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Lernen von Netflix und Amazon Prime: Das dachte sich wohl auch die ARD und brachte ihren kostenpflichtigen eigenen Streamingdienst auf den Weg…
Berlin - Die Mediatheken von ARD und ZDF sind beliebt, auch wenn sich wohl viele ärgern, dass Serien und Filme oft nur kurz zur Verfügung stehen. Dafür sind die Angebote aber kostenfrei. Allerdings nicht alle! Mit der Plattform ARD Plus haben die Öffentlich-Rechtlichen ein Streamingangebot, das stark an Netflix und Co erinnert und monatlich Geld kostet! Gleichzeitig gibt es Pläne, den Rundfunkbeitrag, ehemals bekannt als GEZ, kräftig von rund 18 Euro auf maximal 25 Euro pro Monat zu erhöhen.
Für 4,99 Euro pro Monat stehen den Abonnenten von ARD Plus „eine große Auswahl an Inhalten, die in der ARD Mediathek nicht mehr verfügbar sind“ aus „70 Jahren ARD TV Geschichte, die sonst nur als Download oder auf DVD erhältlich sind“, zur Verfügung, heißt es auf der Seite. Dafür gibt es jede Menge ältere Tatort-Folgen, sieben Staffeln von „In aller Freundschaft - die jungen Ärzte“ oder den Filmklassiker Lola rennt. Also viele Dinge, die man durchaus auch frei im Fernsehen schauen kann, auch in der ARD, ZDF und den dritten Programmen.
ARD Plus kostet Geld: Warum ist es kostenpflichtig?
Warum also kostenpflichtig? „Neben dem Medienstaatsvertrag spielt auch die sendungsspezifische Rechtelage eine Rolle, ob und wie lange ein Inhalt in der ARD-Mediathek angeboten werden kann - hier sind zum Beispiel die Bild-, Musik- und Lizenzrechte relevant. Denn der Rechteerwerb kostet oftmals Geld - und richtet sich in der Höhe der Kosten auch nach dem Zeitraum“, heißt es von Seiten der ARD auf tagesschau.de. Zum Start im Herbst sah sich die ARD wegen heftiger Kritik im Internet dazu gezwungen, einen längeren Artikel zur Erklärung zu veröffentlichen. Nicht nur in den sozialen Medien, auch aus der Politik gibt es jetzt scharfe Kritik, besonders wegen der Pläne der Gebühren-Erhöhung.
Der parlamentarische Geschäftsführer der CSU im Bundestag Stefan Müller (CSU) sieht das Angebot kritisch, sagt zu Merkur.de von IPPEN.MEDIA: „Es ist nicht die Aufgabe der ARD, mit anderen Streaming-Anbietern in Wettbewerb zu treten. Die Einnahmen, die durch ohnehin schon mit Rundfunkbeiträgen bezahlten Filmen gemacht werden, müssen den Rundfunkbeitrag senken.“
CSU-Politiker attackiert ARD und ZDF für GEZ-Pläne: „Rundfunkbeitrag senken“
Doch an eine Senkung des Rundfunksbeitrags denken die Öffentlich-Rechtlichen nicht. Im Gegenteil. Bis Ende April müssen sie an die Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs der Rundfunkanstalten (KEF) melden, wie viel Geld sie brauchen. In einem Bericht von „Business Insider“ vom Freitag hieß es, die ARD-Intendanten hätten sich auf einen Vorschlag geeinigt. Die ARD wolle einen „ungedeckten Finanzierungsbedarf“ in einstelliger Milliardenhöhe bei der KEF anmelden. Das mache eine Erhöhung des Rundfunkbeitrags von heute 18,36 Euro im Monat auf mehr als 20 Euro erforderlich. Wird es richtig teuer, könnte es sogar auf 25,19 Euro pro Monat steigen.
GEZ: Gebührenerhöhung droht – trotz ARD Plus
Was passiert mit den Einnahmen aus der ARD Streaming-Plattform? Auf der Seite, auf die nach Merkur-Anfrage die Pressestelle der ARD verweist, heißt es: „Als freiwilliges Zusatzangebot werden für ARD Plus keine Mittel aus dem Rundfunkbeitrag zur Verfügung gestellt. Genau wie bei dem Verkauf von DVDs oder von Inhalten an externe VoD-Plattformen müssen redaktionelle und technische Kosten gedeckt werden. Außerdem werden Rechte erworben und Produzenten:innen und Urheber:innen für zusätzliche Nutzungen vergütet.” Wie viele Abonnenten der öffentlich-rechtliche Streaming-Dienst hat, werde nicht öffentlich ausgewiesen, so die Pressestelle.
Rubriklistenbild: © Jan Woitas / dpa


