Elfbar-Verbot

Sucht- und Drogenbeauftragter kritisiert „ernsthaftes Problem mit E-Zigaretten“

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Süße Aromen machen Jugendliche zu Raucher:innen. Noch sind sie nicht in allen Tabakprodukten verboten. Warum nicht?

Vanille, Blaubeere oder Minze: Die Aromen erinnern eher an Eissorten, als an ein gesundheitsschädliches Produkt. In Tabakerhitzern, sind sie ab Oktober verboten. Tabakerhitzer sind Zigarettenersatzprodukte mit Nikotin, zu denen zum Beispiel die schmalen Plastikstäbe namens IQOS gehören. E-Zigaretten wiederum sind von dem Gesetz ausgeschlossen. Weniger problematisch sind sie nicht.

Immer mehr junge Menschen rauchen E-Zigarette – „schockierend“, sagt Sucht- und Drogenbeauftragter

„Je tiefer man inhaliert, desto leichter kann man das Nikotin aufnehmen und wird schneller abhängig“, sagte der Suchtexperte Reiner Hanewinkel BuzzFeed News Deutschland im vergangenen Jahr. Bei Jugendlichen führe die E-Zigarette häufig zum Konsum von richtigen Zigaretten. „Jugendliche, die eine E-Zigarette probiert haben, aber nicht rauchen, haben ein dreifach erhöhtes Risikos, später umzusteigen“, sagt er.

Die Zahl der Jugendlichen, die E-Zigarette rauchen, hat sich seit 2021 verdoppelt. Burkhard Blienert, Sucht- und Drogenbeauftragte der Bundesregierung, findet das „schockierend“. „Aromen spielen eine wichtige Rolle bei der Entscheidung, E-Zigaretten zu konsumieren, gerade für Jugendliche. Was gesundheitsschädlich ist, soll nicht nach Obstsalat oder Minze schmecken“, sagt er BuzzFeed News Deutschland.

Wie gesundheitsschädlich E-Zigaretten wirklich sind, kann man laut Hanewinkel erst in Zukunft nachweisen, weil die E-Zigarette erst seit etwa 15 Jahren auf dem Markt ist. „Es gibt aber jetzt schon deutliche Hinweise darauf, dass E-Zigaretten das Herz-Kreislauf-System und die Lunge schädigen.“

Mehr zum Thema: Ein Laster weniger? Die GenZ greift seltener zu Alkohol.

Der Sucht- und Drogenbeauftragte Burkhardt Blienert über Aromen von E-Zigaretten.

Kommt bald auch ein Gesetz gegen Aromen in E-Zigaretten?

Der Sucht- und Drogenbeauftragte der Bundesregierung bestätigt uns, dass im Moment kein Verbot von Aromen in E-Zigaretten geplant ist. Bei dem Gesetz gegen Aromen in Tabakerhitzern handelt es sich um eine EU-Richtlinie, die in nationales Tabakrecht umgewandelt wurde. Abgeordnete Linda Heitmann (Grüne), die daran mitwirkte, sagt uns, sie habe „angeregt, Aromen auch für E-Zigaretten mit zu regeln. Um die fristgerechte Umsetzung der EU-Richtlinie einzuhalten, wurde jedoch hierauf verzichtet.“

Blienert hält „ein konsequentes Verbot für bei Jugendlichen besonders attraktiver Aromen für äußerst sinnvoll“. Er sei darüber mit dem zuständigen Bundesministerium für Ernährung von Cem Özdemir (Grüne) und den Koalitionspartner:innen im Gespräch. Auch Heitmann spricht davon, dass weitere Schritte im Gespräch sind.

Hilfe bei Sucht

Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BzgA) bietet Rauchenden, die aufhören wollen, unter 0800 8 31 31 31 eine Beratung an. Hier sind Gründe, warum du mit dem Rauchen aufhören solltest.

Elfbar und Co sind unter Jugendlichen die größte Gefahr

Unter Jugendlichen sind besonders Einweg-E-Zigaretten beliebt, die man nur einmal verwenden kann. In vielen Kiosks kann man sie neben herkömmlichen Zigaretten kaufen. Am bekanntesten ist wohl die Marke Elfbar. Weltweit rauchten 2022 laut der YouGov-Jugendstudie über die Hälfte der 11- bis 17-Jährigen hin und wieder Einweg-E-Zigarette. In Deutschland ist der Verkauf an Minderjährige verboten. „Wir haben ein ernsthaftes Problem mit E-Zigaretten, wenn selbst Zwölfjährige zu Einweg-E-Zigaretten greifen“, kritisiert Blienert.

Elfbar und Co. schmecken nicht nur Kaugummi und Gummibärchen, sie seien zudem „oft knallbunt und sogar so klein, dass sie gut in die Federmappe passen“. Problematisch findet Blienert auch den vergleichsweise geringen Preis der Einweg-E-Zigaretten (im Schnitt 10 Euro) und, dass sie leicht zugänglich seien – auch über das Internet. Tatsächlich kann man sich Elfbar und Co ganz einfach über Amazon bestellen.

Sucht- und Drogenbeauftragter fordert besseren Jugendschutz

Zwar werden Aromen in E-Zigaretten nicht verboten, ab 2026 kann man Einweg-E-Zigaretten in ihrer jetzigen Form trotzdem nicht mehr kaufen. Die neue Batterieverordnung der EU erlaubt dann keine Einwegprodukte mit nicht-auswechselbarer Batterie mehr, wie es die Elfbar ist. Wir haben das Unternehmen gefragt, wie es auf das Verbot reagieren möchte, aber bis zur Veröffentlichung keine Antwort erhalten. Denkbar wäre, dass sie eine Alternative zum Einwegsystem entwickeln. E-Zigaretten mit auswechselbarer Batterie sind ja nicht betroffen.

Damit weniger Jugendliche zu E-Zigaretten greifen, fordert Blienert besseren Jugendschutz. Die Ordnungsämter in den Kommunen sollen die Abgabe an Minderjährige stärker kontrollieren. Er schlägt Testkäufe in Läden vor und hohe Ordnungsgelder an diejenigen, die gegen die Auflagen verstoßen.

In Neuseeland gibt es hingegen bereits ein allgemeines Rauchverbot: Menschen, die am oder nach dem 1. Januar 2009 geboren wurden, können keinen Tabak mehr kaufen.

Rubriklistenbild: © IMAGO / Pond5/ Collage BuzzFeed News Deutschland

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