Mit Stimmen von AfD, FDP und BSW

Boris Palmer glaubt nach Migrations-Antrag der CDU, dass Bundestagswahl bereits entschieden ist

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Der umstrittene Migrations-Antrag der CDU wurde mit Stimmen der AfD durchgebracht. Laut Boris Palmer ist die Bundestagswahl damit bereits entschieden.

Tübingen - „Tun Sie es nicht, Herr Merz“, hatte der stellvertretende Bundeskanzler und Grünen-Kanzlerkandidat Robert Habeck sowohl in einem YouTube-Video als auch im Bundestag in Bezug auf die Migrations-Pläne der Union gesagt. Geholfen hat es nicht, da die Pläne zum Erschrecken der anderen Parteien und vieler Beobachter mithilfe der Stimmen von AfD, FDP und BSW im Anschluss der Bundestagsdebatte am Mittwoch, 29. Januar, durchgebracht werden konnten. Laut Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer ist die Bundestagswahl, die eigentlich erst am 23. Februar stattfindet, damit bereits jetzt entschieden.

Boris Palmer: Der polarisierende Oberbürgermeister der Stadt Tübingen

Blick auf Geradstetten, ein Ortsteil der Gemeinde Remshalden im Rems-Murr-Kreis, Baden-Württemberg.
Boris Palmer wurde 1972 in Waiblingen geboren und wuchs in Geradstetten im Remstal auf. © IMAGO/Panthermedia
Helmut Palmer demonstriert am 21.08.2000 lautstark in Asperg bei Ludwigsburg in Häftlingskleidung und mit einem Judenstern versehen gegen die gegen ihn verhängte dreimonatige Freiheitsstrafe wegen angeblicher Beamtenbeleidigung.
Der Vater von Boris Palmer, Helmut Palmer (1930-2004), war als „Remstall-Rebell“ bekannt. (Archivfoto) © Norbert Försterling/dpa
Boris Palmer im Jahr 2004 auf dem Balkon seiner Wohnung in Tübingen.
Nach dem Abitur (mit Note 1,0) studierte Boris Palmer in Tübingen Mathematik und Geschichte auf Lehramt. © IMAGO/Horst Rudel
Boris Palmer, Oberbürgermeister von Tübingen, spricht, bei der Bundesdelegiertenkonferenz von Bündnis 90/Die Grünen in der Neuen Messe Freiburg.
1996 wurde er Mitglied der Partei Bündnis 90/Die Grünen und 2001 erstmals in den Landtag gewählt. © Uli Deck/dpa
Joschka Fischer (GER Bündnis 90 Die Grünen Bundesaußenminister) und Boris Palmer (GER Bündnis 90 Die Grünen MdL Spitzenkandidat für das Amt des Oberbürgermeisters von Stuttgart) anlässlich einer Wahlkampfveranstaltung in Stuttgart.
Im Jahr 2004 trat Boris Palmer als Kandidat der Grünen bei der Oberbürgermeisterwahl in Stuttgart an. © IMAGO/Horst Rudel
Boris Palmer, Spitzenkandidat der Grünen für das Amt des Oberbürgermeisters von Stuttgart, legt den Rollrasen anlässlich einer Wahlkampfveranstaltung am Marktplatz in Stuttgart aus.
Im ersten Wahlgang landete Palmer hinter Wolfgang Schuster (CDU) und Ute Kumpf (SPD) auf dem dritten Platz.  © IMAGO/Horst Rudel
Boris Palmer telefoniert kurz vor einer Wahlkampfveranstaltung am Marktplatz in Stuttgart.
Da der Abstand zur Zweitplatzierten Ute Kempf zu groß war, zog Boris Palmer seine Kandidatur für einen zweiten Wahlgang zurück. © IMAGO/Horst Rudel
Brigitte Russ-Scherer (SPD) und Boris Palmer (Grüne) stellen sich in der Hermann-Hepper-Turnhalle Tübingen als Bewerberin und Bewerber für die Oberbürgermeisterwahl der Öffentlichkeit vor.
Im Jahr 2006 trat Boris Palmer (links) gegen Amtsinhaberin Brigitte Russ-Scherer (rechts) bei der OB-Wahl in Tübingen an.  © Norbert Försterling/dpa
Boris Palmer, der Gewinner der Wahl zum Tübinger Oberbürgermeister, gibt am Sonntag (22.10.2006) im Rathaus von Tübingen der Verliererin, der Amtsinhaberin Brigitte Russ-Scherer (SPD) die Hand.
Er konnte sich bereits im ersten Wahlgang durchsetzen und wurde zum Oberbürgermeister von Tübingen gewählt. © Bernd Weißbrod/dpa
Der Tübinger Oberbürgermeister Boris Palmer zeigt am Mittwoch (07.02.2007) auf dem Marktplatz in Tübingen auf seinen neuen Dienstwagen, einen Toyota Prius.
Für Kritik sorgte der frisch gewählte Tübinger OB, weil er sich im Heimatland von Mercedes und Porsche für einen ausländischen Hybridwagen entschied. © Marijan Murat/dpa
Der Tübinger Oberbürgermeister Boris Palmer (Bündnis 90/Die Grünen, l) steht am 24.10.2012 mit seinem Elektrorad in Tübingen (Baden-Württemberg) neben seinem Kontrahenten im Auto, Florian Nuxoll.
2012 gewann Boris Palmer mit seinem Elektrofahrrad ein Wettrennen gegen ein Auto. © Jan-Philipp Strobel/dpa
Bürger gratulieren Boris Palmer (M, Grüne) am 19.10.2014 in Tübingen (Baden-Württemberg) zum erneuten Gewinn der Oberbürgermeisterwahl.
Bei der Wahl 2014 wurde Boris Palmer mit einer deutlichen Mehrheit im ersten Wahlgang wiedergewählt. © Thomas Niedermüller/dpa
Der grüne Oberbürgermeister von Tübingen, Boris Palmer, spricht am Samstag (20.11.2010) in Freiburg bei der Bundesdelegiertenkonferenz von Bündnis90/Die Grünen.
Im Jahr 2021 beantragte der Landesvorstand der Grünen in Baden-Württemberg ein Parteiausschlussverfahren gegen Boris Palmer. © Rolf Haid/dpa
Boris Palmer, Oberbürgermeister der Stadt Tübingen, gibt in seinem Arbeitszimmer ein Interview.
Nach einem Kompromiss ließ Palmer seine Mitgliedschaft bei den Grünen bis Ende 2023 ruhen. © Sebastian Gollnow/dpa
Boris Palmer, der alte und neue Oberbürgermeister von Tübingen, kommt nach seiner Wiederwahl auf den Marktplatz und empfängt Glückwünsche.
Auch 2022 konnte sich Boris Palmer bei der OB-Wahl erneut durchsetzen, allerdings als parteiloser Kandidat. © Bernd Weißbrod/dpa
Boris Palmer bei einer Sportlerehrung in Tübingen.
Im Jahr 2023 trat Boris Palmer nach einem Eklat bei einer Konferenz aus der Partei Bündnis 90/Die Grünen aus. © IMAGO/ULMER
Boris Palmer, Oberbürgermeister von Tübingen, sitzt am 04.08.2016 auf einem Sofa im Rathaus von Tübingen
Die deutlichen Wahlgewinne zeigen, dass Boris Palmer in Tübingen durchaus beliebt und für seine Stadt sehr erfolgreich ist. © Christoph Schmidt/dpa
Boris Palmer, Oberbürgermeister von Tübingen, trägt eine FFP2-Maske bei einem Pressetermin der Stadt Tübingen zur Übergabe von Corona-Schnelltests.
Bundesweite Aufmerksamkeit erlangte das „Tübinger Modell“ während der Corona-Pandemie. © Marijan Murat/dpa
Lisa Federle, Notärztin, und Boris Palmer, Oberbürgermeister von Tübingen, nehmen an einem Pressetermin der Stadt Tübingen zur Übergabe von Corona-Schnelltests teil.
Dieses Modell hatte Boris Palmer zusammen mit der Tübinger Notärztin Lisa Federle (links) entwickelt. © Marijan Murat/dpa
Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer nimmt an der Gemeinderatssitzung im Rathaus teil.
Allerdings steht Palmer immer wieder in der Kritik und gilt deshalb als polarisierender Politiker. © Tom Weller/dpa
Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer nimmt an der Gemeinderatssitzung im Rathaus teil.
Unter anderem wurden ihm mehrfach rassistische Äußerungen vorgeworfen, auch von seiner früheren Partei.  © Tom Weller/dpa
Boris Palmer, Oberbürgermeister von Tübingen, spricht im Landratsamt bei einer Pressekonerenz.
Durch seine konfrontative Art gilt Boris Palmer als einer der streitbarsten Bürgermeister Deutschlands.  © Bernd Weißbrod/dpa
Boris Palmer im Oktober 2024 bei der Eröffnung der bundesweit ersten beheizbaren Fahrradbrücke in Tübingen.
Die Kontroversen um ihn, aber auch seine politischen Leistungen machen Palmer zu einem der bekanntesten Oberbürgermeister Deutschlands. © IMAGO/Markus Ulmer
Talkrunde Markus Lanz im ZDF mit Boris Palmer (Bildmitte).
Er ist regelmäßig Gast in großen Talkformaten, wie hier bei Markus Lanz. © IMAGO/teutopress GmbH
Boris Palmer im Oktober 2024 bei Markus Lanz im ZDF.
Dort äußert sich Boris Palmer auch regelmäßig zur Politik auf Bundesebene. © IMAGO/teutopress GmbH

In einem Beitrag auf seiner Facebook-Seite zieht Boris Palmer einen Vergleich aus der jüngeren Vergangenheit heran, um zu verdeutlichen, dass einzelne Ereignisse Wahlen entscheiden können. „Als Donald Trump den Anschlag in Pennsylvania knapp überlebte, sagte ein Tübinger Professor, dass er mit der ikonischen Faust und seinen „Fight“-Rufen die Wahl schon gewonnen hatte“, schreibt er. „Er sollte Recht behalten.“ Ein solches Ereignis war laut dem ehemaligen Grünen-Politiker eben auch die Entscheidung am Mittwoch.

Boris Palmer glaubt nicht, dass Migrations-Entscheidung Merz schaden wird – im Gegenteil

Nach dem Messerangriff von Aschaffenburg, bei dem ein kleiner Junge sowie ein Mann ums Leben kamen, hat sich die Union für eine strengere Asyl-Politik und für mehr Zurückweisungen von Asylsuchenden an den deutschen Grenzen ausgesprochen. Dieser Vorstoß wurde von vielen Seiten vor allem deshalb kritisiert, weil Friedrich Merz die Stimmen der AfD-Vertreter im Bundestag in Kauf nahm und damit die sogenannte „Brandmauer“ aufweichte. Genau mit diesen Stimmen und denen der FDP konnte der Migrations-Antrag am Mittwoch aber mit einer Mehrheit durchgebracht werden, woraufhin es heftige Kritik an Merz und der „desolaten FDP“ gab.

Der Migrationsantrag von CDU/CSU, der am 29. Januar vom Bundestag beschlossen wurde

Die Union plant, die Migration in Deutschland mit einem Fünf-Punkte-Plan erheblich zu reduzieren. Diese sind:

- Kontrollen an allen deutschen Außengrenzen

- „faktisches Einreiseverbot“ für Personen ohne Einreisedokumente

- Abschiebehaft und tägliche Abschiebungen

- Unterstützung bei Abschiebungen durch die Bundespolizei

- Schaffung eines zeitlich unbefristetes Ausreisearrests für Straftäter und Gefährder

Boris Palmer, der sich bereits zuvor für einen Kanzler Merz ausgesprochen hatte, glaubt dennoch nicht, dass die Entscheidung dem Unions-Kandidaten schaden wird, ganz im Gegenteil. „Ich glaube, dass der heutige Tag die Bundestagswahl entschieden hat“, erklärte er auf Facebook. „Und zwar für Friedrich Merz.“ Für diese Annahme nennt der Rathauschef der baden-württembergischen Universitätsstadt den Punkt, dass die Migrations-Entscheidung der Union nicht nur eine, sondern zwei Lesarten hat. Laut einer aktuellen Umfrage zeigt der Merz-Plan in Bezug auf die Wahl bereits einen Effekt.

Ist die „Brandmauer“ zur AfD endgültig gefallen? Boris Palmer verweist auf eine Gegenthese

Die These, dass durch die Abstimmung die Brandmauer endgültig gefallen sei und Merz mit „Nazis und Rassisten“ gemeinsame Sache machen würde, sei natürlich die lauteste, so Palmer. Er verweist aber auch auf eine Gegenthese, wie sie die Frankfurter Allgemeine Zeitung (faz) aktuell in einem Kommentar formuliert. Demnach habe Merz lediglich einen „demokratietheoretisch höchst problematischen Lockdown“ des Parlaments beendet, mit dem einer Mehrheit untersagt werden sollte, eben diese in einer demokratischen Abstimmung auch zu nutzen. Die große Frage sei nun aber, wie die Wählerschaft reagiert.

Boris Palmer glaubt, dass die Bundestagswahl mit der Migrations-Entscheidung im Bundestag bereits entschieden ist.

Dabei vertritt Palmer die Meinung, dass solche taktischen Fragen für den Großteil der Wähler von SPD, Grüne und Linke bei der Wahl keine Rolle spielen werden. Merz habe auf der anderen Seite bewiesen, „dass er fest entschlossen ist, aus den ritualisierten Verfahren auszubrechen und das, was er will, auch umzusetzen.“ Zudem schreibt Palmer, dass eine Abstimmung mithilfe der Stimmen der AfD nicht gleich bedeutet, dass die Union im Bundestag mit der Partei koalieren wird. Boris Palmer hatte sich bereits für eine schwarz-grüne Koalition ausgesprochen, mit Merz als Kanzler und Habeck erneut als Wirtschaftsminister.

Rubriklistenbild: © IMAGO/Markus Ulmer

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