Grüne stellen sich quer

Ampel-Streit über Bezahlkarte eskaliert: Rhein fordert Kanzler-Machtwort – FDP droht mit Bruch

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Bei der Bezahlkarte für Asylbewerber sind die Ampelparteien geteilter Meinung. Hessens Ministerpräsident Rhein appelliert an den Kanzler.

Berlin – Ampel-Streit über die geplante Bezahlkarte für Asylbewerber: Knackpunkt ist die Frage, ob für die Einführung der Karte eine bundesgesetzliche Regelung nötig oder zumindest sinnvoll ist. Die Grünen sind dagegen, doch Vertreter der Fraktionen von FDP und SPD sowie der Chef der Ministerpräsidentenkonferenz (MPK), Hessens Ministerpräsident Boris Rhein (CDU), sprachen sich am Wochenende dafür aus. Die Habeck-Partei hält dagegen im Bundestag die bestehenden rechtlichen Möglichkeiten für ausreichend.

Rhein mit deutlichen Worten an Scholz – Kubicki droht mit Koalitionsbruch

MPK-Chef Rhein warf den Grünen eine „Blockade“ vor und forderte ein Machtwort von Kanzler Olaf Scholz (SPD). „Der Bundeskanzler muss jetzt ein Machtwort sprechen für einen realpolitischen Kurs der Ampel bei der Migration“, äußerte er gegenüber der Deutschen Presse-Agentur. Die Bezahlkarte sei ein wichtiger Schritt, „um Anreize für irreguläre Migration zu senken, Missbrauch von Asylleistungen zu verhindern und Schleuser zu bekämpfen“.

14 von 16 Bundesländern haben sich auf ein gemeinsames Vergabeverfahren zur Einführung einer Bezahlkarte für Asylbewerber geeinigt.

Sollte der Streit sich nicht auflösen, könnte dies für ein politisches Erdbeben sorgen. FDP-Vize Wolfgang Kubicki drohte gar mit dem Bruch der Koalition. Er sagte Bild: „Sollten die Grünen diesen minimalinvasiven Eingriff in das Asylbewerberleistungsgesetz tatsächlich torpedieren, stellt das die Fortsetzung der Koalition infrage.“

Lindner rechnet wegen Bezahlkarte mit vielen Ayslbewerbern, die ausreisen werden

Auch der FDP-Vorsitzende Christian Lindner sagte dem Münchner Merkur, man müsse die Karte flächendeckend eingeführt werden. Der Koalitionspartner solle schnell einlenken. „Der Widerstand der Grünen gegen eine Verabredung in der Regierung und mit den Ländern kommt überraschend. Die Grünen dürfen einen Konsens aller demokratischen Parteien nicht gefährden“, äußerte der 45-Jährige.

Lindner sagte, die Bezahlkarte könne gemeinsam „mit der von mir initiierten Reduzierung des Asylbewerberleistungsgesetzes zu einer deutlichen Reduzierung der Zahlen beitragen.“ Linder „rechne mit einer erheblichen Zahl von Asylbewerbern, die ausreisen werden, weil unser Sozialstaat plötzlich nicht mehr so attraktiv ist.“

SPD will Bundesländern bei Bezahlkarte Rechtssicherheit verschaffen

Ähnlich drückte sich die SPD aus: „Wir müssen den Bundesländern bei der Bezahlkarte jetzt Rechtssicherheit verschaffen. Das haben wir ihnen bereits im November zugesagt. Daran sollten sich nun auch alle Fraktionen halten“, stellte der stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende Dirk Wiese dem Berliner Tagesspiegel klar.

11 Anti-AfD-Schilder aus Ostdeutschland, die Mut machen

Demonstration gegen Rechts am Sonntag, 21. Januar 2024 in Leipzig.
Ein Plakat aus Leipzig, das mit dem Parteinamen der AfD spielt. © IMAGO / Picture Point LE
Demonstration gegen Rechts in Leipzig, 21.01.2024
Ein Schild von einer Demo gegen rechts in Leipzig. © IMAGO / Picture Point LE
Demonstration gegen Rechts in Leipzig, 21.01.2024.
So groß ist die Wut im Osten – aber nicht über die Ampel, sondern die AfD. © IMAGO / Picture Point LE
In Leipzig haben am 21. Januar 2024 zwischen 50.000 und 60.000 Menschen ein eindrucksvolles Zeichen gegen Rechtsradikalismus und die Alternative für Deutschland (AfD) gesetzt.
„Remigriert euch ins Knie!“, findet dieser Mann aus Leipzig. © IMAGO / Christian Grube
Protest in Dresden gegen die AfD und für die Demokratie.
Ein Schild von der Demo gegen rechts in Dresden. © IMAGO / Sylvio Dittrich
Demonstration am 21. Januar 2024 in Chemnitz gegen rechts.
„AfD? Nein danke“, steht auf diesem Schild aus Chemnitz. © IMAGO / HärtelPRESS
Demonstration gegen rechts am Sonntag, 21. Januar 2024, in Chemnitz.
Demonstration gegen rechts in Chemnitz. © IMAGO / HärtelPRESS
Unter dem Motto „Zusammen gegen Rechts! AfD Verbot jetzt“ demonstrierten am 21.01.24 rund 6000 Chemnitzer gegen Nazis, AfD und deren Umtriebe in Deutschland.
„EKELHAFD“, findet diese junge Frau aus Chemnitz. © IMAGO / Wolfgang Schmidt
Unter dem Motto „Zusammen gegen Rechts! AfD Verbot jetzt“ demonstrierten am 21.01.24 rund 6000 Chemnitzer gegen Nazis, AfD und deren Umtriebe in Deutschland.
Linksabbieger in Chemnitz sind gewünscht. © IMAGO / Wolfgang Schmidt
Protestierende bei der Demonstration des Erfurter Bündnisses „Auf die Plätze“ am 20.01.2024 auf dem Domplatz in Erfurt. Laut Polizei versammelten sich mindestens 10.000 Menschen. Die Demonstration stand unter dem Motto „Nie wieder ist jetzt“.
Dann doch lieber das Gendersternchen, findet diese junge Frau aus Erfurt. © IMAGO / epd
Protestierende bei der Demonstration des Erfurter Bündnisses „Auf die Plätze“ am 20.01.2024 auf dem Domplatz in Erfurt. Laut Polizei versammelten sich mindestens 10.000 Menschen. Die Demonstration stand unter dem Motto „Nie wieder ist jetzt“.
Dieser Mann in Erfurt findet: Augen auf – aber nicht nur im Straßenverkehr! © IMAGO / epd

Auch die saarländische Ministerpräsidentin Anke Rehlinger (SPD) sagte dem Blatt: „Es muss möglich sein, innerhalb der Ampel-Koalition einen Kompromiss mitzutragen, der zwischen der Bundesregierung und 16 Landesregierungen unterschiedlichster Couleur abgestimmt ist.“

Grünen sehen keine Notwendigkeit für Bezahlkarte

Die Grünen sehen dafür keine Notwendigkeit. Ihre Parlamentarische Geschäftsführerin Irene Mihalic verwies auf die begonnene Einführung der Bezahlkarte in Hamburg und die in zwei Wochen geplante Einführung in Bayern. Dem Redaktionsnetzwerk Deutschland sagte sie: „Die Länder haben alle rechtlichen Möglichkeiten, die sie brauchen, und sie werden offenbar auch genutzt. Dies ist in der Koalition besprochen und wird auch vom Kanzleramt seit Monaten so vertreten.“

Finanzminister Christian Lindner (l.) zeigte sich überrascht von der Position der Grünen mit Blick auf die Bezahlkarte.

Ende Januar hatten sich 14 von 16 Bundesländern auf ein gemeinsames Vergabeverfahren zur Einführung einer Bezahlkarte für Asylbewerber geeinigt, das bis zum Sommer abgeschlossen sein soll. Mit der Karte soll unter anderem verhindert werden, dass Flüchtlinge Geld an Schlepper oder an ihre Familie oder Freunde ins Ausland überweisen.

Die Vorsitzende des Sozialverbands Deutschland, Michaela Engelmeier, sprach von einer „populistisch aufgeladenen Scheindebatte, die vom eigentlichen Problem ablenkt“. „Anstrengungen müssen vor allem auf die schnelle Arbeitsmarktintegration gerichtet sein“, teilte sie mit. „Das hilft bei der Bewältigung unseres Arbeitskräftemangels und führt dazu, dass Menschen ihren Lebensunterhalt selbst erwirtschaften können.“ (cgsc mit dpa)

Rubriklistenbild: © Philipp von Ditfurth/dpa

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