Konflikte

Ankündigung von Lukaschenko: Nukleare Verwirrung in Minsk

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Auf diesem von der Roscongress Foundation veröffentlichten Foto spricht Alexander Lukaschenko, Präsident von Belarus, während einer Plenarsitzung des Eurasischen Wirtschaftsforums.
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Russische Atomwaffen in Belarus ändern das Gleichgewicht kaum

Alexander Lukaschenko drückte sich wieder einmal unklar aus. „Wir mussten Orte, Lager und so weiter vorbereiten. Das haben wir alles getan … darum hat der Transport der atomaren Sprengköpfe bereits begonnen.“ Auf die Nachfrage, ob schon Atomwaffen Russlands in Belarus seien, antwortete Lukaschenko allerdings vage: „Kann sein. Wenn ich nach Hause komme, schaue ich nach.“

So kommentierte Lukaschenko am Donnerstag auf dem Eurasischen Wirtschaftsforum in Moskau die Vereinbarung über die Stationierung russischer taktischer Atomraketen in Belarus, die die Verteidigungsminister Russlands und Belarus, Sergej Schoigu und Viktor Chrenin, am gleichen Tag unterschrieben hatten. Dabei dementierte Schoigu einen anderen Lukaschenko-Spruch: Man übergebe diese Waffen nicht an die Belarussen, sie blieben unter Kontrolle der russischen Streitkräfte.

Dass Russland taktische Atomwaffen in Belarus stationieren will, hatte Wladimir Putin am 25. März bekannt gegeben und damals begründet, Großbritannien wolle der Ukraine Geschosse mit abgereichertem Uran liefern, die laut Putin radioaktiv stauben. Dabei sagte er, ein Speziallager für die atomaren Waffen werde am 1. Juli fertiggestellt. Auch das widerspricht Lukaschenkos Worten, die Verlagerung der Kernwaffen habe bereits begonnen.

Iskander-Raketen nahe Polen

Laut Putin bilden die Russen seit Anfang April belarussische Bomberpilot:innen an Raketen für Atomsprengköpfe aus. Schon im März befanden sich zehn Kampfflugzeuge in Belarus, die man mit solchen Sprengköpfen bewaffnen kann. Aber es ist fraglich, ob die strategische Lage in Osteuropa durch die Stationierung stark beeinträchtigt wird. Schon jetzt stehen in der Region Kaliningrad, also an der polnischen Grenze, russische Iskander-Raketen. Es gilt als sehr wahrscheinlich, dass dort auch taktische Atomsprengköpfe gelagert werden.

Aus Moskauer Sicht wiederholt die Stationierung in Belarus nur die übliche Praxis der USA in westeuropäischen Ländern, auch in Deutschland, wo ebenfalls taktische US-Atomraketen stehen und einheimische Pilot:innen daran ausgebildet sind. Wenn Russland wie die USA die Kontrolle über diese Sprengköpfe behalte, liege auch kein Verstoß gegen den Vertrag über die Nichtverbreitung von Atomwaffen vor, erklärte der Moskauer Militärexperte Viktor Litowkin der Frankfurter Rundschau. „Ihr macht es, wir werden es genauso machen.“

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