Nach Ministerposten-Pleite: Eskens Rolle in der SPD auf der Kippe
VonStephanie Munk
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Saskia Esken bekam keinen Ministerposten, auch ihre Zukunft als SPD-Chefin ist unklar. Unterstützer melden sich, doch die Zweifel wachsen.
Berlin – SPD-Chefin Saskia Esken muss seit der Bundestagswahl 2025 einiges einstecken: Während Lars Klingbeil, ihr Co-Vorsitzender, als Vizekanzler und Finanzminister Karriere machte, erntet Esken vor allem Spott, Kritik und Forderungen nach ihrem Rücktritt. Bei der Vergabe der Ministerposten ging sie leer aus. Klingbeil gab jüngeren SPD-Frauen den Vorzug.
Saskia Esken nach Minister-Entscheidungen von Klingbeil beschädigt – Bleibt sie SPD-Chefin?
Auch Katarina Barley von der SPD sprach sich in bei Markus Lanz am Dienstagabend für Esken aus. Sie schätze Esken „sehr“ und kritisierte den Umgang mit ihr als „unter allem Niveau“. Esken sei von den SPD-Mitgliedern mehrheitlich gewählt worden und habe somit die „maximale Legitimation“. Dennoch sei sie von Beginn an „nur attackiert“ worden, insbesondere von den Medien, kritisierte Barley.
Bärbel Bas stünde als neue SPD-Chefin parat, falls Esken bei Parteitag nicht kandidiert
Bei „Maischberger“ wurde zudem deutlich, wer bereit wäre, den Vorsitz zu übernehmen, falls Esken nicht erneut kandidiert: Bärbel Bas schließt eine eigene Kandidatur nicht aus. Die Wahl der neuen SPD-Vorsitzenden ist für Ende Juni auf einem Parteitag geplant. Bis dahin möchte Bas sich in ihre Rolle als Arbeitsministerin einarbeiten, denn „da habe ich – glaube ich – auch sehr, sehr viel zu tun.“
Sollte Bärbel Bas neben ihrer Ministerrolle auch SPD-Co-Vorsitzende neben Klingbeil werden, würde sie auf jeden Fall zur neuen starken Frau in der Partei aufsteigen.
Minister unter Merz: Komplette Liste des Kabinetts – von Klingbeil bis zu „neuen Gesichtern“
Esken hat angeblich bewusst auf Ministeramt im Merz-Kabinett verzichtet
Dass Esken in der neuen Regierung keinen Ministerposten erhielt, sorgte innerhalb der SPD für Verwunderung. „Ich verstehe die Leute, die sagen, das ist nicht fair“, gab Bas in der ARD zu. Sie erklärte jedoch, Esken habe sich bewusst zurückgezogen, um Platz für zwei junge Ministerinnen zu schaffen.
Gerüchte besagen aber auch, dass Esken ursprünglich das Amt der Entwicklungsministerin anstrebte und kurz vor der Postenvergabe mit der ehemaligen Ministerin Svenja Schulze telefonierte, um ihre Ambitionen klarzustellen. Am Ende gingen beide leer aus, und die 35-jährige Reem Alabali-Radovan wurde zur neuen Entwicklungsministerin der SPD ernannt.
Reem Alabali-Radovan, die in Moskau geboren wurde und irakische Wurzeln hat, kam als Flüchtlingskind nach Deutschland und trat erst vor vier Jahren der SPD bei. Nach der Bundestagswahl 2021 war sie Integrationsbeauftragte der Ampel-Koalition. (smu/dpa)