedwede Assoziation mit dem sozialistischen Kampftag sollte vermieden werden.
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Die Ironie der Geschichte: Das sozialistische Datum geht auf Proteste in den USA zurück. Am 1. Mai 1886 streikte in Chicago die Arbeiterschaft für den Acht-Stunden-Tag, es kam zu Zusammenstößen mit der Polizei. Aus Solidarität erklärte der Internationale Sozialistenkongress in Paris drei Jahre später den 1. Mai zum allgemeinen Kampftag der Arbeiterbewegung.
Heute markiert der Labor Day in den USA das inoffizielle Ende des Sommers. Über das lange Wochenende verreisen viele noch einmal. Danach startet das Schuljahr so richtig. Und in einem Wahljahr wie diesem beginnt dann die nächste Etappe auf dem Weg ins Weiße Haus.
Kamala Harris reist an diesem Montag mit viel Symbolik im Gepäck in den an Arbeitergeschichte wie Swing States reichen „Rostgürtel“ der USA und dort in die einstigen Industriehochburgen Detroit („Motor Town“) und Pittsburgh („Steel City“).
Donald Trump hat keine Auftritte angekündigt. Vielleicht wähnt er sich in Sachen Arbeiterschaft in Sicherheit. Laut einer Umfrage des Instituts Gallup bezeichnen sich 46 Prozent auf republikanischer Seite als „Arbeiter oder Unterschicht“, während dies auf demokratischer Seite nur 35 Prozent tun. Und Trumps Triumph im Jahr 2016 wurde bekanntlich ja auch als „Revolte“ der weißen Arbeiterklasse analysiert.
Wo man die am Labor-Day-Wochenende antreffen könnte? Wie wäre es mit einer feiertäglichen „Gun & Knife Show“ in Alpine, Texas? Ganz ehrlich: Dafür ist mir der Tag der Arbeit zu schade – selbst wenn es der zweite ist.
