- VonBettina Menzelschließen
An der Grenze zwischen Belarus und Polen harren weiterhin hunderte Menschen aus. Indes traten belarussische Sanktionen gegen den Westen in Kraft.
- In der belarussisch-polnischen Grenzkrise zeichnet sich weiterhin keine Lösung ab.
- Rund 600 Frauen, Kinder und Männer harren noch immer an der belarussisch-polnischen Grenze aus (siehe Erstmeldung).
- Alexander Lukaschenko, der „letzte Diktator Europas“, bringt indes Gegensanktionen auf den Weg. Den Westen könnte das Millionen Euro kosten.
Brusgi, Belarus - An der belarussisch-polnischen Grenzen harren weiterhin hunderte Menschen aus. Etwa 600 Kinder, Frauen und Männer sind in der Lagerhalle eines Logistikzentrums in Brusgi in der Region Grodno in Belarus untergebracht und hoffen auf eine Einreise in die Europäische Union. Indes hat Belarus Gegensanktionen auf den Weg gebracht, die westliche Staaten Millionen kosten könnten.
Belarussisch-polnische Grenzkrise weiterhin ungelöst
Mindestens einem Mann, der lange an der Grenze gewartet hatte, gelang es in der vergangenen Woche, nach Deutschland einzureisen. Das berichtet die Deutsche Presse-Agentur und beruft sich dabei auf Angaben der Familie des Flüchtenden. Rund 600 Menschen harren weiterhin an der Grenze aus. Polen registrierte eigenen Angaben zufolge im Jahr 2021 insgesamt 40.000 Versuche von Menschen, die Grenze von Belarus nach Polen zu überqueren.
Am 1. Januar traten in Belarus wirtschaftliche Sanktionen gegen westliche Länder in Kraft. Die Einfuhr vieler Waren - etwa von Fleisch- und Milchprodukten - aus den USA, der Europäischen Union und andere Staaten ist mit Beginn dieses Jahres demnach verboten. Nach Angaben der Regierung ist dies eine Reaktion auf die „diskriminierende Politik und die erfolgten unfreundlichen Handlungen im Verhältnis zu unserem Land“. Minsk beziffert den Schaden der Sanktionen für westliche Länder mit rund einer halben Milliarde Euro. Während sich die EU und Belarus immer weiter entfernen, nähern sich Minsk und der Kreml auch wirtschaftlich weiter an. Russland und Belarus verbindet eine langjährige Freundschaft, die jedoch nicht immer frei von Konflikten war.
Das steckt hinter der humanitären Katastrophe an der belarussisch-polnischen Grenze
Der belarussische Präsident Alexander Lukaschenko ist seit 1994 an der Macht und gilt als letzter Diktator Europas. Ihm wird vorgeworfen, Flüchtende als „Waffe“ zu verwenden und einen hybriden Krieg an der belarussisch-polnischen Grenze angezettelt zu haben. Lukaschenko soll Flüchtende aus dem Nahen Osten nach Belarus eingeschleust haben und sie von Minsk aus an die EU-Grenzen gebracht haben. Das wird als Reaktion auf die Sanktionen westlicher Länder gegen Belarus gewertet und soll der Destabilisierung der Europäischen Union dienen.
Zwar ist von einem hybriden Krieg die Rede, also von „irregulären“ Aktivitäten unterhalb der Schwelle eines bewaffneten Konflikts. Doch der Politik-Experte Lukasz Olejnik sieht die Gefahr einer schwelenden militärischen Eskalation, da beide Seiten bewaffnete Kräfte an der Grenze positioniert haben.
