Kritik an Franziskus

Benedikt-Vertrauter Gänswein plötzlich im Kreuzfeuer – „Tut dem Volk Gottes nicht gut“

+
Georg Gänswein kniet am Sarg des verstorbenen emeritierten Papstes Benedikt XVI.
  • schließen

Nach Benedikts Tod scheint es Streit im Vatikan zu geben: Äußerungen über Franziskus bringen den Vertrauten Georg Gänswein in die Schusslinie.

Rom – Nach der Beisetzung und dem Abschied von Benedikt XVI. rückt dessen Privatsekretär Georg Gänswein in die Kritik. Anlass sind kritische Äußerungen des langjährigen Papst-Vertrauten über den amtierenden Pontifex Franziskus.

„Es wäre besser gewesen, zu schweigen“, sagte der deutsche Kardinal Walter Kasper im Interview der italienischen Zeitung La Repubblica. Nach dem Tod Benedikts am Silvestermorgen hatten katholische Medien Interviews mit seinem langjährigen Weggefährten Gänswein veröffentlicht. „Jetzt ist nicht der Moment für solche Sachen“, befand der 89 Jahre alte Kasper.

Papst-Ärger: Benedikt-Vertrauter übt Kritik an Franziskus - „War geschockt“

Gänswein (66) sagte etwa der Tagespost, Benedikt habe Franziskus‘ Entscheidung, die sogenannte alte Messe stark einzuschränken, „mit Schmerz im Herzen“ gelesen. Joseph Ratzinger - Benedikts bürgerlicher Name - hatte diesen Ritus während seines Pontifikats in den Jahren 2005 bis 2013 unter bestimmten Voraussetzungen wieder zugelassen.

Gänswein kritisiert Franziskus auch in seinem bald erscheinenden Buch „Nient‘altro che la Verità“ (Nichts als die Wahrheit). 2020 sei er „geschockt“ gewesen, als Franziskus ihn als Präfekt des Päpstlichen Hauses beurlaubte und dies auch bis heute nicht änderte.

Benedikts Privatsekretär zieht sich Kirchen-Ärger zu: „Kontroverse tut dem Volk Gottes nicht gut“

Auch andere Kirchenvertreter äußerten sich kritisch. „Ich denke, wenn man Kritik an den Heiligen Vater richten will, muss man das nicht über die Massenmedien manchen, sondern direkt an ihn persönlich“, sagte der Chef der US-amerikanischen Bischofskonferenz, Timothy Broglio, La Repubblica. Man müsse den gesamten Kontext kennen, sagte Kardinal Gerhard Ludwig Müller La Stampa. „Leider ist das eine der Kontroversen, die dem Volk Gottes nicht gut tun.“

Don Alberto Varinelli aus der Diözese Bergamo in Norditalien rief Gänswein in einem offenen Brief auf, den Buchverkauf zu stoppen, sollte es sich dabei um eine Sammlung von Angriffen handeln.

Gänswein hatte sich am Donnerstag an Benedikts Sarg von seinem Vertrauten verabschiedet. Am Sonntag öffnete der Vatikan die Ruhestätte des früheren Papstes für die Öffentlichkeit. (dpa/fn)

Kommentare