Armutsbekämpfung

Ampel streitet über Kindergrundsicherung: Kühnert bietet Lindner die Stirn

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Die Ampel-Regierung will den Kampf gegen Kinderarmut intensivieren. SPD und Grüne sind sich weitgehend einig, die FDP zieht aber nicht so einfach mit.

Berlin – In diesen Tagen kann sich die Opposition im Bundestag beinahe genüsslich zurücklehnen. Und zuschauen, wie sich die Ampel-Regierung bei diversen zukunftsträchtigen Themen öffentlich angeht. Womit die geplanten Projekte schon vor ihrer Umsetzung erhebliche Kratzer abbekommen.

In Sachen Autobahn- und Schienenausbau sowie Heizen in der Zukunft standen SPD und FDP Schulter an Schulter den Grünen gegenüber. Beim aktuellsten Streitthema, der Kindergrundsicherung, zeigt sich Rot-Grün als Einheit, während die Liberalen ausscheren. So köchelt die Debatte um das Prestige-Projekt, das ärmeren Familien und ihrem Nachwuchs unter die Arme greifen soll, langsam hoch. Was der Kindergrundsicherung ebenso schadet wie der Koalition.

Ampel und die Kindergrundsicherung: Kühnert gibt Lindner Contra - „Wird kommen“

In der ntv-Sendung „Frühstart“ betonte SPD-Generalsekretär Kevin Kühnert in Richtung FDP: „Wir haben eine klare Verabredung in der Koalition. Die Kindergrundsicherung soll kommen und wird kommen.“ Es gehe um die „Ermittlung eines neuen sachgerechten, soziokulturellen Existenzminimums – also des Mindestbedarfs – für Kinder und Jugendliche“. An die Adresse von Christian Lindner schob der ehemalige Juso-Chef hinterher: „Einfach nur zu sagen: Nein! Das wird nicht reichen, um diese Diskussion zu überstehen.“

Der FDP-Vorsitzende schaut als Finanzminister, der aktuell tüchtig am Bundeshaushalt für das Jahr 2024 schraubt und die Schuldenbremse tunlichst einhalten will, skeptisch auf die Kindergrundsicherung, für die laut Familienministerin Lisa Paus (Grüne) jährlich zwölf Milliarden Euro benötigt werden. Gerade erst verwies Lindner in einem Interview mit der Bild am Sonntag darauf, dass die Ampel Familien und Kindern bereits sieben Milliarden Euro zusätzlich zur Verfügung gestellt habe. Zum Jahresbeginn war das Kindergeld auf 250 Euro angehoben worden, der Kinderzuschlag für Alleinerziehende und ärmere Familien kann ebenfalls bis zu 250 Euro im Monat betragen.

„Das Wesentliche für die Kindergrundsicherung ist damit finanziell getan. Für Familien mit Kindern ist bereits viel passiert“, findet Lindner daher. Natürlich sei mehr „immer wünschenswert, aber nicht immer möglich“. Als Herr des Geldes muss er eben ganz genau schauen, wofür er die vorhandenen Euro freigibt.

Steht eisern hinter der Kindergrundsicherung: SPD-Generalsekretär Kevin Kühnert kritisiert die ablehnende Haltung der FDP.

Paus will die Kindergrundsicherung: Zwölf Milliarden Euro pro Jahr „eher eine Untergrenze“

Paus jedoch will ihr politisches Baby nicht so schnell zu Grabe tragen. Im Gespräch mit der Nachrichtenagentur AFP nannte sie das höhere Kindergeld einen „wichtigen Schritt“, fügte zugleich hinzu: „Aber das allein ist nicht genug – die notwendigen Kosten für die Kindergrundsicherung können damit nicht verrechnet werden.“ Sie ist sogar der Meinung, die öffentlich kursierenden zwölf Milliarden Euro zusätzlich seien „hierfür eher eine Untergrenze“.

Die schlichte Forderung nach mehr Geld kritisierte FDP-Fraktionschef Christian Dürr. Im ZDF-„Morgenmagazin“ befand er: „Nur mehr Geld auf den Haufen zu legen, bringt nichts.“ Paus müsse mit den vorhandenen Finanzen auskommen. Vielmehr hält Dürr der Familienministerin vor, das Antragsverfahren sei „zu bürokratisch“. So würden Familien davor abgeschreckt werden, die ihnen zustehenden Leistungen abzurufen. Es sei wichtig, die Prozesse zu digitalisieren und zu vereinfachen.

Kabinett Scholz: Nach dem Ampel-Aus kommt Rot-Grün ohne Mehrheit

Olaf Scholz spricht zur Energiepolitik.
Olaf Scholz (SPD) ist der neunte Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland. Politisch wird er dem konservativen Flügel der Sozialdemokraten zugerechnet. Lange Zeit galt er als reiner „Scholzomat“ – ein Spitzname, den er sich wegen seiner mechanisch wirkenden Sprechblasen in seiner Zeit als Generalsekretär unter Kanzler Gerhard Schröder verdiente. Kurz nach dem russischen Einmarsch in die Ukraine kündigte er in einer Sondersitzung des deutschen Bundestages einen Wandel der deutschen Politik an: „Wir erleben eine Zeitenwende.“  © Britta Pedersen/dpa
Robert Habeck auf Deutschlandtour.
Robert Habeck ist Bundesminister für Wirtschaft und Klimaschutz im Kabinett Scholz sowie Stellvertreter des Kanzlers. Vom 27. Januar 2018 bis zum 14. Februar 2022 hatte er zusammen mit Annalena Baerbock den Bundesvorsitz der Partei Bündnis 90/Die Grünen inne. Habeck ist auch als Schriftsteller tätig. Gemeinsam mit seiner Ehefrau Andrea Paluch veröffentlichte er mehrere Romane, u.a. Hauke Haiens Tod (2001). © Soeren Stache/dpa
Jörg Kukies kommt zu Beginn der Sitzung des Bundeskabinetts im Kanzleramt.
Am 7. November 2024 hat Jörg Kukies das Amt des Finanzminister übernommen. Der Sozialdemokrat Kukies ist derzeit Staatssekretär im Kanzleramt und gilt als einer der wichtigsten Berater von Kanzler Scholz. Er ist sein Mann für Wirtschaft und Finanzen und verhandelt für ihn die Abschlussdokumente der G7- und G20-Gipfel.  © Michael Kappeler/dpa
Christian Lindner im Kanzleramt in Berlin am 27. Juli 2022.
Christian Lindner ist Bundesminister der Finanzen im Kabinett Scholz. Der FDP-Politiker ist seit dem 7. Dezember 2013 Bundesvorsitzender der Liberalen. Schon 2017 sah es lange so aus, als würde die FDP an der Regierung beteiligt sein. Doch nach vierwöchigen Sondierungsgesprächen zur Bildung einer Jamaika-Koalition erklärte Lindner die Verhandlungen schließlich für gescheitert. Seine Begründung: „Es ist besser, nicht zu regieren, als falsch zu regieren!“ © Emmanuele Contini/Imago
Nancy Faeser (SPD), alte und neue Landesvorsitzende der SPD in Hessen und Bundesinnenministerin, freut sich über ihre Wiederwahl.
Nancy Faeser führt im Kabinett Scholz als erste Frau das Bundesministerium des Innern und für Heimat. Die Juristin ist seit dem 2. November 2019 Vorsitzende der SPD Hessen. Zuvor war sie 16 Jahre lang Abgeordnete des Hessischen Landtags und ab 2019 als Vorsitzende der hessischen SPD-Fraktion auch Oppositionsführerin. Zudem war sie Spitzenkandidatin der SPD bei der Landtagswahl in Hessen 2023. Als Abgeordnete im Landtag erhielt sie zwei Drohbriefe, die mit NSU 2.0 unterschrieben waren. © Andreas Arnold/dpa
Annalena Baerbock ist im Kabinett Scholz Bundesministerin des Auswärtigen. Sie ist die erste Frau, die dieses Amt innehat. Bei der Bundestagswahl 2021 trat sie als Kanzlerkandidatin der Grünen an, die sich aber mit 14,8 Prozent der Zweitstimmen mit Platz drei hinter SPD und Union begnügen mussten. Von Januar 2018 bis Februar 2022 war sie gemeinsam mit Robert Habeck Bundesvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen.
Annalena Baerbock ist im Kabinett Scholz Bundesministerin des Auswärtigen. Sie ist die erste Frau, die dieses Amt innehat. Bei der Bundestagswahl 2021 trat sie als Kanzlerkandidatin der Grünen an, die sich aber mit 14,8 Prozent der Zweitstimmen mit Platz drei hinter SPD und Union begnügen mussten. Von Januar 2018 bis Februar 2022 war sie gemeinsam mit Robert Habeck Bundesvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen. © Thomas Imo/Imago
Marco Buschmann FDP, Bundesjustizminister, stellt Eckpunktepapier zum Selbstbestimmungsgesetz vor.
Marco Buschmann war bis zum 7. November 2024 Bundesminister der Justiz im Kabinett Scholz. Der FDP-Politiker war von Oktober 2017 bis Dezember 2021 Erster Parlamentarischer Geschäftsführer der Bundestagsfraktion. Im Herbst 2020 warnte er während der Corona-Pandemie vor einer Verfassungskrise. Buschmann war auch Mitkoordinator der erfolgreichen Verfassungsklage der Bundestagsfraktionen von CDU/CSU und FDP gegen den Berliner Mietendeckel. Nach dem Rauswurf von Finanzminister Christian Lindner verließ Buschmann die Ampel.  © Jürgen Heinrich/Imago
Volker Wissing, Bundesverkehrsminister FDP, vor der Kabinettssitzung im Berliner Kanzleramt Bundeskanzleramt in Berlin
Volker Wissing wurde nah dem Ampel-Aus für sein Ausscheren aus dem Kurs von FDP-Parteichef Christian Lindner belohnt. Der Bundesminister für Digitales und Verkehr erhielt zusätzlich das Justizressort. Einer der letzten großen Ampel-Fans in der FDP zog nach dem Koalitionsbruch Konsequenzen: In einem beispiellosen Schritt trat er aus der Partei aus und bleibt bis zu den geplanten Neuwahlen als Parteiloser im Amt. Der Jurist war vom 19. September 2020 bis zum 23. April 2022 Generalsekretär der FDP. Wissing gibt als Hobby Weinbau an, vor allem im familieneigenen Weingut.  © Stefan Boness/Imago
Hubertus Heil besucht die Gemeinschaftsunterkunft für Geflüchtete in Berlin-Spandau.
Hubertus Heil ist im Kabinett Scholz Bundesminister für Arbeit und Soziales – ein Amt, das der SPD-Politiker bereits seit dem 14. März 2018 innehat. Heil ist seit Dezember 2019 stellvertretender Bundesvorsitzender der Sozialdemokraten. Von November 2005 bis November 2009 und von Juni bis Dezember 2017 war er Generalsekretär seiner Partei. Heil spricht sich für einen Mindestlohn von mindestens 12 Euro aus, eine Erhöhung des Rentenalters auf über 67 Jahre lehnt er ab. © M. Popow/Imago
Boris Pistorius ist als Nachfolger von Christine Lambrecht ins Chefbüro des Verteidigungsministeriums im Bendlerblock gerückt. Pistorius gehört dem SPD-Parteivorstand an und gilt als erfahrener Polit-Manager. Von 1980 bis 1981 absolvierte er seinen Wehrdienst, anschließend studierte er Rechtswissenschaften in Osnabrück und Münster. Pistorius war zuvor seit 2013 Innenminister in Niedersachsen.
Boris Pistorius ist als Nachfolger von Christine Lambrecht ins Chefbüro des Verteidigungsministeriums im Bendlerblock gerückt. Pistorius gehört dem SPD-Parteivorstand an und gilt als erfahrener Polit-Manager. Von 1980 bis 1981 absolvierte er seinen Wehrdienst, anschließend studierte er Rechtswissenschaften in Osnabrück und Münster. Pistorius war zuvor seit 2013 Innenminister in Niedersachsen. © Michael Kappeler/dpa
Verteidigungsministerin Lambrecht besucht Marder-Kompanie
Bis zum 19. Januar 2023 hatte Christine Lambrecht das Amt der Verteidigungsministerin inne. Die SPD-Politikerin stand zumeist unter einem immensen Druck. Kritische Stimmen warfen ihr fehlende Sachkenntnis, die schleppend angelaufene Beschaffung für die Bundeswehr, aber auch ihr Auftreten in der Öffentlichkeit vor. Irritation rief schließlich eine Neujahrsbotschaft hervor, in der sie begleitet von Silvesterfeuerwerk in Berlin über den Ukraine-Krieg sprach. © Robert Michael/dpa
Cem Özdemir (Bündnis 90/Die Grünen), Bundesminister für Ernährung und Landwirtschaft läuft beim Treffen der G7 Agrarminister zum Eingang des Schlosses Hohenheim.
Cem Özdemir ist Bundesminister für Ernährung und Landwirtschaft im Kabinett Scholz. Özdemir ist der erste Bundesminister mit türkischem Migrationshintergrund. Von November 2008 bis Januar 2018 war er Bundesvorsitzender der Grünen. Im Dezember 2021 wurde er zum stellvertretenden Vorsitzenden des gemeinnützigen Vereins „Gegen Vergessen – Für Demokratie“ gewählt. Nach dem Ampel-Aus übernahm er auch das Ministerium für Bildung und Forschung.  © Bernd Weißbrod/dpa
Lisa Paus (Bündnis 90/Die Grünen), Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, spricht beim hybriden Gipfeltreffen „Women7-Summit“.
Elisabeth „Lisa“ Paus ist seit dem 25. April 2022 Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend im Kabinett Scholz. Sie ist die Nachfolgerin von Anne Spiegel, die zuvor von diesem Posten zurückgetreten war. Paus gehört zum linken Parteiflügel der Grünen. Sie ist seit 2009 Abgeordnete im Deutschen Bundestag.  © Bernd von Jutrczenka/dpa
Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier übergibt im Schloss Bellevue anlässlich des Amtswechsels im Bundesfamilienministerium die Entlassungsurkunde an Anne Spiegel (Bündnis 90/Die Grünen), bisherige Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend.
Vorgängerin von Lisa Paus war Anne Spiegel, die am 25. April 2022 die Entlassungsurkunde von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier erhielt. „Es war zu viel“, hatte die Grünen-Politikerin vorher bekennen müssen. Ihr Verhalten als Ministerin für Klimaschutz, Umwelt, Energie und Mobilität in Rheinland-Pfalz nach der Flutkatastrophe im Sommer 2021 wurde vom Untersuchungsausschuss des Landtags bis ins Detail untersucht. Die Kritik wurde zum Sturm – ihr Amt als Bundesfamilienministerin gab Spiegel deshalb auf. In ihrer Rücktrittserklärung betonte Spiegel, dass sie das Amt nicht länger belasten wolle und entschuldigte sich für begangene Fehler. © Bernd von Jutrczenka/dpa
Karl Lauterbach (SPD), Bundesgesundheitsminister, beantwortet auf einer Pressekonferenz Fragen von Journalisten zum Infektionsgeschehen und zur Impfentwicklung.
Karl Lauterbach ist Bundesminister für Gesundheit im Kabinett Scholz. Der SPD-Politiker ist Professor am Universitätsklinikum Köln und dort Leiter des Instituts für Gesundheitsökonomie und Klinische Epidemiologie. Wegen seines Bundestagsmandats ist er derzeit beurlaubt. Während der Pandemie ist er für viele zu einer Reizfigur geworden. Als Minister konnte er sich mit seiner Forderung nach einer allgemeinen Corona-Impfpflicht nicht durchsetzen.  © Wolfgang Kumm/dpa
Steffi Lemke, Bundesministerin für Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz beim Treffen der G7 Klima-, Energie- und Umweltministerinnen und -minister.
Steffi Lemke hat im Kabinett Scholz den Posten als Bundesministerin für Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz inne. Die Politikerin von Bündnis 90/Die Grünen absolvierte ein Studium der Agrarwissenschaft an der Humboldt-Universität zu Berlin, das sie 1993 als Diplom-Agraringenieurin abschloss. Von 2002 bis 2013 war sie politische Bundesgeschäftsführerin ihrer Partei. © Chris Emil Janssen/Imago
Bettina Stark-Watzinger im Portrait bei der Bundespressekonferenz zum Thema Veroeffentlichung des nationalen Bildungsberichts Bildung in Deutschland.
Bettina Stark-Watzinger ist Bundesministerin für Bildung und Forschung im Kabinett Scholz. Seit 2017 ist sie Abgeordnete im Deutschen Bundestag und seit März 2021 Vorsitzende der FDP Hessen. Ihr Studium der Volkswirtschaftslehre an der Johannes Gutenberg-Universität in Mainz und der Johann Wolfgang Goethe-Universität in Frankfurt am Main schloss sie 1993 als Diplom-Volkswirtin ab. Sie ist Mitglied im Stiftungsrat der Karl-Hermann-Flach-Stiftung. © Imago
Svenja Schulze SPD, Bundesministerin fuer wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, aufgenommen im Rahmen der Konferenz fuer globale Ernaehrungssicherheit im Auswaertigen Amt in Berlin.
Svenja Schulze ist Bundesministerin für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung der Bundesrepublik Deutschland im Kabinett Scholz. Die SPD-Politikerin ist Mitglied der Arbeiterwohlfahrt, der IG Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE), ver.di, im Naturschutzbund Deutschland (NABU) und im Verein Slowfood. Sie ist Mitbegründerin des Netzwerkes „Frauenzeiten“. © Florian Gaertner/Imago
Klara Geywitz im Kanzleramt in Berlin am 27. Juli 2022. Kabinettssitzung in Berlin.
Klara Geywitz ist Bundesministerin für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen im Kabinett Scholz. Zudem ist sie Beauftragte der Bundesregierung für den Berlin-Umzug und den Bonn-Ausgleich. Im Dezember 2019 wurde sie zu einer der stellvertretenden Bundesvorsitzenden der SPD gewählt. Geywitz gehört seit 2014 dem Vorstand der Stiftung für deutsch-polnische Zusammenarbeit an. © Emmanuele Contini/Imago
Wolfgang Schmidt hisst die Regenbogenfahne am Bundeskanzleramt in Berlin.
Wolfgang Schmidt ist Bundesminister für besondere Aufgaben und Chef des Bundeskanzleramtes im Kabinett Scholz. In dieser Funktion ist er außerdem Beauftragter der Nachrichtendienste des Bundes. Schmidt, der seit 1989 der SPD angehört, gilt als engster Vertrauter von Olaf Scholz. © Christian Spicker/Imago

Kommt die Kindergrundsicherung? Ampel-Koalition will Betroffene besser erreichen

Kühnert sprach von einer „30 Prozent Kinderzuschlag-Abrufungsquote“ – also bleiben aktuell mehr als zwei Drittel der bezugsberechtigten Familien auf dem Trockenen. Er wünscht sich vom murrenden Koalitionspartner hier aber auch Vorschläge, „wie zum Beispiel die bisherigen Leistungen besser abgerufen werden könnten“.

Ähnlich sieht es SPD-Chefin Saskia Esken, die in den Zeitungen der Funke-Mediengruppe den nächsten Schritt so umriss: „Jetzt müssen wir uns zum Ziel setzen, dass wir mehr Eltern und Kinder tatsächlich erreichen, die diese Unterstützung brauchen und auf die sie einen berechtigten Anspruch haben.“

Als große Verfechterin der Kindergrundsicherung erwies sich auch Grünen-Vorsitzende Ricarda Lang, die darin „unser Mittel gegen Kinderarmut“ sieht. Jedes fünfte Kind in Deutschland sei davon betroffen, betonte sie im WDR5. Es handele sich um „eine Frage von Bedürfnissen, die nicht erfüllt werden. Das ist aber auch eine Frage von Chancengleichheit.“

Will kein zusätzliches Geld in die Kindergrundsicherung stecken: Finanzminister Christian Lindner fokussiert sich auf die Unterstützung der Eltern auf dem Weg in Arbeit.

Streit über Kindergrundsicherung: Lindner will erstmal Eltern in Arbeit bringen - Paus kontert

In diesem Punkt sind sich die drei Koalitionsparteien demnach einig: Damit die Kindergrundsicherung zum Erfolg wird, müssten mehr bezugsberechtigte Familien erreicht werden. Lindner würde die Kinderarmut aber bevorzugt auf einem anderen Weg anpacken. In besagtem Interview mit der Bild am Sonntag stellte der oberste Liberale auch fest: „Die Kinderarmut ist oft in der Arbeitslosigkeit der Eltern begründet. Deshalb sind Sprachförderung und Integration in den Arbeitsmarkt entscheidend, um die Chancen der Kinder zu verbessern.“

Also: Eltern fördern, um Kindern bessere Aufstiegschancen zu verschaffen. Doch mit dieser Ansicht macht sich Lindner in den anderen Parteien nicht nur Freunde. So monierte Paus, dass Kinderarmut auch Familien betreffe, „in denen Eltern arbeiten, aber deren Einkommen trotzdem nicht ausreicht“. Oftmals ist das, was Mama und Papa von der Arbeit nach Hause bringen, eben zum Leben doch zu wenig – gerade in Zeiten der Inflation.

Noch deutlicher äußerte sich die SPD-Vizefraktionschefin Dagmar Schmidt gegenüber der Mediengruppe Bayern: „Viele Eltern, insbesondere Alleinerziehende, können doch gerade deshalb nicht im gewünschten Umfang arbeiten, weil sie Kinder haben und die Kinderbetreuung in Deutschland immer noch ausbaufähig ist.“ Direkt an Lindner gerichtet, schimpfte sie: „Wer so argumentiert wie der Finanzminister, blendet schlicht die Lebenswirklichkeit vieler Menschen aus.“

Kommt da noch mehr? SPD und Grüne wollen mit der Kindergrundsicherung zusätzliche Mittel für den Kampf gegen Armut lockermachen - doch die FDP blockt.

Kindergrundsicherung soll kommen: Ampel-Koalition soll laut Kühnert „alles dafür tun“

SPD und Grüne pochen also darauf: Es muss noch mehr getan werden, um bedürftigen Familien mit Kindern zu helfen. Auch Kühnert stellte im ntv-Gespräch klar, dass die Kindergrundsicherung an sich nicht verhandelbar sei: „Wenn man sich verspricht und gemeinsam aufschreibt im Koalitionsvertrag, die Bekämpfung von Kinder- und Jugendarmut – darum geht es bei der Kindergrundsicherung – soll ein zentrales Anliegen sein, dann muss man auch alles dafür tun.“

In der Kindergrundsicherung sollen ab dem Jahr 2025 staatliche Leistungen für Familien und Kinder gebündelt werden. Dabei soll auch der Bezug von Hilfen einfacher gestaltet werden. Angeschoben wurde das Projekt von Grünen und Linken im Jahr 2020 - also noch zu Zeiten der Großen Koalition. (mg)

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