„Nie dagewesenes Niveau“: Putin genießt gutes Verhältnis mit China und Indien – wegen Trump-Zöllen
VonBedrettin Bölükbasi
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Beim SCO-Gipfel in China loben Putin und Xi ihre bilateralen Beziehungen. Nach Trumps Zöllen rücken China und Indien weiter näher zu Russland.
Peking – Geht es nach Donald Trumps ehemaligen Sicherheitsberater John Bolton, so hat der US-Präsident mit Blick auf Indien „Jahrzehnte an Bemühungen“ zunichtegemacht, um das Land von Russland loszulösen. Die Zölle von 50 Prozent gegen Indien haben Premierminister Narendra Modi in die Arme von Kreml-Chef Wladimir Putin getrieben. Im Fall von China sieht es nicht anders aus: Auch Peking rückt immer näher mit Moskau zusammen.
Putins Verbündete: Diese Länder stehen im Ukraine-Krieg an der Seite Russlands
Putin ist in China zu Gesprächen mit Staatschef Xi Jinping zusammengekommen und hat dabei die guten Beziehungen zwischen beiden Ländern hervorgehoben. „Unser enger Austausch spiegelt den strategischen Charakter der russisch-chinesischen Beziehungen wider, die sich derzeit auf einem noch nie da gewesenen Niveau befinden“, sagte Putin bei dem Treffen mit Xi in der Großen Halle des Volkes in Peking.
SCO-Gipfel in China: Putin, Modi und Xi nähern sich an
Der Kreml-Chef war am Sonntag zu einem mehrtägigen Besuch in China eingetroffen. In Tianjin nahm der russische Präsident zunächst am Gipfel der Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit (SCO) unter Vorsitz von Chinas Staatschef Xi teil. Am Mittwoch gehört er zu den Gästen einer riesigen Militärparade in Peking, zu der unter anderem auch Nordkoreas Machthaber Kim Jong-un erwartet wird.
Xi sagte bei dem bilateralen Treffen mit Putin, die Beziehungen zwischen China und Russland hätten die „Prüfung internationaler Veränderungen bestanden“. Peking sei bereit, mit Moskau zusammenzuarbeiten, um eine „gerechtere und vernünftigere“ Weltordnung aufzubauen. Er versprach zudem „Koordination“ mit Moskau bei Themen, die die gegenseitigen Interessen und Sorgen betreffen würden.
Hand in Hand gegen die USA und Trump: Russlands Präsident Wladimir Putin, Indiens Premierminister Narendra Modi und Chinas Präsident Xi Jinping. (Archivbild)
Trumps Zölle treiben Indien in die Arme von Russland und China
Ähnlich sieht es zwischen Indien und Russland aus. Seitdem Trump mit Zöllen von 50 Prozent Indien regelrecht den Handelskrieg erklärt hat, genießt Putin wieder ein enges Verhältnis zu Modi. Laut einem Bericht der britischen Zeitung The Telegraph hat Trump den indischen Premier viermal angerufen, um im Zollstreit einen Kompromiss zu finden. Allerdings wurde er jedes Mal bloßgestellt: Modi hat die Anrufe des US-Präsidenten nicht angenommen.
In Richtung Moskau läuft es ganz anders ab: Modi hat in derselben Zeit mit dem Kreml-Chef, den er als „Freund“ bezeichnet, zweimal telefoniert und seinen Außenminister in die russische Hauptstadt geschickt. Auch er ist für den SCO-Gipfel in Peking – das erste Mal seit sieben Jahren. Dabei waren die chinesisch-indischen Beziehungen wegen Spannungen an der Grenze lange Zeit von Tiefen gekennzeichnet. Doch nun scheinen auch diese zwei Länder, die beide von Trumps aggressiven Zöllen und Drohungen betroffen sind, wieder näher zu rücken.
Wegen Trump-Zöllen: Russisch-chinesisch-indische Annäherung
Seit Anfang der 2000er Jahre versuchen die USA Indien für sich zu gewinnen, von Russland loszulösen und eine Wirtschaftsalternative zu China zu erschaffen. Trumps Handlungen haben jedoch all die Errungenschaften in einem Schlag zerstört. Trumps Zölle haben Indien schwer getroffen, denn das Land präsentiert sich schließlich als die beste Alternative zu chinesischen Fabriken und Herstellern. Die Zölle in Höhe von 50 Prozent haben Indien schon jetzt viel weniger attraktiv gemacht und belasten indische Geschäftsleute schwer.
Zu den kontroversen Schritten Trumps gehören nicht nur die Zölle, sondern auch die plötzliche, neue Freundschaft mit Indiens Erzrivalen Pakistan. Trump hatte sogar den Armeechef Pakistans zum Weißen Haus eingeladen und prahlt mit der Behauptung, einen Friedensdeal zwischen den beiden Ländern ausgehandelt zu haben. Indien dementiert dies. Da Pakistan den amerikanischen Präsidenten zum Friedensnobelpreis vorgeschlagen hat, ist Trump natürlich umso mehr begeistert von Islamabad – ganz zum Unmut von Indien.
Modi wurde jetzt beim Zusammentreffen mit Putin am Rande des SCO-Gipfels gesehen, wie er Hand in Hand mit dem Kreml-Chef durch die Korridore lief. Zudem bestätigte der Kreml, dass Putin im Dezember Indien besuchen wird. Eigentlich wollte Trump Indien zurechtweisen: Doch stattdessen nähert sich das Land immer weiter Russland und China an. Für Kreml-Chef Putin ist dies ein weiterer Ausdruck der gebrochenen Isolation durch den Ukraine-Krieg. Nicht nur das: Die Beziehungen mit China und Indien kurbeln seine Kriegswirtschaft an. Auch die Trump-Zölle scheinen das nicht zu verhindern. (bb mit Agenturen)