Arbeitszeitreform unter Merz – Umfrage zeigt: Deutsche würden für frühere Rente mehr arbeiten
VonLea Winkler
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Die neue Regierung plant, den Acht-Stunden-Tag abzuschaffen. Eine wöchentliche Höchstarbeitszeit soll mehr Flexibilität bringen. Viele Deutsche würden mehr arbeiten – unter einer Bedingung.
Berlin – Die Regierungskoalition aus Union und SPD unter der Führung von Bundeskanzler Friedrich Merz plant, die Arbeitszeiten flexibler zu gestalten, was das Ende des Acht-Stunden-Tages bedeuten könnte. Stattdessen soll eine wöchentliche Höchstarbeitszeit eingeführt werden. Sind die Deutschen bereit, für den Erhalt des Wohlstands mehr Arbeitsstunden zu leisten?
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Der Acht-Stunden-Tag soll abgeschafft werden: Bundesregierung will mehr Flexibilität
Die Pläne der Bundesregierung zur Flexibilisierung der Arbeitszeiten stoßen in der Bevölkerung auf gemischte Reaktionen. Eine Ipsos-Umfrage ergab, dass 46 Prozent der Befragten eine wöchentliche Höchstarbeitszeit der bisherigen täglichen Begrenzung von acht Stunden vorziehen würden. Gleichzeitig lehnen 44 Prozent diese Änderung ab.
In einer weiteren Umfrage von Yougov für die Deutsche Presse-Agentur befürworteten 38 Prozent der Teilnehmer die Einführung einer wöchentlichen statt einer täglichen Höchstarbeitszeit. 20 Prozent sprachen sich gegen diesen Vorschlag aus, während 37 Prozent neutral blieben.
Statt Acht-Stunden-Tag: Deutsche wären für mehr Arbeit bereit – bei früherem Renteneintritt
Interessant ist, dass viele Deutsche bereit wären, mehr zu arbeiten, wenn dies einen früheren Renteneintritt ermöglicht. Laut einer INSA-Umfrage vom 23. bis 26. Mai würden 63 Prozent der Befragten eine Stunde pro Woche mehr arbeiten, um ein Jahr früher in Rente zu gehen. Nur 22 Prozent würden einen späteren Rentenbeginn in Kauf nehmen, um den Acht-Stunden-Tag beizubehalten, während 15 Prozent unentschlossen sind.
Mehr Produktivität für höheren Wohlstand: Linnemann unterstützt Abschaffung des Acht-Stunden-Tages
CDU-Generalsekretär Carsten Linnemann unterstützt die Abschaffung des Acht-Stunden-Tages und betont: „Unser Wohlstand, unsere sozialen Sicherungssysteme, aber auch die Funktionsfähigkeit unseres Landes beruhen darauf, dass wir produktiv sind.“ Er äußerte zudem, dass die Work-Life-Balance zwar wichtig sei, jedoch oft der Eindruck entstehe: „Man hat manchmal den Eindruck, dass es nicht mehr um Work-Life-Balance geht, sondern nur noch um Life-Life-Balance.“
Linnemann sieht die Flexibilisierung der Arbeitszeiten als besonders wichtig für Familien mit Kindern oder pflegebedürftigen Angehörigen. Deutschland habe hier „einen Rückstand aufzuholen“. Für junge Menschen sei es entscheidend, zunächst eine Ausbildung zu absolvieren und einen Beruf zu erlernen: „Es ist wichtig, erstmal eine Ausbildung zu machen und einen Beruf zu erlernen. Da müssen wir wieder hinkommen: Sich etwas selbst zu erarbeitet.“
Arbeitszeitreform von Merz: Gewerkschaften dagegen – Flexibilität sei „ein schlechter Witz“
Trotz der Bereitschaft vieler, mehr zu arbeiten, um früher in den Ruhestand zu gehen, gibt es Widerstand von den Gewerkschaften. Frank Werneke, Chef der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi, kritisierte die geplante Arbeitszeitreform scharf. Die „Aufweichung“ der täglichen Höchstarbeitszeit zugunsten einer wöchentlichen Regelung sei „ein schlechter Witz“, erklärte Werneke laut AFP. Diese Maßnahme setze viele Menschen „massiv“ unter Druck, länger arbeiten zu müssen. (lw)