Der Weihnachtsbaum des Weihnachtsmarktes spiegelt sich auf einer regennassen Tischplatte. Am 20. Dezember 2024 war auf dem Weihnachtsmarkt ein Autofahrer in eine Menschengruppe gefahren.
Mit einem gemieteten BMW führte der mutmaßliche Täter Taleb A. den Anschlag in Magdeburg aus. Ermittler haben jetzt offenbar sein Testament in dem Fahrzeug gefunden.
Magdeburg – Fünf Tote und knapp 200 teils schwerst Verletzte. Das ist die bittere Bilanz der Amokfahrt über einen Weihnachtsmarkt in Magdeburg. Mit einem gemieteten BMW raste der mutmaßliche Täter Taleb A. über den Markt und durch die vielen Menschen. Dabei rechnete er offenbar damit, dass er selbst bei der Tat ums Leben kommen würde. Das geht aus einem nun gefundenen Testament hervor.
In dem angemieteten Auto fanden Ermittler nach Angaben des Spiegels das Testament von Taleb A. In dem Schreiben vermacht Taleb A. dem Bericht nach sein gesamtes Vermögen dem Deutschen Roten Kreuz. Politische Botschaften soll das Testament demnach nicht enthalten. Den neuen Informationen nach soll der mutmaßliche Täter den Wagen zudem schon am 11. Dezember, also knapp eine Woche vor der Amokfahrt, angemietet haben.
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Schon im Mai habe Taleb A. den Spiegel-Angaben zufolge auf X geschrieben, dass er „in diesem Jahr“ sterben werde. Er suche nach „Gerechtigkeit“.
Der mutmaßliche Täter des Anschlags auf dem Magdeburger Weihnachtsmarkt war spätestens Anfang 2015 den zuständigen Bundesbehörden als potenziell Verdächtiger bekannt. Wie das Innenministerium in Schwerin auf Anfrage mitteilte, informierten Vertreter des Landes Mecklenburg-Vorpommern im von Bund und Ländern getragenen Gemeinsamen Terrorabwehrzentrum das Bundeskriminalamt am 6. Februar 2015 über mögliche Anschlagsabsichten des aus Saudi-Arabien stammenden Mannes.
Anlass für die Meldung seien dessen Drohungen gegenüber der Ärztekammer Mecklenburg-Vorpommern im April 2013 und ein Jahr später auch gegen eine Kommunalbehörde in Stralsund gewesen, Handlungen vorzunehmen, die internationale Beachtung fänden.
Nach Angaben von Innenminister Christian Pegel (SPD) lebte der heute 50-Jährige von 2011 bis Anfang 2016 in Mecklenburg-Vorpommern und absolvierte in Stralsund Teile seiner Facharzt-Ausbildung. Mit der Landesärztekammer habe es Streit um die Anerkennung von Prüfungsleistungen gegeben. Gegenüber der Sozialbehörde in Stralsund habe er versucht, mit Drohungen die Gewährung von Hilfe zum Lebensunterhalt durchzusetzen.
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Magdeburg-Anschlag: Mutmaßlicher Täter trotz Drohungen nicht als Gefährder eingestuft
Laut Pegel hatte das Amtsgericht Rostock Taleb A. wegen der Drohungen gegenüber der Ärztekammer zu einer Geldstrafe verurteilt. Die vorhergehenden Ermittlungen hätten jedoch keine Hinweise auf reelle Anschlagsvorbereitungen ergeben und auch keine islamistischen Bezüge offenbart. Nach dem Vorfall in Stralsund sei der Mann im Rahmen einer sogenannten Gefährderansprache von der Polizei auf Konsequenzen hingewiesen worden. Ihm sei gesagt worden, dass man einen sehr viel genaueren Blick auf ihn haben werde. Als Gefährder sei der Mann aber nicht eingestuft worden, sagte Pegel.
Taleb A. war am Freitagabend mit einem Auto über den Weihnachtsmarkt von Magdeburg gerast. Dabei tötete er fünf Menschen und verletzte etwa 200 zum Teil schwer. Der Mann war zuletzt als Arzt in Bernburg südlich von Magdeburg tätig. Er lebt seit 2006 in Deutschland und hatte 2016 Asyl als politisch Verfolgter erhalten. Seit dem Anschlag sitzt er in Untersuchungshaft. (rist/dpa)
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