Außenministerin Annalena Baerbock hat gemahnt, trotz des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine das Leid der Menschen in Afghanistan nicht zu vergessen.
Islamabad - «Wir stehen vor einer humanitären Katastrophe», sagte die Grünen-Politikerin aus Deutschland am Dienstag bei einem Besuch in Pakistan. Man dürfe die Menschen im Nachbarland Afghanistan, wo die Taliban seit vergangenem Jahr wieder an der Macht sind, nicht hungern lassen. «Aber alles andere als humanitäre Hilfe muss streng an Bedingungen geknüpft sein», sagte Baerbock nach einem Gespräch mit Außenminister Bilawal Bhutto Zardari in der Hauptstadt Islamabad.
Mit Blick auf die Missachtung von Menschen- und Frauenrechten durch die militant-islamistischen Taliban sagte Baerbock: «Wir müssen sehr ehrlich sein. Unser Einfluss auf das, was in Afghanistan geschieht, ist sehr begrenzt. Er hängt davon ab, dass die Taliban rationale Entscheidungen in ihrem eigenen wirtschaftlichen Interesse treffen. Und das tun sie im Moment nicht. Die Taliban steuern in die falsche Richtung.» Ende August 2021 hatten sich die letzten internationalen Kampftruppen nach fast 20 Jahren aus Afghanistan zurückgezogen. Zuvor schon hatten die Taliban die Hauptstadt Kabul kampflos erobert.
Pakistans Außenminister Zardari forderte die islamische Welt zum gemeinsamen Handeln auf, «damit wir besser in der Lage sind, dafür zu sorgen, dass das afghanische Regime den internationalen Verpflichtungen nachkommt». So könne ein Umfeld geschaffen werden, «das die Wahrscheinlichkeit terroristischer Aktivitäten verringert und nicht erhöht». (dpa)