VonNail Akkoyunschließen
Argentinien ist ein Land der Extreme – von seiner Landschaft bis hin zu seiner turbulenten Geschichte. Politisch steht der Staat vor einem Umbruch.
Buenos Aires – Argentinien, das achtgrößte Land der Welt, erstreckt sich über eine Fläche von 2.780.400 Quadratkilometern. Die Landschaft des südamerikanischen Landes ist ebenso vielfältig wie seine Kultur und Geschichte, mit einer Palette von tosenden Wasserfällen in tropischen Regenwäldern bis hin zu knochentrockenen Hochwüsten und Gletschern. Der Tango bleibt unangefochten der bekannteste Export des Landes.
| Hauptstadt | Buenos Aires |
|---|---|
| Amtssprache | Spanisch |
| Fläche | 2.780.000 Quadratkilometer |
| Einwohnerzahl | 45,81 Millionen (Stand: 2021) |
| Währung | Argentinischer Peso (ARS) |
| Staatsform | Bundesrepublik |
| Regierungssystem | Präsidialsystem |
Prähistorische Besiedlung und Kolonialzeit in Argentinien
Forscher gehen davon aus, dass die Besiedlung Argentiniens um etwa 15.000 v. Chr. von Nordamerika aus begann. Die Stämme entwickelten sich in den verschiedenen Regionen des Landes unterschiedlich. Während die Pampas-Indianer vorwiegend als Jäger und Sammler lebten, betrieben Stämme im Nordwesten des Landes bereits im Mittelalter Ackerbau und Viehzucht. Auch die Inkas breiteten sich im 13. und 14. Jahrhundert nach Süden in einige Teile Nord-Argentiniens aus.
Amerigo Vespucci, ein Kaufmann und Seefahrer, war einer der ersten Europäer, die 1502 in Argentinien landeten. Anfang des 16. Jahrhunderts wurde Argentinien von Spanien kolonisiert. Buenos Aires, die Hauptstadt, wurde bereits 1536 gegründet, aber erst ein halbes Jahrhundert später als permanenter Stützpunkt der Spanier genutzt und zum Wirtschaftszentrum ausgebaut.
Die Gebiete südlich davon wurden erst 300 Jahre später von Kolonisten erobert, was zu großen Verlusten in der indigenen Bevölkerung führte.
Argentinische Unabhängigkeitsbewegungen und Einwanderung
Am 25. Mai 1810 wurde in Buenos Aires die Unabhängigkeit des Landes proklamiert. Die sogenannte Mai-Revolution mündete schließlich in einen landesweiten Befreiungskampf gegen die Spanier. Sechs Jahre später erlangte Argentinien endgültig seine Unabhängigkeit. Von 1816 bis 1880 sorgten jedoch Diktaturen und Bürgerkriege für weitere Unruhen im Land.
Zwischen 1880 und 1912 erlebte die Einwanderung einen Aufschwung. Vor allem Italiener und Spanier suchten hier ein neues Leben. Politisch wurde mit demokratischen Versprechungen gelockt, doch in Wirklichkeit war die Regierung eher oligarchisch geprägt.
Die Geschichte Argentiniens im 20. Jahrhundert
Die Periode von 1916 bis 1930 ist als die „Etappa Radical“ in die argentinische Geschichte eingegangen. Eine liberale bürgerliche Protestbewegung kam an die Macht, die jedoch durch einen Militärputsch beendet wurde. Die 1930er Jahre wurden als berüchtigtes Jahrzehnt (“Década infame“) bezeichnet, in dem die Scheindemokratie ihren Höhepunkt erreichte.
In den 1940er Jahren arbeitete sich der junge Offizier Juan Domingo Perón geschickt an die Spitze des Landes. Mit seinen weitreichenden Zugeständnissen an die Gewerkschaften wurde er zum Volkshelden der Arbeiterklasse. Nach seinem Sturz 1945 wurde seine Rückkehr durch Massendemonstrationen erzwungen. 1946 wurde Perón zum Präsidenten gewählt. Auch seine Frau Eva Perón (Evita) wurde zur Identifikationsfigur der breiten Masse.
Während des Zweiten Weltkriegs war Argentinien offiziell neutral. Daher war es ein beliebtes Ziel für Flüchtlinge aus Europa, darunter auch viele Nationalsozialisten und Faschisten aus Deutschland, die hohe Vermögenswerte in den südamerikanischen Staat verschoben hatten. Perón sympathisierte jedoch auch mit faschistischen Ideen, um den Kommunismus abzuwehren. Unter seiner Führung erlebte das Land in der ersten Regierungsphase einen wirtschaftlichen Aufschwung. Die steigende Inflation und die hohe Staatsverschuldung führten jedoch 1955 zum Sturz des einst beliebten Volkshelden.
In den folgenden Jahrzehnten war die Entwicklung Argentiniens von politischer und wirtschaftlicher Instabilität geprägt. Erst 1983 wurden demokratische Strukturen eingeführt. Dennoch hatte auch das demokratischere Argentinien bis heute immer wieder mit anhaltenden Wirtschaftskrisen zu kämpfen.
Das politische System in Argentinien
Laut der Verfassung von 1994 ist Argentinien eine föderalistische, republikanische Präsidialdemokratie. Der Präsident ist sowohl Staatsoberhaupt als auch Regierungschef. Er wird alle vier Jahre direkt gewählt und darf nur in zwei aufeinander folgenden Amtsperioden an der Macht sein. Spätere Kandidaturen sind jedoch möglich.
Die Legislative wird vom Kongress ausgeübt, der aus der Abgeordnetenkammer und dem Senat besteht. Die Wahl und Anzahl der Abgeordneten wird nach einem bestimmten Schlüssel auf die Provinzen des Landes verteilt. Das Wahlsystem gilt jedoch als äußerst undurchsichtig, was einen Personenkult, Wahlbetrug und Korruption begünstigt. Die Parteienlandschaft ist stark zersplittert und instabil.
Bevölkerung und Sprachen Argentiniens
Die Bevölkerung Argentiniens ist ebenso vielfältig und bunt. Etwa 90 Prozent der rund 45 Millionen Einwohnerinnen und Einwohner stammen aus Europa. Bereits im 19. Jahrhundert wanderten viele Italiener und Spanier nach Argentinien aus. Aber auch Deutsche ließen sich hier nieder und machen heute drei bis vier Prozent der Bevölkerung aus.
Die offizielle Landessprache ist Spanisch. Es gibt jedoch auch einige Minderheitensprachen, die in einigen Provinzen sogar den Status einer Amtssprache haben. Dazu gehören Quechua, Gauraní sowie die Sprachen der Wichí, Toba und Mocoví. In einigen Gebieten wird auch noch Mapudungun gesprochen.
Argentinien zeichnet sich durch eine diverse Geografie aus
Argentinien ist nach Brasilien der zweitgrößte Staat Südamerikas. Es grenzt im Osten an den Atlantischen Ozean, im Norden an Bolivien und Paraguay, im Nordosten an Brasilien und Uruguay und im Westen an Chile. Es wird oft als das Land der sechs Kontinente bezeichnet, aufgrund seiner vielfältigen Landschaft und unterschiedlichen klimatischen Bedingungen: von den mächtigen Anden, den trockenen Wüsten, den tropischen Regenwäldern bis hin zu Gletschern im ewigen Eis.
Die Flora und Fauna ist entsprechend vielfältig. Rund zwölf Prozent der Landesoberfläche sind mit Wald bedeckt. In den tropischen Regenwäldern wachsen Pflanzen wie Rosenholz, Palisander und Palmen. Eukalyptus und Akazien sind in den weitläufigen Graslandschaften heimisch. In den Anden findet man Nadelwälder und Zypressen. Die Tierwelt ist ebenso abwechslungsreich: Von verschiedenen Affen- und Reptilienarten bis hin zu Wildtieren wie Jaguaren oder Pumas. Auch die Vogelwelt ist mit Kolibris, Flamingos, Tukanen und Papageien farbenfroh vertreten.
Die größten Städte Argentiniens in der Übersicht
Trotz der enormen Ausdehnung des Landes wohnen etwa 87 Prozent der Bevölkerung in städtischen Gebieten. Hier ein Überblick über die größten Städte Argentiniens:
- Buenos Aires: 2.900.000 Einwohnerinnen und Einwohner, Provinz Buenos Aires
- Córdoba: 1.600.000 Einwohnerinnen und Einwohner, Provinz Córdoba
- Rosario: 1.300.000 Einwohnerinnen und Einwohner, Provinz Santa Fe
- Mendoza: 1.000.000 Einwohnerinnen und Einwohner, Provinz Mendoza
- San Miguel de Tucumán: 800.000 Einwohnerinnen und Einwohner, Provinz Tucumán
- La Plata: 700.000 Einwohnerinnen und Einwohner, Provinz Buenos Aires
- Mar del Plata: 580.000 Einwohnerinnen und Einwohner, Provinz Buenos Aires
- Salta: 500.000 Einwohnerinnen und Einwohner, Provinz Salta
- Santa Fe: 500.000 Einwohnerinnen und Einwohner, Provinz Santa Fe
- San Juan: 470.000 Einwohnerinnen und Einwohner, Provinz San Juan
Tango und Rinder: Wofür Argentinien weltweit bekannt ist
Musik spielt in der Kulturgeschichte Argentiniens eine bedeutende Rolle. Dies zeigt sich besonders im populärsten Tanz des Landes, dem Tango. Er entstand wahrscheinlich unter dem Einfluss afrikanischer Rhythmen in den Bordellen der Vororte von Buenos Aires und galt ursprünglich als skandalös. Erst die Pariser High Society verlieh dem Tanz seinen internationalen Glanz und Glamour. Künstler wie Carlos Gardel haben den Tango einem breiten Publikum zugänglich gemacht. Noch heute ist die Bedeutung dieses Tanzes in ganz Buenos Aires an den Tanzlokalen (den Tanguerías) und den zahlreichen Tanzveranstaltungen spürbar. Jedes Jahr wird am 11. Dezember sogar der „Tango Day“ gefeiert.
Kulinarisch ist Argentinien vor allem für sein Fleisch bekannt. Das Land hat sogar mehr Rinder als Einwohnerinnen und Einwohner, unter anderem ist das „Asado“-Steak sehr beliebt. Das Nationalgericht ist jedoch das „Locro“, ein Eintopf aus Mais, Bohnen, Kürbis und Rindfleisch. Aber auch spanische und italienische Einflüsse sind immer wieder auf der Speisekarte zu finden.
Wahl in Argentinien: Kontroverser Politiker gilt als Favorit
Vor der Präsidentschaftswahl in Argentinien, in der die Nachfolgerin oder der Nachfolger des linksliberalen Präsidenten Alberto Fernández bestimmt wird, erlebt das ständig in der Krise steckende Land erhebliche Erschütterungen. Der überraschende Erfolg des kontroversen Kandidaten Javier Milei in der verpflichtenden Vorwahl lässt einen möglichen Sieg am 22. Oktober in greifbare Nähe rücken, insbesondere da er in 16 der 24 Provinzen triumphierte.
Bislang wurde der radikale Ökonom und Fernsehkommentator eher als rechter Außenseiter und Mehrheitsbeschaffer angesehen. Sollte er die Wahl gewinnen, würde ein Politiker das südamerikanische Land führen, der eine Art von Donald Trump oder Jair Bolsonaro darstellt. Milei bewundert beide Männer. Es wird sich zeigen, in welche Richtung er das Land schlussendlich führen wird – oder auch nicht.
Dieser Artikel wurde mithilfe maschineller Unterstützung bearbeitet und vor der Veröffentlichung von Redakteur Nail Akkoyun sorgfältig geprüft.
