VonPatrick Mayerschließen
Die Zeitenwende der Bundeswehr kommt zuletzt voran, doch beim neuen Transport-Hubschrauber gibt es Probleme - während die aktuellen Helikopter Sorgen machen.
München/Berlin - 100 Milliarden Euro bekommen die deutschen Streitkräfte durch das sogenannten Sondervermögen Bundeswehr zusätzlich zu den im Haushalt ohnehin eingeplanten Ausgaben für die Landes-Verteidigung und die Bündnisverpflichtungen innerhalb der transatlantischen Nato.
Bundeswehr: Deutsche Streitkräfte müssen noch lange auf Chinook-Hubschrauber warten
Nachdem die von Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) ausgerufene „Zeitenwende“ der deutschen Verteidigungspolitik unter Ex-Verteidigungsministerin Christine Lambrecht (SPD) nie in Schwung kam, nahmen Aufrüstung und Modernisierung von Heer, Luftwaffe sowie Marine unter ihrem Nachfolger Boris Pistorius (SPD) deutlich an Fahrt auf.
Doch: Jetzt gibt es für besagte „Zeitenwende“ offenbar einen Rückschlag. Denn: Wie die Süddeutsche Zeitung (SZ) berichtet, dauert die Auslieferung der ersten, dringend benötigten neuen Transporthubschrauber Chinook-Ch-47 mindestens vier Jahre. Und das in Zeiten, während der Ukraine-Krieg tobt und sich sicherheitspolitisch auch die Lage auf dem Balkan zwischen Serbien, Bosnien und Kosovo wieder verschärft.
Von insgesamt 60 Hubschraubern, die Deutschland in den USA bestellen wolle, werden laut SZ „erst von September 2027 an und dann zunächst auch erst nur drei Maschinen an die Bundeswehr ausgeliefert. 2028 folgen weitere neun, dann erst steigen die Zahlen auf zwölf Hubschrauber in den jeweils folgenden Jahren bis 2031.“ 2033 solle schließlich der letzte der schweren Transport-Hubschrauber an die Bundeswehr übergeben werden. Die Truppe habe dagegen gehofft, spätestens 2026 die neuen Hubschrauber als Ersatz zu bekommen, heißt es in dem Bericht.
Bundeswehr: Ersatz von Sikorsky CH-53 durch Chinook-Ch-47 dauert noch Jahre
Aktuell hat die Bundeswehr den Sikorsky CH-53 in ihren Beständen, einen großen Transport-Helikopter, der in den frühen 1960er Jahren ebenfalls in den Vereinigten Staaten entwickelt wurde. Laut SZ gilt der CH-53 aber als anfällig für Pannen. Der Chef der Luftwaffe hatte jüngst mit drastischer Wortwahl mehr Tempo bei neuen Beschaffungen im Rahmen der genannten „Zeitenwende“ gefordert. „Unser aktueller Transporthubschrauber beispielsweise steht schon im Deutschen Museum. Und um den Tornado in die Luft zu bekommen, ist erheblicher Aufwand notwendig. Auf eine Flugstunde kommen fast 200 Technikerstunden“, erzählte der Generalleutnant der Bundeswehr, Ingo Gerhartz, dem Handelsblatt: „Auch hier ist die Technik museumsreif.“
Dabei hatte das Bundesverteidigungsministerium, das für die Ausstattung der Bundeswehr zuständig ist, die „Zeitenwende“ unter Pistorius in den vergangenen Monaten deutlich beschleunigt. Ende März hatte FDP-Verteidigungspolitikerin Marie-Agnes Strack-Zimmermann Merkur.de von IPPEN.MEDIA exklusiv erklärt, dass Deutschland kurz vor dem Kauf neuer Kampfpanzer Leopard-2-A7V stünde. „Wir bestellen gerade neue Leopard 2. Das ist der A7, das neueste Modell. Weil wir aus dem Bestand der Bundeswehr welche an die Ukraine abgeben. Und in diesem Zug haben wir sofort den Auftrag erteilt, dass neue hergestellt werden“, erzählte die Vorsitzende im Verteidigungsausschuss des Bundestages damals.
Bundeswehr: Deutsche Truppe bekommt Radpanzer „Boxer“ und Schützenpanzer „Puma“
Ebenfalls Ende März wurde bekannt, dass das Verteidigungsministerium 100 neue Radpanzer vom Typ „Boxer“ für die Bundeswehr beschafft. Und Mitte Mai wurde der geplante Kauf 50 weiterer Schützenpanzer „Puma“ für das Heer, also die Landstreitkräfte, publik. Bei den Transport-Hubschraubern Chinook muss sich die Truppe aber vorerst wohl gedulden. (pm)
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