Lage von Zivilisten verschlimmert sich

Befreiung von Tigray: UN warnt Äthiopien vor Kriegsverbrechen

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Der neue UN-Hochkommissar für Menschenrechte Volker Türk spricht eine Warnung aus: Sollte in Äthiopien nicht bald eine friedliche Lösung gefunden werden, muss die Regierung mit Kriegsverbrechen rechnen

Volker Türk, der neue UN-Hochkommissar für Menschenrechte, hat die Regierung des ostafrikanischen Staates Äthiopien vor möglichen Kriegsverbrechen gewarnt.

Genf - Die Luftangriffe und Artillerieeinschläge in der Region Tigray könnten die verheerende Lage von Zivilisten verschlimmern, mahnte der österreichische Diplomat am Dienstag in Genf. Absichtliche Angriffe auf Zivilisten oder zivile Objekte seien nach internationalem Recht Kriegsverbrechen. Die Zentralregierung in Addis Abeba hatte trotz der Ankündigung von Friedensgesprächen am Montag weitere Angriffe verteidigt, um den Flughafen in der Region unter ihre Kontrolle zu bringen.

«Die Zahl der Opfer unter der Zivilbevölkerung ist erschütternd», heißt es in einer Erklärung des neuen UN-Kommissars. Die Ermittlung der genauen Zahl an Betroffenen sei schwierig, weil die Kommunikation in der Region oft unterbrochen sei. «Ich bin auch zutiefst beunruhigt über die erhebliche Gefahr einer Eskalation angesichts der anhaltenden Massenmobilisierung von Soldaten und Kämpfern durch verschiedene Konfliktparteien.» Türk appellierte an alle Seiten, die Kämpfe zu beenden und an einem dauerhaften Frieden zu arbeiten.

Äthiopiens Militär kämpft zusammen mit Streitkräften aus dem Nachbarland Eritrea gegen die Volksbefreiungsfront von Tigray (TPLF), die mehr Autonomie für ihre ethnische Gruppe verlangt. Von den gut sieben Millionen Menschen in Tigray sind nach UN-Angaben etwa 5,2 Millionen auf humanitäre Hilfe angewiesen. Türk hatte seine Arbeit am Montag aufgenommen, als Nachfolger der Chilenin Michelle Bachelet. (dpa)

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