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Nach dem tödlichen Angriff im Trentino wird auch in Bayern über Bären diskutiert. Eine Oppositionspartei macht im Gespräch mit Merkur.de einen Vorschlag.
München/Oberammergau - Der Bär geht um. Und zwar zwischen dem norditalienischem Trentino, Südtirol, österreichischem Tirol und deutschem Bayern.
Bären im Alpenraum: Tödlicher Angriff im Trentino wirkt nach, Sichtungen in Bayern
Der Tod eines Joggers, mutmaßlich nach einem Bärenangriff, im Trentino brachte das Thema nachhaltig auf die Agenda. Zuletzt wurden auch Tatzenspuren in den oberayerischen Landkreisen Miesbach sowie Rosenheim gesichtet, wo ein Bär zudem drei Schafe gerissen haben soll.
Im Trentino wurde zudem das als Problembär geltende Tier „M62“ von der Politik zum Abschuss freigegeben. Ein Szenario auch für Bayern? Im Interview mit Merkur.de verneinen zwei ÖDP-Politiker das entschieden - und schlagen stattdessen Großschutzgebiete vor. Zum Beispiel im Ammergebirge.
Bären und Wölfe in Bayern: ÖDP schlägt Großschutzgebiete vor
„Die Tiere gehören hierher. Wir müssen auf wissenschaftlicher Basis klären, wie groß die Population sein kann, um die genetische Vielfalt zu erhalten. Wir müssen über weitere Großschutzgebiete nachdenken, über den Steigerwald als Nationalpark, vielleicht das Ammergebirge“, sagte Tobias Ruff, ÖDP-Landesvorsitzender: „Wir haben große Truppenübungsplatz, zum Beispiel Grafenwöhr, wo die Wolfsrudel drin sind und überhaupt niemanden stören. Wir können nicht alle Weiden schützen.“
Ohnehin könne man „eine Alm auf 1400 Metern nicht einzäunen, erst recht nicht mit dem Elektrozaun. Dann würde man auch die Gams und das Rotwild ausschließen“, meinte der Regionalpolitiker aus München weiter: „Wo ich nicht schützen kann, muss ein Abschuss als letztes Mittel möglich sein.“ Die Ökologisch-Demokratische Partei beschäftigt sich insbesondere mit ökologischen Themen und Umweltpolitik.
Wir müssen über weitere Großschutzgebiete nachdenken, über den Steigerwald als Nationalpark, vielleicht das Ammergebirge.
Ruff war in unserer Redaktion zum Interview mit seiner Parteikollegin Manuela Ripa zu Gast, die im Europäischen Parlament im Ausschuss für Artenschutz sitzt. Und der Bär ist aktuell ein wahrlich europäisches Thema im Alpenraum, wo es zwar Ländergrenzen gibt, die die Tiere auf ihrer Wanderschaft aber freilich wenig interessieren.
Bären und Wölfe in Bayern: ÖDP bezeichnet Abschuss als letztes Mittel
„Der Abschuss sollte das letzte Mittel sein, nicht das erste. Es gibt auch Problemtiere, die leider abgeschossen werden müssen. Aber das sollte nicht die Regel sein. Wenn wir es in Europa schon geschafft haben, wichtige Arten wieder anzusiedeln“, sagte Ripa Merkur.de. Sie kritisierte den bayerischen Ministerpräsidenten aus den Reihen der CSU mit Blick auf den Artenschutz deutlich. Und zwar wegen eines kürzlichen Entschlusses zu Wölfen.
„Markus Söder hat den Wolf zum Abschuss freigegeben. Der Wolf hat eine ganz wichtige Funktion in unserem Ökosystem. Viele Naturschützer haben gejubelt, dass er jetzt wieder hier ist. Den Wolf wieder zum Abschuss freizugeben, ist zu kurz gedacht“, meinte sie und verwies auf Präventionsmaßnahmen, die auch aus dem europäischen Fonds für ländliche Entwicklung finanziert würden. Darunter falle etwa der „Herdenschutz, sei es durch Zäune oder durch Hütehunde“.
Wölfe in Bayern: Söders Landesregierung erlaubt bei Rissen den Abschuss
Zur Einordnung: Laut einer jüngsten Entscheidung der Staatsregierung genügt in Bayern künftig der Riss eines Schafes, um Wölfe abschießen zu dürfen. Wie Regierungschef Söder Ende April mitteilte, beschloss das bayerische Kabinett zudem, dass es dazu kein DNA-Gutachten brauche - auch ein anderer Wolf könne abgeschossen werden.
Bären-Sichtungen in Oberbayern: Fachleute erwarten keine Ansiedlung im Freistaat
Nach den Bären-Entdeckungen in Oberbayern hatte der bayerische Umweltminister Thorsten Glauber (Freie Wähler) die Sicherheit der Menschen indes als absolut vorrangig bezeichnet. Dabei würden Fachleute laut ZDF gar keine dauerhafte Ansiedlung von Bären im Freistaat erwarten.
Der tödliche Vorfall aus Norditalien alarmiert dennoch. So prüfte das Auswärtige Amt wegen Bären-Sichtungen am Montag (8. Mai) eine Reisewarnung für Südtirol. Die Bärin mit der Kennung „JJ4“, die den Jogger getötet haben soll, war in der Nacht auf 18. April von Förstern eingefangen worden. Sie war eine Schwester des 2006 in Bayern erschossenen Bären „Bruno“. Die Angelegenheit ist in Norditalien mittlerweile ein Politikum. Hunderte Demonstranten gingen auf die Straße und forderten die Freilassung der wild lebenden Bärin.
Bären im Alpenraum: Im norditalienischen Trentino leben wohl 100 Exemplare
Nach Angaben des bayrischen Landesamtes für Umwelt (LfU) leben im Trentino, knapp 120 Kilometer vom Freistaat entfernt, rund 100 Bären. Wäre hierzulande ein Großschutzgebiet im Ammergebirge zwischen dem Landkreis Garmisch-Partenkirchen und dem Ostallgäu denkbar? Die Debatte über den Umgang mit den Bären läuft. (pm)
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