Außenministerin Annalena Baerbock will nach vorne blicken und hat für das G20-Treffen auf Bali ein gemeinsames Signal der G7-Runde führender demokratischer Wirtschaftsmächte gegen den russischen Angriffskrieg in der Ukraine angekündigt.
Bali - Der Krieg habe nicht nur die Ukraine in ein Desaster gestürzt, «sondern die Welt komplett aus den Fugen gehoben», sagte die Grünen-Politikerin am Donnerstag nach dem Eintreffen zu den G20-Beratungen an diesem Freitag. Sie sei gemeinsam mit ihren europäischen Kollegen nach Bali gereist, «um deutlich zu machen: Wir überlassen Russland nicht die internationale Bühne.»
Man stehe an der Seite der indonesischen G20-Präsidentschaft und lasse nicht zu, dass der russische Präsident Wladimir Putin «die Welt in ein Chaos stürzt», sagte Baerbock. Die Folgen des Krieges dürfen andere Regionen in der Welt nicht zerstören, betonte sie vor dem Hintergrund einer drohenden weltweiten Hungerkrise. Neben Deutschland und den USA gehören Frankreich, Großbritannien, Italien, Kanada und Japan zur G7-Runde.
Am Rande der offiziellen G20-Verhandlungen an diesem Freitag werde es von ihr und den anderen G7-Vertretern keine der sonst üblichen bilateralen Treffen mit Lawrow geben, kündigte Baerbock an. «Wer unsere internationale Friedensordnung bombardiert, der kann nicht davon ausgehen, dass wir über bilaterale Handelsbeziehungen sprechen.» Deutschland hat aktuell die G7-Präsidentschaft.
Auf die Frage, ob sie Lawrow bei dem Treffen die Hand schütteln werde, sagte die Ministerin lediglich: «Wir sind ja auf einer internationalen Konferenz, wo ich nicht lächelnd mit jemand an der Seite stehen kann, der zeitgleich die Ukraine bombardiert - Kinder, Erwachsene, Zivilisten kaltblütig angreift.» Deswegen werde es auch das sonst übliche offizielle Familienfoto nicht geben.
«Ich werde in meinem Redebeitrag, wo Herr Lawrow ja im Konferenzraum mit am Tisch sitzen wird, sehr deutliche Worte finden, dass wir diesen Bruch des internationalen Völkerrechts nicht akzeptieren», sagte Baerbock. Zudem werde sie «nochmal eindringlich appellieren: Stoppen Sie diese Bombardierung», sagte Baerbock.
Lawrow war vor Baerbock auf Bali angekommen und hatte sich bereits zu Gesprächen mit seinem chinesischen Kollegen Wang Yi sowie mit dem türkischen Außenminister Mevlüt Cavusoglu getroffen. Lawrows Anwesenheit gilt als Test für eine mögliche Teilnahme von Kremlchef Wladimir Putin am G20-Gipfel am 15. und 16. November, der ebenfalls auf Bali stattfindet. Mehrere Staaten hatten ihre Teilnahme infrage gestellt, sollte Putin persönlich erscheinen. (dpa)