VonRobert Wagnerschließen
Mit einer Umfrage auf Twitter präsentiert Elon Musk einen Friedensplan für den Krieg in der Ukraine. Sein Vorschlag geht viral und stößt auf viel Kritik.
Tesla-Chef Elon Musk sorgt mal wieder für Unruhe auf Twitter. Vor einigen Monaten hatte Elon Musk mit seinem vorläufig geplatzten Twitter-Deal ein Beben auf der Plattform ausgelöst. Am Montag nun hat der 51-jährige Milliardär seine Follower:innen in einer Umfrage dazu aufgefordert, über seinen Plan zur Beendigung des Krieges in der Ukraine abzustimmen. Sie wurde bisher knapp 40.000-mal geteilt und über 70.000-mal gelikt.
Sein Vorschlag sieht vor, in den vier von Russland annektierten Regionen Cherson, Donezk, Luhansk und Saporischschja unter Aufsicht der Vereinten Nationen (UN) Wahlen über deren zukünftigen Status abzuhalten. Außerdem solle die bereits 2014 erfolgte Annexion der Krim international anerkannt und deren Wasserversorgung sichergestellt werden. Die Ukraine selbst solle zukünftig neutral bleiben.
Ukraine-Russia Peace:
— Elon Musk (@elonmusk) October 3, 2022
- Redo elections of annexed regions under UN supervision. Russia leaves if that is will of the people.
- Crimea formally part of Russia, as it has been since 1783 (until Khrushchev’s mistake).
- Water supply to Crimea assured.
- Ukraine remains neutral.
Dieses Szenario sei letztlich „sehr wahscheinlich“, schreibt Musk unter der Umfrage. Es stelle sich nur die Frage, wie viele Menschen vor dessen Realisierung sterben müssten. In einer Antwort auf eine Kritikerin führte er aus, dass Russland eine dreimal so große Bevölkerung wie die Ukraine habe und nicht nachgeben werde. „Tod und Zerstörung werden auf beiden Seiten verheerend sein“, schrieb er. Einen „totalen Krieg“ könne die Ukraine nicht gewinnen, daher müsse man nun „Frieden suchen“, wolle man wirklich etwas für das ukrainische Volk tun.
Elon Musk empört die Ukraine, Botschafter Melnyk zu ihm: „Fuck off“
Mt seinem Friedensszenario kommt Elon Musk bei den Ukrainer:innen nicht gut an. Auf Twitter reagierte der Berater des Präsidentenbüros, Mychajlo Podljak, mit einem „besseren Friedensplan.“ Demnach werde die Ukraine ihr Territorium „einschließlich der annektierten Krim“ befreien. Russland werde danach komplett demilitarisiert und müsse seine Atomwaffen abgeben, sodass es „niemanden mehr bedrohen“ könne. Die russischen Kriegsverbrechen würden schließlich vor ein internationales Tribunal gebracht.
.@elonmusk there is a better peace plan.
— Михайло Подоляк (@Podolyak_M) October 3, 2022
1. 🇺🇦 liberates its territories. Including the annexed Crimea.
2. 🇷🇺 undergoes demilitarization and mandatory denuclearization so it can no longer threaten others.
3. War criminals go through international tribunal.
Let’s vote?
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj selbst reagierte sehr trocken mit einer knappen Umfrage, welchen Elon Musk man denn bevorzugen würde. Einen Elon Musk, „der die Ukraine unterstützt“, oder einen, „der Russland unterstützt.“ Selenskyjs Regierung strebt als einziges Szenario zur Beendigung des Krieges eine komplette Befreiung aller von Russland seit 2014 besetzten Gebiete, einschließlich der Krim an.
Which @elonmusk do you like more?
— Володимир Зеленський (@ZelenskyyUa) October 3, 2022
Auf Twitter wurde der Friedensplan von Elon Musk heiß disktutiert. Der Hashtag #Musk trendete zwischenzeitlich mal wieder. Der Milliardär, den viele als Visionär feiern, eckt des Öfteren bei seinen Mitmenschen an. Im Sommer wurde bekannt, dass die Tochter von Elon Musk nichts mehr mit ihrem Vater zu tun haben will.
1. Der ukrainische Botschafter in Deutschland, Andrij Melnyk, formuliert die Ablehnung von Elon Musks Friedensplan besonders eindeutig und unmissverständlich:
Fuck off is my very diplomatic reply to you @elonmusk
— Andrij Melnyk (@MelnykAndrij) October 3, 2022
2. Der Bundestagsabgeordnete Konstantin von Notz (Grüne) kontert den Friedensplan von Elon Musk mit einer ironischen Umfrage zu dessen Vermögen:
Wer ist dafür, das Vermögen von @elonmusk an die #Ukraine zu übertragen?
— Konstantin v. Notz (@KonstantinNotz) October 4, 2022
3. Sein FDP-Kollege Alexander Lambsdorff findet, es gibt definitiv „bessere Experten“ zum Thema Ukraine-Krieg als Elon Musk:
#Papst, #Precht und jetzt #Musk. Das Twitter-„Experten“🤡-Karussell.
— Alexander Lambsdorff (@Lambsdorff) October 3, 2022
Es gibt Leute, die haben Völkerrecht, Militärstrategie, Diplomatie und Geschichte wirklich gelernt. In echt 🎓! Vielleicht sind die die besseren Experten (sogar, obwohl sie sich nicht alle immer einig sind). https://t.co/uJ24PScxjp
4. Manche Twitter-Nutzer:innen erinnert Elon Musk bereits an die mächtigen Bösewichte aus James-Bond-Filmen:
Wenn man bedenkt welchen Einfluss und Macht Leute wie Elon #Musk (Starlink etc.) potentiell haben, erscheinen mir die ganzen James-Bond-Bösewichte gar nicht mehr so unrealistisch... Z.B. der Medienmogul "Elliot Carver" aus "Der Morgen stirbt nie".
— onurB (@bruno_nrw) October 3, 2022
5. Eine weitere ironische Umfrage hat sich ein anderer Twitter-Nutzer ausgedacht. Sie folgt der Logik von Elon Musks Umfrage:
Sollte sich jedermann per Diebstahl einen Tesla rechtmäßig aneignen dürfen? #Musk
— Martin Hofmann 🇺🇦 (@martin_hfmn) October 3, 2022
6. Eine Twitter-Nutzerin merkt Annäherungsversuche von Elon Musk an den Kreml aus dem Jahr 2021 an:
#Musk hat wahrscheinlich mal wieder zuviel auf Clubhouse mit dem Kreml getalkt. pic.twitter.com/YlL1aEudqB
— Julia 🇪🇺🇺🇦 - #WeAreNAFO (@zweilicht85) October 4, 2022
7. Der Twitter-Influencer El Hotzo macht auf die Problematik aufmerksam, dass jemand wie Elon Musk so viel Einfluss ausübt und so viel Bewunderung erfährt:
es ist so beeindruckend, dass es Menschen gibt, die sehen wie sich Elon Musk aufführt und trotzdem denken „yes, es sollte Menschen geben die mit diesem unermesslichen Reichtum und dieser absurden Macht ausgestattet sind“, wie offensichtlich muss es denn noch werden
— E L H O T Z O (@elhotzo) October 3, 2022
8. Das Recherchekollektiv affeu bringt die Haltung von Elon Musk mit einer Karikatur auf den Punkt:
#Musk proposal in a nutshell: pic.twitter.com/U4IFasrIeU
— affeu (@affeu2) October 4, 2022
9. Dieser Twitter-Nutzer schlägt vor, Elon Musk „endlich anständig zu besteuern“:
Langsam aber sicher merken auch die Letzten, dass Elon #Musk komplett einen an der Waffel hat. Können wir jetzt endlich damit anfangen Leute wie ihn anständig zu besteuern?
— Maurice Conrad (@Maurice_Conrad) October 3, 2022
