Erst ein Fall bekannt

Taliban „bereit“ für Abschiebeflüge aus Deutschland – Terror-Ministerium stellt aber klare Bedingung auf

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Deutschland diskutiert nach dem mutmaßlichen München-Anschlag über Abschiebeflüge nach Afghanistan. Die Taliban machen nun ein Angebot.

Kabul – Geht es nach den Taliban, steht Abschiebungen von Deutschland nach Afghanistan nicht viel im Weg. Diesen Eindruck erweckt jedenfalls Abdul Kahar Balchi. Der Sprecher des Kabuler Außenministeriums der islamistischen Terrorgruppe sagte der Deutschen Presse-Agentur (dpa): „Wir haben unsere Bereitschaft gezeigt, die konsularischen Dienste für Afghanen in Deutschland wieder aufzunehmen, die alle Aspekte der Migration abdecken.“

Die afghanischen Machthaber erhoffen sich also im Gegenzug offensichtlich den Aufbau diplomatischer Beziehungen zu Berlin. Die Aussage zu möglichen Abschiebungen fiel mutmaßlich auch unter dem Eindruck der zunehmenden Diskussionen über den Umgang mit in Deutschland straffällig gewordenen Afghanen.

Bis zu 30 Verletzte: Auto fährt in Menschengruppe in München – Bilder zum Großeinsatz

Blaulicht
In München lief seit dem Vormittag (13. Februar) ein großer Polizeieinsatz in der Nähe des Hauptbahnhofes. © Winter
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Die Polizei war mit einem Großaufgebot vor Ort. „An der Einsatzörtlichkeit ist ein Fahrzeug in eine Personengruppe gefahren. Mehrere Personen wurden hierbei verletzt“, berichteten die Beamten auf X. © Winter
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„Der Fahrzeugführer konnte vor Ort gesichert werden, von ihm geht derzeit keine weitere Gefahr aus“, berichtete die Polizei auf X weiter. Die Verletzten werden derweil vor Ort behandelt. © Videoredaktion tz
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„Rund um die Einsatzörtlichkeit kommt es zu Verkehrsbehinderungen. Umfahren Sie den Bereich weiträumig, damit die Einsatzkräfte ungehindert arbeiten können“, so der Appell der Beamten. © Videoredaktion tz
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„Wir haben im Löwenbräukeller am Stiglmaierplatz eine Zeugensammelstelle eingerichtet. Wenn Sie Angaben zu den Ereignissen machen können, melden Sie sich bitte dort“, schreibt die Polizei auf X. © Videoredaktion tz
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Derzeit wird von rund 20 Verletzten ausgegangen. © Videoredaktion tz
Polizeieinsatz am Stiglmaierplatz
Bei der Fahrt eines Fahrzeugs in eine Menschengruppe in München sind laut Feuerwehr mindestens 20 Menschen verletzt worden. Darunter sei auch eine „unbestimmte Zahl“ Schwer- und Schwerstverletzter, sagte ein Sprecher der Berufsfeuerwehr München. Lebensgefahr sei bei einigen der Verletzten bislang nicht auszuschließen. © Yannick Thedens
Polizeieinsatz am Stiglmaierplatz
Auch ein Hubschrauber kreiste über dem Einsatzort. © Yannick Thedens
Polizeieinsatz am Stiglmaierplatz
Der Münchner Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) sagte, unter den Verletzten befänden sich auch Kinder. „Ich bin tief erschüttert“, sagte Reiter. „Meine Gedanken sind bei den Verletzten“.  © Yannick Thedens
Polizeieinsatz am Stiglmaierplatz
Am Ort des Geschehens, am Münchner Stiglmaierplatz, fand nach Polizeiangaben zum Zeitpunkt des Vorfalls gegen 10.30 Uhr eine Demonstration der Gewerkschaft Verdi statt. Ob Demonstranten unter den Verletzten waren, war zunächst unklar. Auch einige Straßen vom Stiglmaierplatz entfernt standen mehrere Rettungswagen. © Yannick Thedens
Car drives into crowd in Munich, several injured: German police
Eine BR-Reporterin berichtete am Unfallort von „vielen weinenden Menschen“. Sie habe gesehen, wie ein junger Mann von der Polizei „abtransportiert“ worden sei. © Michaela STACHE / AFP
Auto in München in Menschengruppe gefahren
Ein Polizist fotografiert ein Auto am Einsatzort. In der Münchner Innenstadt ist ein Fahrzeug in eine Menschengruppe gefahren.  © Matthias Balk/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
Auto in München in Menschengruppe gefahren
„Unter den Verletzten befinden sich zwei Schwerverletzte. „Rund um den Ereignisort sind noch zahlreiche Einsatzkräfte vor Ort. Die Versorgung der Verletzten hat derzeit oberste Priorität. Unterstützt die Rettungskräfte durch Freihalten der Rettungswege.“ Das schrieb die Münchner Polizei kurz nach 12 Uhr auf X. © Matthias Balk/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
Auto in München in Menschengruppe gefahren
Auch Oberbürgermeister Reiter machte sich vor Ort ein Bild. © Roland Freund/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
Car drives into crowd in Munich, several injured: German police
Ministerpräsident Markus Söder und Innenminister Joachim Herrmann waren ebenefalls vor Ort. © Michaela STACHE / AFP)
Auto in München in Menschengruppe gefahren
Ministerpräsident Markus Söder (m.), Joachim Herrmann (l.) und Oberbürgermeister Dieter Reiter (r.) gaben gegen 12.40 Uhr ein Statement ab. © Christoph Trost/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
Auto in München in Menschengruppe gefahren
Söder sagte: „Es handelt sich mutmaßlich um einen Anschlag“. Der Verdächtige sei ein 24-Jähriger aus Afghanistan. ©  Tizian Gerbin/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
Auto in München in Menschengruppe gefahren
Heute ist „ein schwarzer Tag für München“, sagte Oberbürgermeister Dieter Reiter nach dem Vorfall in einem Pressestatement. © Peter Kneffel/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
Auto in München in Menschengruppe gefahren
Man reagiere besonnen, sagte Söder, nachdem er sich den Unglücksort angeschaut hatte. „Aber ich sage Ihnen auch: Unsere Entschlossenheit wächst.“ Und weiter: „Wir können nicht von Anschlag zu Anschlag gehen (...) Wir müssen auch tatsächlich etwas ändern.“ © Christoph Trost/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
Auto in München in Menschengruppe gefahren
Nach der Fahrt eines Autos in einen Demonstrationszug in München werden die Verletzten in mehreren Krankenhäusern versorgt. Am LMU Klinikum an den Standtorten Großhadern und Innenstadt des Universitätsklinikums werden Verletzte behandelt, wie ein Sprecher auf dpa-Anfrage sagte. Auch das Haunersche Kinderspital der LMU ist demnach eingebunden. Unter den Verletzten sollen auch Kinder sein. Auch am Rotkreuzklinikum München wurden Verletzte versorgt. Bei der München Klinik hieß es, die Notfallzentren an den unterschiedlichen Standorten seien einsatzbereit.  © Peter Kneffel/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
Auto fährt in Menschenmenge an Kreuzung Karlstraße/Auto
Die Polizei ist seit Stunden im Einsatz. © Yannick Thedens
Auto fährt in Menschenmenge an Kreuzung Karlstraße/Auto
Ein Stuhl mit einer Rettungsdecke und Absperrband steht abseits der Unfallstelle. © Yannick Thedens
Auto fährt in Menschenmenge an Kreuzung Karlstraße/Auto
„Wir sind zutiefst erschüttert über die Ereignisse im Herzen Münchens. Unsere Gedanken sind bei den Verletzten und ihren Angehörigen. Ein großer Dank an die Polizei sowie die Rettungs- und Einsatzkräfte vor Ort“, schreiben die Münchner Grünen in einer Stellungnahme: „Der Umstand, dass sich dieser Vorfall am Rande einer Gewerkschaftsdemonstration mit vielen Familien und Kindern ereignet hat, schockiert besonders.“ © Yannick Thedens
Auto in München in Menschengruppe gefahren
Polizisten untersuchten das Auto nach dem Vorfall in München. ©  Peter Kneffel/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
Auto fährt in Menschenmenge an Kreuzung Karlstraße/Auto
Ein Foto von der Unglücksstelle. Die Polizei scannt den Unfallort mit einem 3-D-Scanner. © Yannick Thedens
Nach dem Vorfall am Donnerstagvormittag hat jemand Blumen am Einsatzort niedergelegt.
Nach dem Vorfall am Donnerstagvormittag hat jemand Blumen am Einsatzort niedergelegt.  © Matthias Balk/dpa
Einsatzkräfte bereiten das Tatfahrzeug, ein Mini, zum Abtransport vor.
Einsatzkräfte bereiten das Tatfahrzeug, ein Mini, zum Abtransport vor.  © Matthias Balk/dpa
Das Tatfahrzeug, ein Mini, wird am Einsatzort auf einen Abschleppwagen gehoben.
Am Abend wurde das Tatfahrzeug am Einsatzort auf einen Abschleppwagen gehoben. © Matthias Balk/dpa
Blumen und Kerzen sind in der Münchner Innenstadt an der Stelle zu sehen, an der ein Auto in einen Demonstrationszug gefahren ist.
Blumen und Kerzen sind in der Münchner Innenstadt an der Stelle zu sehen, an der ein Auto in einen Demonstrationszug gefahren ist. © Tizian Gerbing/dpa

Nach mutmaßlichem München-Anschlag: Scholz fordert hartes Vorgehen – Abschiebe-Diskussion läuft

Wie dem 24-Jährigen, der am Donnerstag in München mit einem Kleinwagen in einen Demonstrationszug der Gewerkschaft Ver.di gesteuert sein soll. Dabei wurden mindestens 28 Menschen verletzt, einige davon lebensgefährlich.

Danach hatte Bundeskanzler Olaf Scholz eine harte Gangart angekündigt: „Dieser Täter kann nicht auf irgendeine Nachsicht rechnen. Er muss bestraft werden, und er muss das Land verlassen.“ Rund eine Woche vor der Bundestagswahl betonte der SPD-Politiker auch, „dass die Justiz mit all ihren Möglichkeiten hart vorgeht gegen diesen Täter“.

Ähnlich äußerte sich auch Innenministerin Nancy Faeser, die auch feststellte: „Als einziger Staat in Europa schieben wir trotz der Taliban-Herrschaft wieder nach Afghanistan ab und werden das weiter tun.“ Damit spielt die Sozialdemokratin offenbar auf den bislang einzigen bekannten Abschiebeflug in das Land am Hindukusch an. Ende August 2024 waren in einer Zusammenarbeit von elf Bundesländern 28 verurteilte Straftäter mit afghanischer Staatsangehörigkeit ausgeflogen worden.

Offen für Abschiebeflüge aus Deutschland: Taliban-Außenminister Amir Khan Muttaqi lässt Berlin ein Angebot samt Forderung überbringen.

Deutschland plant Abschiebeflug: Taliban verwehren sich gegen Umweg über Nachbarländer

In den kommenden Tagen folgt allem Anschein nach ein zweiter solcher Flug. Gegenüber der Nachrichtenagentur Agence France-Presse (afp) bestätigte das Innenministerium vor wenigen Wochen, es werde intensiv daran gearbeitet, „erneut über einen regionalen Schlüsselpartner eine solche Maßnahme zu ermöglichen“. Die zeitliche Nähe zur Wahl am 23. Februar soll Zufall sein. Über die Pläne hatte zunächst die Süddeutsche Zeitung berichtet.

Derweil machte Taliban-Sprecher Balchi deutlich, dass ein Umweg über Nachbarländer Afghanistans wie Pakistan von den Machthabern abgelehnt werde. Es handele sich um einen Verstoß gegen die geltenden Konventionen, kritisiert er: „Wir sind nicht bereit, irreguläre Verfahren zu akzeptieren, die Afghanistan umgehen und eine Gefahr für unsere nationale Sicherheit darstellen.“

Die Frage nach einer möglichen Bestrafung der aus Deutschland Abgeschobenen in ihrer afghanischen Heimat wollen die Taliban demnach über bilaterale Gespräche regeln. Allerdings warnten Kritiker in der Vergangenheit vor solchen Gesprächen mit den international isolierten Islamisten. So wird die Gefahr gesehen, dass die Taliban die Abschiebungen nutzen könnten, um die Möglichkeit zu einer Zusammenarbeit mit einem westlichen Staat wahrzunehmen.

Der nächste Anschlag in Deutschland? Mit diesem Auto soll ein 24-jähriger Afghane in einen Demonstrationszug von Ver.di gefahren sein.

Merz nach Anschlag von München: „Es muss sich etwas ändern in Deutschland“

Ob die deutsche Politik im Angesicht der immer weiter hochkochenden Debatte um ein härteres Vorgehen gegen Straftäter ohne deutschen Pass einen Deal mit den Taliban eingeht, wird wohl eine der heikelsten Fragen für die künftige Regierung werden.

CDU-Chef Friedrich Merz, der angesichts der Umfragen als klarer Favorit auf den Posten des Kanzlers gilt, versicherte via Twitter-Nachfolger X bereits nach dem mutmaßlichen Anschlag von München: „Wir werden Recht und Ordnung konsequent durchsetzen. Jeder muss sich in unserem Land wieder sicher fühlen. Es muss sich etwas ändern in Deutschland.“ Aber auch ihm dürfte aber klar sein, dass es im Alleingang nicht funktionieren wird. (mg, mit dpa und afp)

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