ARD und ZDF von Scholz unter Druck gesetzt? TV-Duell vor Bundestagswahl in der Kritik
VonChristoph Elzer
schließen
Ein TV-Duell zwischen Scholz und Merz ist von ARD und ZDF angesetzt. Andere Anwärter auf das Kanzleramt werden nicht berücksichtigt. Eine Verzerrung, die der politischen Realität zuwiderläuft.
Update 13:05 Uhr: Inzwischen fordern die Grünen Aufklärung darüber, ob Bundeskanzler Olaf Scholz Einfluss auf das Format des TV-Duells genommen hat. „Das ist aus meiner Sicht erklärungsbedürftig“, zitiert der Tagesspiegel Irene Mihalic, die Parlamentarische Geschäftsführerin der Grünen im Bundestag.
Sollte der Medienbericht zutreffen, dass Scholz seine Teilnehme an der Sendung vom Format „Duell“ statt „Triell“ abhängig gemacht habe, so würde dies zum Verhalten des Kanzlers in den letzten Tagen passen: „Scholz zeigt an dieser Stelle Nerven“, so die Grünen-Politikerin. Sie kritisierte außerdem, dass Scholz so „in die Chancengleichheit in diesem Wahlkampf eingreift“.
Gegenüber dem Tagesspiegel betonte eine ARD-Sprecherin jedoch: „Unser redaktionelles Konzept wurde vollständig unabhängig von jeglichen Bedingungen oder Einflussnahmen der Politikerinnen und Politiker entwickelt.“ Ungeachtet dessen hat die AfD angekündigt, eine Klage gegen ARD und ZDF zu prüfen.
Erstmeldung von 12:30 Uhr: Berlin – Nachdem Bundeskanzler Olaf Scholz die Vertrauensfrage erwartungsgemäß verloren hatte, gaben ARD und ZDF den Termin für das traditionelle TV-Duell bekannt. Am 9. Februar 2025 werden sich Scholz (SPD) und der Kanzlerkandidat Friedrich Merz (CDU) im öffentlich-rechtlichen Fernsehen über die Zukunft Deutschlands austauschen.Update 13:05 Uhr: Inzwischen fordern die Grünen Aufklärung darüber, ob Bundeskanzler Olaf Scholz Einfluss auf das Format des TV-Duells genommen hat. „Das ist aus meiner Sicht erklärungsbedürftig“, zitiert der Tagesspiegel Irene Mihalic, die Parlamentarische Geschäftsführerin der Grünen im Bundestag.
Sollte der Medienbericht zutreffen, dass Scholz seine Teilnehme an der Sendung vom Format „Duell“ statt „Triell“ abhängig gemacht habe, so würde dies zum Verhalten des Kanzlers in den letzten Tagen passen: „Scholz zeigt an dieser Stelle Nerven“, so die Grünen-Politikerin. Sie kritisierte außerdem, dass Scholz so „in die Chancengleichheit in diesem Wahlkampf eingreift“.
Gegenüber dem Tagesspiegel betonte eine ARD-Sprecherin jedoch: „Unser redaktionelles Konzept wurde vollständig unabhängig von jeglichen Bedingungen oder Einflussnahmen der Politikerinnen und Politiker entwickelt.“ Ungeachtet dessen hat die AfD angekündigt, eine Klage gegen ARD und ZDF zu prüfen.
Erstmeldung von 10:45 Uhr: Dieses TV-Duell vor der Bundestagswahl zwischen dem amtierenden Kanzler und dem Oppositionsführer folgt damit dem klassischen amerikanischen Modell. Allerdings gibt es hierzulande einen signifikanten Unterschied: Während in den USA ein Zwei-Parteien-System vorherrscht, ist dies in Deutschland nicht der Fall. Es ist nahezu unmöglich, dass eine Partei die absolute Mehrheit erlangt und somit den Kanzler oder die Kanzlerin stellt. Mit der AfD und dem BSW hat sich das ohnehin schon breite Parteienspektrum in den letzten Jahren sogar noch weiter ausgedehnt.
Daher erscheint die Zusammensetzung des TV-Duells zwischen Scholz und Merz im besten Fall stark vereinfacht, im schlimmsten Fall sogar manipulativ. Es wird übersehen, dass es in Deutschland fünf erklärte Kanzlerkandidaten gibt: Neben Scholz und Merz sind das Robert Habeck von den Grünen, Alice Weidel von der AfD und Sahra Wagenknecht von ihrem selbstbenannten Bündnis.
Bundestagswahl: TV-Duell im öffentlich-rechtlichen Rundfunk ohne Grüne, AfD und BSW geplant
Das Bündnis Sahra Wagenknecht liegt laut aktuellen Umfragen bei etwa sechs Prozent, so dass Wagenknechts Ambitionen auf das Kanzleramt wahrscheinlich nicht erfüllt werden. Die Alternative für Deutschland hingegen hat weiterhin hohe Umfragewerte und könnte mit derzeit rund 19 Prozent die zweitstärkste Kraft im nächsten Bundestag werden. Da jedoch alle anderen Parteien eine Zusammenarbeit mit der AfD kategorisch ausgeschlossen haben, sind auch Weidels Kanzlerambitionen eher Wunschdenken.
Aber selbst wenn man Wagenknecht und Weidel außer Acht lässt, ist die Zusammensetzung des TV-Duells noch immer zu eng. Denn Robert Habeck und seine Grünen werden bei der kommenden Wahl eine wichtige Rolle spielen. Ob es für den ersten grünen Kanzler reicht, ist fraglich. Aber Koalitionsverhandlungen ohne die Grünen scheinen derzeit fast undenkbar. Daher ist es sehr verwunderlich, dass ARD und ZDF diese Partei von der Diskussion mit CDU und SPD ausschließen wollen.
TV-Duell nur mit SPD und CDU zur Bundestagswahl – Begründung von ARD und ZDF hinkt
Die Begründung für ein reines Duell anstelle des zuletzt praktizierten Triells ist nicht einfach: Ein Zweier-Duell nach Umfragewerten der Parteien hätte die Kombination Merz/Weidel ergeben. Ein Zweier-Duell nach Beliebtheitswerten der Kandidaten würde laut ZDF Politbarometer vom 06. Dezember 2024 die Kombination Merz/Habeck ergeben. Warum also Scholz/Merz? Das ZDF schreibt dazu: „ARD und ZDF laden zu einem Duell zwischen Amtsinhaber Olaf Scholz (SPD) und dem Herausforderer mit den besten Aussichten auf die Nachfolge, Friedrich Merz (CDU).“
Dieser Satz ist bemerkenswert, da er die Realität der letzten Bundestagswahl ignoriert. Im Jahr 2021 hatten ARD und ZDF noch ein Triell mit Armin Laschet (CDU), Olaf Scholz (SPD) und Annalena Baerbock (Grüne) veranstaltet. Als der Termin festgelegt wurde, lagen die Grünen in Umfragen bei 26 Prozent, die Union bei 25 Prozent und die SPD nur bei 14 Prozent. Ein Duell der beiden aussichtsreichsten Kandidaten wäre also eines zwischen Baerbock und Laschet gewesen – doch die Kanzlerschaft ging bekanntlich an Scholz.
Die Annahme, dass sich Umfragewerte noch ändern können, ist die grundlegende Voraussetzung, ja die Natur des Wahlkampfs – sonst müsste man schließlich gar keinen führen. ARD und ZDF haben sich jedoch dieses Jahr entschieden, die derzeitigen Umfragewerte zu zementieren und mit dieser Begründung eine Neuauflage des Triells, dieses Mal mit der aktuellen Zusammensetzung Scholz/Merz/Habeck, abzulehnen.
Erpresste der Bundeskanzler vor der Bundestagswahl ein TV-Duell bei ARD und ZDF?
Aus den Reihen der Grünen gibt es dafür Kritik. Die Fraktionsvorsitzende Britta Haßelmann schrieb auf X: „Die Zeiten der beiden großen Volksparteien sind vorbei. Das wissen alle. Der Öffentlich-Rechtliche noch nicht?“ Und die Bundestagsabgeordnete Katharina Dröge ärgert sich: „Sagt mal Das Erste und ZDF ist das wirklich ernst gemeint? Nur SPD & CDU einzuladen? Mit freundlicher Unterstützung zurück zur GroKo?“
Aber warum hält das gebührenfinanzierte, öffentlich-rechtliche Fernsehen so krampfhaft am Konzept eines Duells fest? Das Journalisten-Netzwerk table.media stellt dazu nun eine brisante Behauptung auf: Demnach habe Scholz das Format eines Duells „zur Bedingung für seine Teilnahme gemacht“. Der Kanzler hätte somit die Ausladung seines derzeit noch amtierenden Vizekanzlers und Koalitionspartners Robert Habeck erzwungen.
Friedrich Merz: Bierdeckel, Blackrock und schließlich Bundeskanzler
Dass Scholz eine solche Forderung stellt, kann man verurteilen, ist im Wahlkampf jedoch als taktisches Mittel erklär- und verzeihbar. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk darauf eingeht, hingegen nicht. Im Rundfunkstaatsvertrag heißt es in Paragraf 11, Auftrag des öffentlich-rechtlichen Rundfunks ganz klar: „Auftrag der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten ist, durch die Herstellung und Verbreitung ihrer Angebote als Medium und Faktor des Prozesses freier individueller und öffentlicher Meinungsbildung zu wirken und dadurch die demokratischen, sozialen und kulturellen Bedürfnisse der Gesellschaft zu erfüllen. [...] Die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten haben bei der Erfüllung ihres Auftrags die Grundsätze der Objektivität und Unparteilichkeit der Berichterstattung, die Meinungsvielfalt sowie die Ausgewogenheit ihrer Angebote zu berücksichtigen.“
Grünen-Sprecher: Planung des TV-Duells bei ARD und ZDF „unverständlich“
Die Grünen hatten bereits zuvor ausgeschlossen, mit der AfD zu diskutieren. Ein zweites, separates Duell Habeck/Weidel wird es daher nicht geben. „Wir hatten ein solches Duell im Vorfeld klar ausgeschlossen und auch mitgeteilt, dass wir eine Einladung nicht akzeptieren werden“, sagte ein Sprecher der Partei dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND). ARD und ZDF hätten dennoch eine entsprechende Einladung ausgesprochen und dann mit einer Pressemitteilung Fakten geschaffen. „Warum das zwei Monate vor der Wahl verkündet werden musste, ist unverständlich. Damit greifen ARD und ZDF in einen extrem kurzen, intensiven und vor allem offenen Wahlkampf ein“, so der Sprecher.
So kommt es nun zu einem TV-Duell, das nicht ein Vielparteien- sondern ein Zwei-Parteien-System repräsentiert. Amerikanische Verhältnisse in Deutschland, offenbar hervorgerufen durch ein fragwürdiges Zusammenspiel zwischen Wunsch des Kanzlers und Gehorsamkeit der öffentlich-rechtlichen Medien. Dem ohnehin schon scharf geführten Wahlkampf dürfte das nicht guttun.