Politik

Angst und Paranoia beherrschen Pete Hegseths „auf-den-Kopf-gestelltes“ Pentagon

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Hegseth nennt sich seit längerer Zeit Kriegsminister. (Archivbild)

Unterstützer des Verteidigungsministers sagen, eine Umstrukturierung sei notwendig, doch er überrumpelt Donald Trump.

Das Pentagon ist unter einem immer paranoideren Pete Hegseth laut Verteidigungsquellen „auf den Kopf gestellt“ worden. Insider beschrieben die Amtszeit des Verteidigungsministers als chaotisch, dilettantisch und dysfunktional und warnten, dass der Kongress und einige im Weißen Haus nun das Vertrauen verlieren. Manche behaupten, der 45-Jährige sei während seiner elfmonatigen Amtszeit immer misstrauischer geworden und verlasse sich auf einen schrumpfenden Kreis von Vertrauten.

Als Pentagon-Chef beaufsichtigt Hegseth jeden Zweig des US-Militärs und spielt eine entscheidende Rolle bei Operationen, angefangen bei Schlägen gegen Irans Atomanlagen bis hin zum Aufbau von US-Truppen in der Nähe von Venezuela. Kritiker behaupten jedoch, dass sich der ehemalige Fox-News-Moderator immer mehr in seine Komfortzone zurückgezogen hat. Anstatt sich den größten Herausforderungen der USA und der Welt zu stellen, verbringe er seine Zeit mit Fotoshootings seiner Workouts, der Bekämpfung von „Wokeness“ im Militär und Vorträgen für „fette Generäle“ über Gewichtsverlust.

Er hat zudem zentrale Institutionen und Verteidigungsbeamte, die traditionell in die Führung der Streitkräfte eingebunden sind, ausgegrenzt. Auch Medien, einschließlich konservativer, wurden ausgeschlossen. Republikaner und Demokraten im Kongress sind verärgert darüber, im Unklaren gelassen zu werden. Selbst Kommunikationskanäle zum Weißen Haus sind verstummt.

Weiße Haus wird im Dunkeln gelassen

Hegseths Unterstützer sagen, er führe eine radikale Umstrukturierung durch, um weltweit „Frieden durch Stärke“ zu vermitteln – ein zentrales Element von Donald Trumps Außenpolitik. Doch Hegseth, auch von Kritikern als ausgesprochen loyal gegenüber Trump beschrieben, hat den US-Präsidenten wiederholt überrumpelt und widersprochen. Mitunter musste der Oberbefehlshaber persönlich eingreifen, um seinen neuernannten „Kriegsminister“ zu zügeln.

Hegseth misstraut zunehmend allen außer seinem engsten Kreis – bestehend aus seiner Frau, seinem persönlichen Anwalt und einem der wenigen verbliebenen Mitarbeiter nach einer Entlassungswelle. Der Verteidigungsminister soll von seinen Vorgesetzten so eingeschätzt werden, dass er sein Schicksal in die Hände von Beratern gelegt hat, denen das Weiße Haus wenig vertraut und mit denen die Geduld schnell schwindet.

John Ullyot, ehemaliger stellvertretender Assistent von Trump, der von Januar bis April als Chefsprecher des Pentagons für Hegseth arbeitete, unterstützte ihn während der schwierigen Ernennung als besten Kandidaten für einen Umbruch im Ministerium. Heute ist er anderer Meinung.

„Hegseth ist ein guter TV-Moderator, aber leider war seine Amtszeit als Minister belehrend, dilettantisch und dysfunktional“, sagte er The Telegraph. „Es gab eine Ablenkung nach der anderen, und Präsident Trump verdient Besseres.“

Im März wurde Elon Musk, der damalige Effizienzbeauftragte der Regierung, zu einem Briefing ins Pentagon eingeladen, um über die Pläne des US-Militärs für einen potenziellen Krieg mit China informiert zu werden. Das löste bei jenen Besorgnis aus, die befürchteten, der Tesla-Milliardär könnte für Druck aus Peking anfällig sein.

Trump griff persönlich ein, um das Treffen zu verhindern. „Was zum Teufel macht Elon da? Sorgt dafür, dass er nicht hingeht“, wies er laut Axios seine Mitarbeiter an. Hegseth wehrte sich später gegen die negative Presse und erklärte, es habe sich um ein „informelles“ Gespräch über „Innovation“ gehandelt.

Kontroverse um Ukraine, Leaks und Personalpolitik

Im Juli stoppte der Präsident Hegseths Anordnung, wichtige Militärhilfe für die Ukraine zurückzuhalten – eine Entscheidung, die der Minister angeblich traf, ohne das Weiße Haus zu informieren. Das Pentagon bestand darauf, dass die Pause mit der Regierung abgestimmt war. Im selben Monat wurde Hegseth offenbar durch Trump-nahe Mitarbeiter überstimmt, nachdem er Pentagon-Mitarbeiter zu Lügendetektortests verdonnerte, um Informanten aufzuspüren.

Letzte Woche wiesen Senatoren auf zahlreiche Widersprüche zwischen Weißem Haus und Pentagon hin, etwa die Entscheidung, amerikanische Truppen aus Rumänien abzuziehen. „Wir scherzen ständig, dass wir im Upside-Down sind“, sagte eine Quelle aus Hegseths Umfeld. „So führt man keine Regierung.“

Kritiker sehen hierin die Folge von Hegseths eigenem Versagen: Ein „Johnny One Note“ (Bezeichnung für jemanden, der nur ein einziges Thema hat und dieses ständig wiederholt) mit vagen Ideen zu „Tödlichkeit“ und „Kämpfern“, dem die Autorität fehle, ein Ministerium zu leiten, oder der Ernst, es zu erlernen. „Für ihn ist das Pentagon wie ein glänzender Ferrari“, sagte ein früherer ranghoher Verteidigungsbeamter. „Das Problem mit Musk entstand, weil er wollte, dass Musk mal aufs Gaspedal drückt und sieht, wie cool das ist.“

„Signalgate“ und ansteigende Paranoia

Hinzukommt Hegseths wachsende Paranoia seit „Signalgate“, dem Skandal, der beinahe seine Karriere beendete, als er versehentlich militärische US-Pläne an den Chefredakteur von The Atlantic leakte. Auch wenn der Verteidigungsminister angeblich nicht derjenige war, der den Journalisten versehentlich zum Signal-Chat hinzufügte, teilte er sensible Informationen, darunter Strategie und Hinweise auf bevorstehende Angriffe, die laut Kritikern als geheim eingestuft waren.

„Ich hätte mein Leben darauf verwettet, dass er nach Signalgate weg gewesen wäre“, sagte ein Pentagon-Beamter. „Man gibt einfach keine Geheimnisse über kommerzielle Kanäle heraus.“ Colin Carroll, ein früherer Berater Hegseths, erzählte in der Megyn Kelly Show im April, der Minister sei schnell von Paranoia vereinnahmt worden und verbringe die Hälfte seiner Zeit mit Leak-Untersuchungen. Auch persönliche Freunde Hegseths waren im Klima des gegenseitigen Misstrauens nicht sicher, das rasch zu Säuberungen unter hochrangigen Mitarbeitern führte.

Carroll war einer der im April von Hegseth Entlassenen, ebenso Darin Selnick und Dan Caldwell, zwei langjährige Berater, die kurzerhand aus dem Pentagon geführt wurden. Später gaben die drei eine gemeinsame Erklärung ab, in der sie „unbenannte Pentagon-Beamte“ dafür kritisierten, sie beim Abgang mit haltlosen Angriffen verleumdet zu haben.

Inzwischen richtet sich der Verdacht auf Tim Parlatore, Hegseths privaten Rechtsanwalt, der als Teil eines „Machtspiels“ mit ins Pentagon kam, um seine eigene Position zu festigen. Parlatore bezeichnete Behauptungen, er habe die Entlassungen orchestriert, als „widerlegte Lügen“. Er kritisierte die Berichterstattung von The Telegraph, die laut ihm durch öffentliche Aussagen des US-Präsidenten direkt widerlegt worden sei.

Spannungen im Führungszirkel

Gleichzeitig versuchte Ricky Buria, inzwischen faktischer Stabschef, Matt McNitt, den Verbindungsmann zum Weißen Haus, laut Washington Post erfolglos auszubooten. Beide Männer genießen offenbar das Vertrauen Hegseths – in der momentanen Atmosphäre keine Selbstverständlichkeit. Die Koordination innerhalb der Regierung wird jedoch durch das angespannte Verhältnis zum Weißen Haus gehemmt.

Parlatore verließ Trumps Strafverteidigungsteam 2023 nach Streitereien im inneren Zirkel und soll vom Präsidenten als „instabil“ bezeichnet worden sein. Buria, der an die Demokraten spendete, wird von „Trumpworld“ misstraut und wurde am festen Stabschef-Posten gehindert. Eine informierte Person sagte, das Weiße Haus sei bei den beiden „am Ende seiner Geduld“ angelangt. „Sie sind nicht nur unerfahren in dem, was sie tun, sie haben auch schlechte Beziehungen innerhalb der Regierung.“

Presse ausgeladen und medialer Rückzug

Hegseth brauchte nur wenige Stunden an seinem ersten Tag als Verteidigungsminister, um am Pentagon die Zugbrücke hochzuziehen. An einem Montag Ende Januar drängte Hegseth gemeinsam mit seiner Frau in seinem neuen Büro, Courtney Kube, die erfahrene Sicherheitsexpertin von NBC, aus dem Pentagon zu verbannen. Sie ließen sich auch nicht entmutigen, als der Versuch per Rechtsberatung scheiterte, so ein früherer ranghoher Pentagon-Beamter.

Im Februar setzte sich ein neuer, rechtssicherer Plan durch. Das Pentagon konnte zwar NBC nicht gezielt ausschließen, aber die bisher den Sendern und anderen ungenehmen Medien – wie The New York Times – vorbehaltenen Presseplätze rotieren lassen. Stattdessen kamen konservative Medien ins Haus, darunter New York Post, Breitbart, One America News Network sowie HuffPost.

HuffPost gilt als linksliberal und wurde dem Vernehmen nach ausgewählt, um den Anschein zu erwecken, der Zugang werde verbreitert. Tatsächlich jedoch sollte NBC so beschnitten werden, sagte eine Quelle. Dennoch blieb Kube in den darauffolgenden Monaten ein Stachel im Fleisch Hegseths.

Im März berichtete sie über die Anweisung des Weißen Hauses, das Pentagon solle Pläne zur Rückeroberung des Panamakanals ausarbeiten. Das habe das Misstrauen des Ministers gegenüber Leaks verschärft. Nach „Signalgate“ meldete Kube, Hegseth habe Informationen zu Militäreinsätzen gegen Huthi-Rebellen im Roten Meer an eine Gruppe verschickt, der auch seine Ehefrau angehörte – obwohl unklar sei, ob sie eine Sicherheitsfreigabe hat.

Jennifer Hegseth – ohnehin gereizt durch die anhaltenden Berichte während seines turbulenten Anhörungsverfahrens – wird von Quellen als einer der Hauptantreiber für die Versuche genannt, die Presse im Pentagon zu gängeln. Sie war Produzentin bei Fox News und scheint entschlossen, ihren Mann beim Wechsel vom Fernsehen in die Regierung zu inszenieren.

Medienkontrolle und neue Presselandschaft

Normalerweise ist das Büro des Verteidigungsministers mit Bildern der Streitkräfte dekoriert. Ein Insider erzählte, Lloyd Austin, Hegseths Vorgänger, habe „jeden einzelnen Truppenteil vertreten“ gehabt. Inzwischen zieren riesige Portraits – jedes mindestens 60 cm breit – die Wände, die Jennifer Hegseth an der Seite ihres Mannes bei dessen Vereidigung zeigen.

Dutzende Medien gaben ihre Pentagon-Presseausweise im Oktober ab, als sie sich weigerten, Hegseths Auflagen zu akzeptieren: Sie sollten keine Inhalte ohne Freigabe der Behörden veröffentlichen. Selbst viele konservative Medien wollten das nicht mittragen, darunter Newsmax, The Washington Times und sogar Hegseths früherer Arbeitgeber Fox News.

Als die Epoch Times den Bedingungen zustimmte, kündigte ihr Sicherheitsreporter Andrew Thornebrooke mit den Worten, dies bedeute, „unserer journalistischen Verantwortung abzudanken und lediglich Staatserzählungen zu replizieren“. Adam Smith, ranghöchster Demokrat im Verteidigungsausschuss des Repräsentantenhauses, nannte dies einen „totalitären Schritt“. „Hegseth meint offenbar, das amerikanische Volk und die Medien hätten kein Recht zu wissen, was er tut oder warum … Es ist unfassbar“, sagte er The Telegraph.

Das Pentagon hat inzwischen ein neues Presseteam gebildet, dem unter anderem die Rechts-Aktivistin Laura Loomer und LindellTV, ein von Matratzen-Tycoon Mike Lindell gegründetes Netzwerk, angehören. Hegseth, der offenbar besonders misstrauisch gegenüber Medien ist, hat sich trotz seines Rufs als guter Kommunikator zunehmend aus der Öffentlichkeit zurückgezogen.

Ein ehemaliger Verteidigungsbeamter sagte, der Minister habe „vor der Kamera meist sehr gut performt“, sei aber bei kritischen Fragen sichtlich „nervös“ geworden. Andere Kabinettsmitglieder, wie Vizepräsident JD Vance und Außenminister Marco Rubio, treten regelmäßig in den Sonntags-Talkshows auf und scheuen Konfrontationen nicht. Trump selbst stellt sich stets Dutzenden Journalistenfragen, kürzlich bei „60 Minutes“. Letztes Jahr verklagte er sogar den Sender CBS wegen eines Interviews mit Kamala Harris auf $10 Mrd. (€9,25 Mrd.). Hegseth, der laut Berichten sogar ein Schminkstudio neben dem Briefingraum einrichten ließ, bleibt dem Fernsehen auffällig fern.

Kongress hat keinen Zugriff

Führende Kongressabgeordnete, die das Pentagon kontrollieren sollen, sagen, sie wüssten so wenig über dessen Abläufe, dass sie Pete und Jennifer Hegseth vorladen wollen. Der Minister setzt sich mit Macht im Militär durch – vom Rauswurf oder der Ausgrenzung Dutzender Spitzenoffiziere bis zu skurrilen Gesten wie der Versammlung Hunderter Führungskräfte, um öffentlich den „fetten Generälen“ ein Ende zu erklären.

Dennoch erklärten Politiker The Telegraph, das Misstrauen zwischen Pentagons Leitung und Kongress sei so groß, dass sie „zuletzt von allem erfahren“. Suhas Subramanyam, oberster Demokrat im zuständigen Unterausschuss, fordert, dass Jennifer Hegseth aussagen solle, welche Sicherheitsfreigabe sie habe und wie genau sie eingebunden sei. Adam Smith sprach von den schlechtesten Beziehungen zwischen Pentagon und Kongress in seinen 28 Jahren dort.

„Es geht nicht darum, wie transparent sie sein sollten oder wann sie mit uns sprechen sollten“, sagte er. „Ihre Haltung ist: Leckt uns.“ Republikaner machten ihrem Ärger bei einer eigentlichen Routineanhörung für Austin Dahmer Luft. Tom Cotton sprach von einem „Saustall“ im Ministerium, und der Senator aus Alaska Dan Sullivan beklagte die Stille aus dem Policy-Büro: „Mann, ich bekomme ja nicht mal eine Antwort. Und wir stehen eigentlich auf eurer Seite.“

Dahmer, der „Fake News“ und „falsche Berichterstattung“ für die Kontroversen verantwortlich machte, behauptete, das Pentagon hätte drei Briefings zum Truppenabzug aus Rumänien gehalten. Das überraschte Roger Wicker, den Ausschussvorsitzenden – er erklärte, überhaupt keines erhalten zu haben.

Ein Pentagon-Insider sagte The Telegraph, die „Atmosphäre des Misstrauens“ reiche von der Führung bis hinunter und habe jede konsistente Entscheidungsfindung lahmgelegt. „Manche Vorgaben machen überhaupt keinen Sinn. Wir arbeiten an einer Sache, dann werden wir zu irgendwas Verrücktem abgezogen“, ergänzte er – das Betriebsklima habe stark gelitten. „Sie können so viele Lügendetektortests machen, wie sie wollen, am Ende kommt die Wahrheit eh raus“, sagte Subramanyam, der mit Whistleblowern gesprochen hat. „Sie schämen sich so für das, was im Pentagon durchsickert ... sie sollten einfach von Anfang an transparenter sein.“

Das Verteidigungsministerium als „gut geölte Maschine“?

Ein Sprecher des Pentagons teilte mit: „Alle in Ihrem Artikel genannten Gerüchte und Prognosen sind schlicht falsch, stammen von anonymen Quellen oder von Leuten mit einer Agenda gegen Minister Hegseth und Präsident Trump.“ Sean Parnell, Hauptsprecher des Pentagons, erklärte: „Kriegsminister Pete Hegseth ist einer der effektivsten Leiter, die dieses Ministerium seit Jahrzehnten gesehen hat – das macht seine Feinde in Washington natürlich wahnsinnig.“

„Unter seiner Führung ist das Kriegsministerium eine gut geölte Maschine, vereint hinter Präsident Trumps America-First-Politik.“ Hegseth ist nicht der erste Pentagon-Chef, der versucht, Leaks zu verhindern, und er wird längst nicht der letzte sein, der daran scheitert. Wie viele seiner Vorgänger hat der Minister festgestellt: Armeen befolgen Befehle, Millionenbehörden nicht.

Im Pentagon werden lebenswichtige Entscheidungen gefällt. Kritiker befürchten jedoch, dass das Ressort in den Händen eines Mannes ist, der sich stärker mit internen Machtkämpfen beschäftigt als mit den echten Kriegen da draußen. Das Pentagon glich schon immer einer Festung – aber mit einem Minister, der glaubt, belagert zu werden, wird es jetzt auch so behandelt. (Dieser Artikel von Benedict Smith entstand in Kooperation mit telegraph.co.uk)

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