Aufregung um neue Trump-Fantasie: Vielleicht „mögen“ US-Bürger „einen Diktator“
VonFabian Hartmann
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Für die Entsendung von Nationalgardisten in die US-Hauptstadt bekam Trump vehemente Kritik. Darauf antwortete er jetzt und stellte eine gewagte These auf.
Washington, D.C. – Seit dem späten Sonntagabend (US-Ortszeit) sind die von Donald Trump nach Washington, D.C. entsandten Nationalgardisten mit Schusswaffen ausgestattet, die sie im Falle einer akuten Bedrohung „als letztes Mittel“ anwenden sollen. Am Sonntag kündigte der US-Präsident an, die Entsendung von Nationalgardisten nach Chicago und Baltimore zu erwägen – in beiden Städten ist, genau wie in Washington, D.C., ein demokratischer Bürgermeister im Amt.
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Zum Wochenbeginn folgte eine weitere Maßnahme des Republikaners: Trump ordnete die Gründung einer „spezialisierten Einheit der Nationalgarde von DC“ an, die darin trainiert werden solle, die „öffentliche Sicherheit und Ordnung sicherzustellen“. Auch Nationalgardisten anderer US-Bundesstaaten sollten ein solches Training erhalten, um im Falle potenzieller Unruhen einsatzfähig zu sein. Bei der Unterzeichnung der Dekrete entgegnete der US-Präsident am Montag auch Kritik, die an seinem Vorgehen laut geworden war. Ganz im Stile seiner gewohnt aggressiven Rhetorik holte Trump dabei zu einer steilen Hypothese aus.
Trump erwägt, US-Bevölkerung könnte einen „Diktator“ befürworten
Inmitten seines umstrittenen Vorgehens gegen angeblich ausufernde Kriminalität in US-Städten erwog Trump am Montag, dass die Menschen in den USA einen „Diktator“ an der Spitze der USA befürworten könnten. „Sie sagen: ‚Er ist ein Diktator. Er ist ein Diktator‘“, griff Trump am Montag die von demokratischer Seite laut gewordene Kritik an seinem gegenwärtigen Vorgehen auf. Er führte aus: „Aber viele Leute sagen: ‚Vielleicht mögen wir einen Diktator.‘ Ich dagegen mag keine Diktatoren. Ich selbst bin kein Diktator“, wurde der US-Präsident von US-Medien wie CNNund Timeübereinstimmend zitiert.
„Wenn ich sehe, was mit unseren Städten passiert, und dann Truppen entsende, wird man nicht gelobt, sondern es heißt, man wolle die Republik übernehmen“, sagte Trump über seine Kritikerinnen und Kritiker. „Diese Leute sind krank“, zitierte Time den US-Präsidenten weiter.
Trump brachte das Bild eines „Diktators“ schon zuvor öffentlich an
Es ist weitaus nicht das erste Mal, dass Trump Kritik daran zurückweist, diktatorisch zu sein, während er zugleich mit jenem Bild von sich zu sympathisieren scheint. Im Dezember 2023 sagte der Republikaner gegenüber Fox News, er werde kein Diktator sein, „außer am ersten Tag“ einer potenziellen zweiten Amtszeit. Anschließend fügte er hinzu: „Danach bin ich kein Diktator mehr.“
Jene Äußerung präzisierte Trump in einem Time-Interview im April des Vorjahres (30. April 2024), indem er sagte, er habe sie „sarkastisch“ gemeint. Gleichzeitig betonte der Republikaner aber auch hier schon, dass er glaube, dass „viele Leute“ einen Diktator an der Spitze der US-Regierung „mögen“ dürften.
Und damit liegt Trump nicht falsch: Im Februar des Vorjahres veröffentlichte die Amherst University im US-Bundesstaat Massachusetts eine Umfrage, der zufolge 74 Prozent der Republikaner Trumps Aussage, für einen Tag als Diktator zu walten, begrüßten. Zum damaligen Zeitpunkt war die Umfrage von der Washington Post aufgegriffen worden. Trump selbst hatte seine vorherige Aussage im Nachgang dann jedoch als „Scherz“ bezeichnet.
Republikaner scheinen „Diktator“-Figur nicht abgeneigt zu sein
Offenbar spielt Trump jene Bemerkung nun öffentlich weiter aus, weil er sie in seinem politischen Lager als gedeckt ansieht. Auch wenn sie nach wie vor wie eine Provokation wirken mag, erhält sie dadurch immer mehr Einzug in die öffentliche Wahrnehmung und dürfte damit auch immer weiter ins Meinungsbild von Teilen der Wählerschaft rücken.
Die Opposition wirft Trump vor, das Ausmaß der Kriminalität mit aggressiver Rhetorik zu verschärfen und so eine Krise herbeireden zu wollen. Und das letztlich auch, um ein zunehmend autoritäres Vorgehen zu legitimieren. Mit Blick auf Trumps Androhung, Nationalgardisten auch nach Chicago zu schicken, sagte Hakeem Jeffries, demokratischer Minderheitsführer im US-Repräsentantenhaus: „Es gibt keine Grundlage und keine Befugnis für Donald Trump, zu versuchen, Bundestruppen in die Stadt Chicago zu schicken“, erklärte Jeffries gegenüber CNN.
Entgegen Trumps Aussagen immer weiter steigenden Gewaltverbrechen in Städten wie Washington, D.C., sprechen die Statistiken eine andere Sprache: So verzeichnete die US-Hauptstadt zwischen 2023 und 2024 einen deutlichen Rückgang krimineller Handlungen, nachdem Verbrechen während der Corona-Pandemie vorläufig angestiegen waren. Trump beschuldigt jedoch Washingtons demokratische Bürgermeisterin Muriel Bowser, „falsche und höchst ungenaue Kriminalitätszahlen zu liefern“. (fh)