Kommentar

Auch SAP knickt ein

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Baden-Württemberg, Mannheim: Christian Klein, Vorstandsvorsitzender der SAP SE, nimmt an der Verabschiedung des SAP-Mitgründers Plattner teil.
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Wieder schwenkt ein Konzern auf Trump-Linie ein und stampft Diversität ein. Der Eindruck bleibt: Unternehmen wie SAP sind hemmungslos opportunistisch. Ein Kommentar.

Skeptiker sind früh misstrauisch geworden, als Unternehmen vor einigen Jahren anfingen, sich für Themen wie Nachhaltigkeit, Diversität oder Gleichberechtigung zu interessieren. Geht es der Wirtschaft tatsächlich um ihren Impact? Oder passten sich die Unternehmen nur dem Zeitgeist an, um Kund:innen, Investoren und Talente nicht zu verprellen?

Knapp drei Monate nach dem Amtsantritt von US-Präsident Donald Trump scheint es, als würden die Zweifler recht behalten. Schon nach dem Wahlsieg des kulturkämpfenden Republikaners im vergangenen November sind Unternehmen reihenweise eingeknickt. Der Facebook-Konzern Meta, die Fast-Food-Kette Mc Donald‘s, der Handelsriese Walmart, der Landtechnik-Konzern John Deere und viele andere warfen ihre Konzepte für Diversität, Gleichberechtigung und Inklusion in atemberaubendem Tempo aus dem Fenster.

Auch deutsche Unternehmen können oder wollen sich der neuen Marschrichtung des Weißen Hauses nicht entgegenstellen, wie das Beispiel SAP zeigt. Der Software-Riese aus Walldorf beerdigt die interne Frauenquote. Das Unternehmen begründet das mit Rechtsrisiken im wichtigen US-Markt.

Das Argument ist nicht ganz von der Hand zu weisen, gleichzeitig aber muss SAP sehr wohl die Frage beantworten, was all die Gelöbnisse der Vergangenheit wert waren. Hat man die eigene Erzählung geglaubt, dass diversere Teams nicht nur gesellschaftspolitisch geboten sind, sondern auch bessere betriebswirtschaftliche Ergebnisse liefern? Fragen wie diese müssen beantwortet werden. Sonst bleibt am Ende der Eindruck, dass Unternehmen wie SAP vor allem eines sind: hemmungslos opportunistisch.

Andreas Niesmann.

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