Bevölkerungsstatistik

Deutschland wird ein bisschen jünger

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Einkaufende Menschenmasse in Berlin.
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Ohne Zuwanderung würde die Bevölkerung Deutschlands schrumpfen. Infolge der höheren Migration ist die Bevölkerung auf 84,4 Millionen gestiegen – und jünger geworden.

Die große Zahl zufluchtsuchender Ukrainer:innen hat die Bevölkerungsstruktur in Deutschland spürbar verändert. So wuchs die Bevölkerung 2022 um 1,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr: Zum Jahresende 2022 lebten 84,4 Millionen Personen in Deutschland, wie das Statistische Bundesamt am Dienstag mitteilte. Das Amt führt den Anstieg in erster Linie auf die hohe ukrainische Nettozuwanderung zurück. Im Vorjahr hatte der Bevölkerungsanstieg nur 0,1 Prozent betragen.

Hinzu kommt, dass unter Einwohner:innen mit ausländischem Pass der Anteil der Menschen im erwerbsfähigen Alter deutlich höher ist als bei denen mit deutscher Staatsangehörigkeit. Die Daten unterstreichen, welche Bedeutung Zuwanderung hat als Instrument gegen den Arbeitskräftemangel und die Überalterung der Gesellschaft.

Laut den Statistiker:innen des Bundesamts zogen 2022 – nach Abzug derer, die Deutschland verlassen haben – netto insgesamt 1 455 000 Menschen in Deutschland zu, darunter allein 962 000 aus der Ukraine. Damit war deren Nettozuwanderung 2022 höher als die der Geflüchteten aus Afghanistan, Syrien und Irak in den Jahren 2014 bis 2016 zusammen (834 000). Das Durchschnittsalter aller sank im vergangenen Jahr leicht um 0,1 Jahre auf 44,6 Jahre.

Ende 2022 lebten 72 Millionen Deutsche und 12,3 Millionen Menschen mit ausländischem Pass in Deutschland. Der Ausländeranteil stieg damit gegenüber dem Vorjahr von 13,1 Prozent auf 14,6 Prozent. Unter den Nichtdeutschen hatten die meisten die türkische (1,34 Millionen), ukrainische (1,05 Millionen) oder syrische (883 000) Staatsbürgerschaft. Während die Zahl der Nichtdeutschen um 1,4 Millionen stieg, sank die Zahl der Deutschen leicht um gut 300 000 Menschen.

Die Altersstruktur der Menschen mit ausländischem Pass weicht deutlich von der deutschen Bevölkerung ab (s. Grafik). So sind mehr als zwei Drittel der Nichtdeutschen im erwerbsfähigen Alter. Darin liegt ein großes Arbeitskräftepotenzial, das aber nur teilweise genutzt wird. Das ist zum Teil auf die mitgebrachten Bildungsabschlüssen zurückzuführen, aber auch auf die teilweise strengen aufenthalts- und arbeitsrechtlichen Regeln. Hier waren Kriegsgeflüchtete aus der Ukraine von Anfang an bessergestellt.

Laut dem Mikrozensus für das Jahr 2021 lag die Erwerbstätigenquote für Syrer:innen in dem Jahr bei 35 Prozent, bei Afghan:innen immerhin bei 45 Prozent. Zum Vergleich: Fast 80 Prozent der Pol:innen und drei Viertel der Rumän:innen hatten eine bezahlte Beschäftigung. (mit epd)

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