USA alarmiert

Arbeitet Putin an Atomwaffen im Weltraum? Ziel sollen Satelliten sein

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Putin soll an Atomwaffen für den Weltraum arbeiten. Der Republikaner Mike Turner sorgt mit dieser Meldung für Aufsehen. Doch steckt womöglich etwas ganz anderes dahinter?
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Putin soll an Atomwaffen für den Weltraum arbeiten. Der Republikaner Mike Turner sorgt mit dieser Meldung für Aufsehen. Doch steckt womöglich etwas ganz anderes dahinter?

Washington – Gefühlt überschlagen sich die Nachrichten: Erst verkündet der designierte US-Präsidentschaftskandidat Donald Trump, dass er das NATO-Bündnis als US-Präsident mehr oder weniger auf künden würde, dann kommt Mike Turner, Republikaner und Vorsitzender des Geheimdienstausschusses, mit einer weiteren Schreckensmeldung um die Ecke: Angeblich tüftelt der russische Präsident Wladimir Putin an einer nuklearen Weltraumwaffe, die vor allem Satelliten ins Visier nehmen soll. Möglicherweise steckt hinter Turners Appell aber mehr, als die Sorge vor einer realen Bedrohung.

Bedrohung durch Atomwaffen im Weltraum ist nicht neu

Turners Vorstoß lässt zumindest die Überlegung zu, ob dies nicht ein Versuch ist, den Druck auf das Repräsentantenhaus, endlich die millionenschweren Ukraine-Hilfen freizugeben, auf geschickte Art und Weise zu erhöhen. Denn Turner gehört zu den wenigen Republikanern, die für die Ukraine-Hilfen sind. Und konkrete Details, wie es um die nukleare Aufrüstung im Weltraum der Russen steht, gab es zunächst nicht. Wie ein anderer US-Beamter gegenüber CNN berichtet, sei nicht klar, wie weit die russische Technologie fortgeschritten sei. Man wisse nur, dass es sich um eine Waffe handele, mit der Menschen nicht angegriffen werden könnten. So weit, so vage. Denn das ist keine Neuigkeit. Sowohl Russland, als auch die USA und China forschen seit Jahrzehnten an so einer Technologie.

Besichtigung einer Pershing II Atomrakete auf dem NATO-Armeestützpunkt Mutlangen.

Schon immer Ziel der Atomwaffen im Weltraum: Weltraumsatelliten gehören zur kritischen Infrastruktur

Seit immer mehr Weltraumsatelliten die zivile und militärische Kommunikation und Navigation auf der Erde steuern, gehört das All zur kritischen Infrastruktur der Erde. Fast die Hälfte der rund 1600 Satelliten, die die Erde umkreisen, gehören den USA. Schon während des Kalten Krieges hatten sowohl die USA als auch die Sowjetunion im Rahmen ihrer strategischen Abschreckungsbemühungen umfangreiche Forschung und Entwicklung im Bereich weltraumgestützter Atomwaffen durchgeführt. Zu diesen Waffen, die oft als „nukleare Weltraumwaffen“ bezeichnet werden, gehören Konzepte wie nuklear bewaffnete Satelliten, umlaufende Waffenplattformen und Antisatellitenwaffen (ASAT).

Der Weltraumvertrag von 1967 verbietet nukleare Weltraumwaffen in der Erdumlaufbahn

Die Idee hinter diesen Waffen ist, sich einen strategischen Vorteil zu verschaffen, indem man Ziele aus dem Weltraum angreifen kann, darunter feindliche Satelliten oder bodengestützte Einrichtungen. Der Einsatz solcher Waffen wurde jedoch durch internationale Verträge und Vereinbarungen stark eingeschränkt, beispielsweise durch den Weltraumvertrag von 1967, der die Platzierung von Massenvernichtungswaffen in der Erdumlaufbahn untersagte. Offiziell haben die heutigen Satelliten aber im Wesentlichen passive Funktionen, sind also nicht dafür konstruiert, gegnerische Satelliten in einem Konfliktfall zu zerstören. 

ASAT-Waffen sorgten für Großalarm auf der ISS

Putin soll an nuklearen Weltraumwaffen arbeiten. Der Republikaner Mike Turner sorgt mit dieser Meldung für Aufsehen. Doch steckt womöglich etwas ganz anderes dahinter?

Trotz dieser Verträge kam es zu Zwischenfällen mit ASAT-Waffen. So musste sich erst im November 2022 die Besatzung der Internationalen Raumstation (ISS) plötzlich in ihren Raumfahrzeugen in Sicherheit bringen, weil eine frische Wolke Weltraumschrott drohte, mit der ISS zu kollidieren. Wenig später stellte sich heraus, dass es Trümmer eines zerstörten Satelliten waren, die die Astronauten in Bedrängnis gebracht hatten. Der Satellit war laut US-Außenministerium das Testziel für Wladimir Putins Antisatellitenwaffen gewesen. „Wir wussten zwar, dass Russland diese Tests durchführt, aber es erschreckt uns, in welchem Rahmen sie es getan haben“, sagte Kaitlyn Johnson, stellvertretende Leiterin des Aerospace Security Project des Center for Strategic and International Studies in Washington D.C., wie der National Geopraphic berichtet.

Die Forschung an militärischer Technologie, die auf die kritische Infrastruktur jenseits der Erde zielt, ist also mitnichten eine neue Erkenntnis und auch keineswegs seit Ende des Kalten Krieges zum Erliegen gekommen. Die Bedrohung ist nicht erst seit Mittwoch, sondern seit jeher real. Der Sache, der Ukraine die dringend benötigte Militärhilfe zu gewähren, schadet Turners Vorstoß aber auf keinen Fall.

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