Drei US-Regionalbanken sind plötzlich zusammengebrochen. Die Börsen wurden durchgeschüttelt. Die EZB wird eine schwierige und umstrittene Entscheidung treffen, kommentiert Corinna Maier.
Was auch immer die Europäische Zentralbank heute entscheidet, es wird eine schwierige und umstrittene Entscheidung sein. Denn die Lage ist zwiespältig. Einerseits entwertet die weiterhin extrem hohe Inflation das Geld der Verbraucher – was für steigende Zinsen sprechen würde. Andererseits mehren sich die Zeichen für eine weitaus weniger erfreuliche Konjunkturentwicklung, als Optimisten bis vor Kurzem noch erwartet hatten: Der private Konsum geht zurück, die Ölpreise am Weltmarkt sinken massiv, ebenso die Anleihezinsen am Kapitalmarkt – eine Rezession kündigt sich an. Gegenwind von der Notenbank, also steigende Leitzinsen, braucht Europas Wirtschaft da am allerwenigsten.
Dazu kommen die Verwerfungen an den Börsen infolge des Zusammenbruchs dreier US-Regionalbanken. Dass es sich dabei um Spezialbanken handelt, deren Geschäftsmodelle nicht mit denen europäischer Geldhäusern zu vergleichen sind, ändert nichts am Abwärtssog.
Dass die US-Notenbank deshalb umsteuert, scheint nicht ausgeschlossen, vielleicht sogar angeraten. Für die EZB ist das schwieriger. Reagiert sie, könnte das den Finanzmärkten signalisieren, dass es bei den Banken tatsächlich ein Problem gibt. Für eine Zinspause gibt es für die Europäer daher sicher einen besseren Zeitpunkt. (Corinna Maier)