Belastung für Millionen Menschen?

Belastung für die Mittelschicht? SPD-Vorstoß wird heftig diskutiert

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Die SPD will die Beitragsbemessungsgrenze bei Krankenkassen deutlich erhöhen. Ein Arbeitgeberverband kritisieren Mehrbelastung für die Mittelschicht.

Berlin – Die gesetzlichen Krankenkassen in Deutschland schreiben tiefrote Zahlen. Um dagegen vorzugehen, will die SPD die Beitragsbemessungsgrenze deutlich anheben. Das gaben mehrere Sozialdemokraten, darunter der neu gewählte SPD-Generalsekretär Tim Klüssendorf, an. „Wir haben in der Krankenversicherung immer wieder die Diskussion über Beitragsbemessungsgrenzen, wo noch deutlich mehr drin ist“, sagte er gegenüber der Bild. Damit soll die finanzielle Schieflage der Krankenversicherungen angegangen werden.

Klüssendorf will mit der Anhebung vor allem Besserverdiener stärker zur Kasse bitten. „Ich sehe das ja bei meinem eigenen Gehalt. Da zahle ich den Maximalbeitrag und wäre in der Lage, auch mehr zu zahlen.“ Auch andere SPD-Mitglieder fordern eine Anhebung der Bemessungsgrenze. So erklärte der SPD-Gesundheitsexperte Christos Pantazis der Bild: „Eine Anpassung der Beitragsbemessungsgrenze – etwa auf das Niveau der Rentenversicherung – kann ein Beitrag zur finanziellen Entlastung der Krankenkassen sein, ohne die Versicherten über Gebühr zu belasten.“

Minister unter Merz: Komplette Liste des Kabinetts – von Klingbeil bis zu „neuen Gesichtern“

17 Ministerinnen und Minister, dazu ein Bundeskanzler namens Friedrich Merz: Sie bilden das Kabinett der Koalition aus CDU, CSU und SPD und damit die 25. Bundesregierung Deutschlands.
17 Ministerinnen und Minister, dazu ein Bundeskanzler namens Friedrich Merz: Sie bilden das Kabinett der Koalition aus CDU, CSU und SPD und damit die 25. Bundesregierung Deutschlands. © dpa
Fritze Merz Kabinett CDU CSU Minister
Der neue Kanzler (offiziell ab dem 6. Mai): Friedrich Merz hat sein Kabinett zusammengestellt. Der 69-Jährige hat vertraute und neue Gesichter auserkoren. In dieser Fotostrecke finden Sie alle von der CDU bestimmten Minister, auch die von der CSU und SPD sind hier zu finden.  © IMAGO/Uwe Koch
Thorsten Frei Kanzleramtsminister Merz Kabinett
Bundesminister für besondere Aufgaben und Chef des Bundeskanzleramtes: Thorsten Frei (51) ist einer der engsten Vertrauten von Friedrich Merz und in der CDU angesehen.  © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Johann Wadephul Außenminister Merz Kabinett
Bundesminister für Auswärtiges: Johann Wadephul (CDU) heißt der neue Außenminister.  © IMAGO/ESDES.Pictures, Bernd Elmenthaler
Katherina Reiche Wirtschaftsministerin Merz Kabinett
Bundesministerin für Wirtschaft und Energie aus der CDU: Katherina Reiche ist 51 Jahre alt und wird die Nachfolge von Robert Habeck antreten. © IMAGO
Karin Prien Bildungsministerin FAmilie merz Kabinett
Bundesministerin für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend: Karin Prien von der CDU wird Bildungs- und Familienministerin, sie ist 59 Jahre alt. © IMAGO/Jens Schicke
Nina Warken Gesundheitsministerin Kabinett Merz
Bundesministerin für Gesundheit: CDU-Ministerin Nina Warken (45) soll die Nachfolge von Karl Lauterbach antreten.  © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Karsten Wildberger Digitalminister Merz Kabinett
Bundesminister für Digitales und Staatsmodernisierung: Karsten Wildberger ist die wohl größte Überraschung, der ehemalige MediaMarkt-Chef ist 56 Jahre alt.  © AnikkaxBauer
Wolfram Weimer Minister für Kultur
Kulturstaatsminister: Wolfram Weimer, der 60-Jährige pflegt gute Kontakte in einige Verlage.  © IMAGO/Thomas Bartilla
Schnieder Vekehrsminister CDU Kabinett Merz
Bundesminister für Verkehr: Patrick Schnieder von der CDU soll Verkehrsminister werden. © IMAGO
Dobrindt Innenminister CSU Kabinett Merz Liste
Bundesminister des Innern und für Heimat: Alexander Dobrindt. Der 54-jährige CSU-Mann ist schon zum zweiten Mal Minister. Unter Angela Merkel war er von 2013 bis 2017 Verkehrsminister © IMAGO/ESDES.Pictures, Bernd Elmenthaler
Alois Rainer LAndwirtschaft Merz Kabinett
Landwirtschaftsminister soll der CSU-Politiker Alois Rainer werden. Der 60-Jährige ist durchaus ein überraschender Name, den Söder hier aus den CSU-Kreisen ausgewählt hat.  © IMAGO/Christian Spicker
Bär Ministerin Söder Merz KAbinett
Ministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt: Dorothee Bär (47) übernimmt das neu zusammengestellte Ministeramt. Die CSU-Politikerin galt von vorneherein als Favoritin aus Bayern.  © IMAGO/Heiko Becker
Klingbeil Kabinett Vizekanzler Finanzminister
Lars Klingbeil wird Vizekanzler und Finanzminister. Der 47-Jährige spricht über die SPD-Minister mit den Worten: „Generationswechsel“ und „neue Gesichter und erfahrene Persönlichkeiten“. Nachfolgend sind alle SPD-Ministerinnen und SPD-Minister aufgelistet.  © IMAGO/FRANK TURETZEK
Boris Pistorius Verteidigunsminister SPD Merz Klingbgeil
Verteidigungsminister bleibt Boris Pistorius, 65 Jahre alt. Er ist eines der prominentesten SPD-Mitglieder des Kabinetts. © IMAGO/Noah Wedel
Der bisherige Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) gilt im Merz-Kabinett als gesetzt, wenn es mit schwarz-rot klappt. Er könnte allerdings das Ministerium wechseln und sogar Vizekanzler werden.
Pistorius ist der einzige Minister der einstigen Ampel-Koalition unter Olaf Scholz, der auch unter dessen Nachfolger Friedrich Merz einen Platz im Kabinett gefunden hat. © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Bas Ministerin Arbeit Kabinett
Bärbel Bas, die 57-Jährige wird Bundesministerin für Arbeit und Soziales. Von 2021 bis 2025 war die SPD-Politikerin Präsidentin des Deutschen Bundestags.  © IMAGO
Hubig, Justiz 56 SPD MErz Kabinett
Dr. Stefanie Hubig ist 56 Jahre alt. Sie wird Bundesministerin der Justiz und für Verbraucherschutz. DIe SPD-Politikerin ist schon in Rheinland-Pfalz Ministerin für Bildung gewesen.  © IMAGO/Jürgen Heinrich
Reem Alabali-Radovan Bundesministerin für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung
Die jüngste Person aus der SPD-Riege. Reem Alabali-Radovan ist 35 Jahre alt und kümmert sich um „Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung“. © IMAGO/Jürgen Heinrich
Hubertz wohnen, Bauministerin SPD KAbinett Merz Klingbeiil
Auch nicht viel älter, auch von der SPD: Verena Hubertz, 37 Jahre, Bundesministerin für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen.  © IMAGO
Carsten Schneider SPD Umweltminister Merz Klingbeil Kabinett
Carsten Schneider von der SPD (49), nicht zu verwechseln mit Patrick Schnieder, wird Bundesminister für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit. © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Saskia Esken, ehemalige Parteivorsitzende der SPD
Saskia Esken, ehemalige Parteivorsitzende der SPD, galt lange Zeit als aussichtsreiche Kandidatin für einen Kabinettsposten in der Regierung von Friedrich Merz. © Christophe Gateau/dpa
Armin Laschet (CDU) wollte 2021 selbst Kanzler werden und scheiterte. Nach der Bundestagswahl 2025 werden ihm Außenseiter-Chancen auf ein Amt unter Merz ausgerechnet.
Armin Laschet (CDU) wollte 2021 selbst Kanzler werden und scheiterte. Nach der Bundestagswahl 2025 galt er zumindest als Außenseiter-Kandidat für einen Posten im Kabinett von Friedrich Merz. Daraus wurde letztlich nichts. © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Kultursenator Joe Chialo
Kultursenator Joe Chialo war für die Berliner CDU bei den Koalitionsverhandlungen dabei (Archivbild). Fachleute spekulierten daraufhin Chialo könnte von Friedrich Merz als Kultusminister in sein Kabinett berufen werden. Doch der Posten ging letztlich an den Merz-Vertrauten Wolfram Weimer. © Jörg Carstensen/dpa
Jens Spahn als neuer und alter Minister? Dahinter steht ein Fragezeichen, auch wenn Spahn gewiss Ambitionen hat. Der frühere Gesundheitsminister stand wegen der Maskenaffäre in der Kritik. Andererseits verfügt er über große Regierungserfahrung, die Merz selbst bekanntermaßen fehlt.
Auch Jens Spahn hatte sich Hoffnungen auf einen Kabinettsposten unter Kanzler Friedrich Merz gemacht. Der ehemalige Gesundheitsminister ging in Sachen Kabinett zwar leer aus, kann sich aber dennoch über eine Beförderung im neuen Bundestag freuen: Spahn wird die CDU-Abgeordneten im Bundestag künftig als Fraktionsvorsitzender anführen. © IMAGO/Jens Schicke

Heftige Kritik an SPD-Plan zur Krankenversicherung – Industrie warnt vor Belastungen für Arbeitnehmer

Konkret schlägt Pantazis eine Erhöhung von derzeit 5512,50 Euro auf etwa 8000 Euro monatlich vor. Das würde in etwa der Bemessungsgrenze der Rentenversicherung (8050 Euro monatlich) entsprechen. Klüssendorf wollte sich noch nicht auf eine konkrete Zahl festlegen, sagte aber, man könne sich „auf jeden Fall“ an der Rentenversicherung orientieren.

Die SPD argumentiert bei der Anpassung vor allem damit, dass die finanzielle Situation der gesetzlichen Krankenkassen durch eine Mehrbelastung von Besserverdienern angegangen werden könnte. Dem widerspricht allerdings der Arbeitgeberverband Gesamtmetall. „Die Bundes­re­gie­rung hat die Stabi­li­sie­rung der Sozi­a­l­ver­si­che­rungs­bei­träge verspro­chen. Mit einem Anheben der Beitrags­be­mes­sungs­grenze in der Kranken- und Pfle­ge­ver­si­che­rung würde sie aber genau das Gegenteil tun“, hieß es in einer Stellungnahme.

Was ist die Beitragsbemessungsgrenze bei der gesetzlichen Krankenversicherung?

Die Beitragsbemessungsgrenze (BBG) in der gesetzlichen Krankenversicherung bezeichnet den maximalen Bruttolohn, bis zu dem Beiträge zur Krankenversicherung berechnet werden. Verdient eine Person mehr als diese Grenze, werden für das darüber hinausgehende Einkommen keine weiteren Beiträge fällig. Die Beitragsbemessungsgrenze wird jährlich von der Bundesregierung angepasst und orientiert sich an der Einkommensentwicklung.

Besserverdiener zahlen zwar mehr als Geringverdiener, aber nur bis zu dieser festgelegten Obergrenze. Wer ein Einkommen oberhalb der BBG erzielt, zahlt somit nicht unbegrenzt hohe Beiträge. Die BBG schützt damit vor einer übermäßigen finanziellen Belastung für Gutverdienende und begrenzt gleichzeitig die Einnahmen der gesetzlichen Krankenversicherung pro Versicherten. Für das Jahr 2024 beträgt die monatliche BBG in der gesetzlichen Krankenversicherung 5175 Euro (61.100 Euro im Jahr).

Auf X schrieb der Verband zudem: „Der SPD-Vorschlag einer Erhöhung der Beitragsbemessungsgrenze würde viele Menschen in Deutschland stärker belasten – denn die Sozialabgaben würden steigen! Nach unserer Analyse bedeutet das für den durchschnittlichen Verdiener der Metaller-Branche eine Mehrbelastung von 555,80 Euro im Jahr!“

Gesamtmetall nimmt laut der Organisation Lobbycontrol mit Lobbytätigkeiten Einfluss auf verschiedene Gesetzgebungen und ist Geldgeber der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM). Wie die Bild weiter berichtete, kritisiert Gesamtmetall in einer Analyse die Forderungen der SPD und warnt vor Mehrbelastungen vor allem für Durchschnittsgehälter. „In Wahrheit würde es die hart arbeitende Mitte treffen, Angestellte und Facharbeiter in der Industrie“, zitiert die Zeitung.

Sozialverband begrüßt SPD-Vorschlag bei Krankenversicherungen

Beim Sozialverband SoVD trifft der Vorschlag der SPD dagegen auf Zustimmung. „Der SoVD fordert schon seit vielen Jahren, die Versicherungspflichtgrenzen anzuheben und die Beitragsbemessungsgrenze zumindest auf das Niveau der gesetzlichen Rentenversicherung anzupassen. Darum begrüßen wir diesen Vorstoß“, sagte SoVD-Vorstandsvorsitzende Michaela Engelmaier der Bild.

Auch aus der Opposition zeigt sich Zustimmung für die Pläne der Sozialdemokraten. Ates Günipar, stellvertretender Vorsitzender der Partei Die Linke, schrieb in einem Beitrag auf X, dass seine Partei die Erhöhung schon lange fordere. Zudem hält er die Kritik von Arbeitgeberverbänden für unhaltbar. „Sie wollen Besserverdienende weiter schonen, während Normalverdiener das marode Gesundheitssystem nahezu allein stemmen sollen. Absurd, aber gut, dass wir Staub aufwirbeln“, heißt es in einem Beitrag von Günipar.

Der frisch gewählte SPD-Generalsekretär Tim Klüssendorf will die Beitragsbemessungsgrenze bei der gesetzlichen Krankenversicherung anheben.

Auch der gesundheitspolitische Sprecher der Grünen, Janoch Dahmer, machte sich bereits für eine Erhöhung der Beitragsbemessungsgrenze bei den gesetzlichen Krankenversicherungen stark. „Neben umfassenden Strukturreformen ist es richtig, die Beitragsbemessungsgrenze zusammen mit der Versicherungspflichtgrenze stufenweise auf das Niveau der gesetzlichen Rentenversicherung anzuheben“, sagte er der Bild.

Erhöhung der Beitragsbemessungsgrenze – Union stellt sich gegen SPD-Vorschlag

Die Union unter Bundeskanzler Friedrich Merz lehnt eine Erhöhung der Bemessungsgrenze dagegen ab. Auch im schwarz-roten Koalitionsvertrag heißt es: Die Beitragssätze steigen. Ziel ist es, die Finanzsituation zu stabilisieren und eine weitere Belastung für die Beitragszahlerinnen und -zahler zu vermeiden.

Tino Sorge (CDU), parlamentarischer Staatssekretär im Bundesgesundheitsministerium, räumte Anfang Juni im Gesundheitsausschuss ein, dass allerdings zeitnah eine Lösung für die gesetzlichen Krankenversicherungen gefunden werden müsse. Laut der Webseite des Bundestags sagte Sorge, dass die Kosten der GKV und der Sozialen Pflegeversicherung zuletzt dynamisch gestiegen seien und es eine strukturelle Änderung des Systems brauche. Um eine langfristige Lösung zu finden, soll eine Expertenkommission, die von Union und SPD eingesetzt beauftragt werden soll, bis zum Frühjahr 2027 Vorschläge dafür liefern. (nhi)

Rubriklistenbild: © Jens Kalaene/Kay Nietfeld/dpa (Montage)

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