Merkur-Kommentar

Söders Bezahlkarte ist richtig – aber nur ein Mini-Baustein

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Bei der Bezahlkarte für Flüchtlinge ist Realismus gefragt, schreibt Merkur-Redakteur Mike Schier.
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Die Grünen sind unzufrieden – doch ehrlicherweise müsste man beim Thema Bezahlkarte für Flüchtlinge noch über Anderes sprechen, kommentiert Mike Schier.

München – Es war wohl sehr vorausschauend, dass Bayern nicht auf den Bund mit der Einführung der Bezahlkarte für Flüchtlinge gewartet hat. Während im Freistaat gestern das Projekt konkret vorgestellt wurde, zieht sich die Abstimmung im Bundestag weiter hin – die Grünen monieren zu viele offene Fragen bei der technischen Umsetzung.

Das ist zwar, wie die Testläufe zeigen, nicht falsch. Aber man kann immer auf Bedenkenträger verweisen, wenn man eine Reform verhindern will. Stattdessen schaffen oft erst Gesetze die Fakten: Auch ein kleines Lebensmittelgeschäft am Ortsrand wird sich ein Kartenlesegerät anschaffen, wenn man so Geld verdienen kann.

Bayerns Ministerpräsidenten seit 1945

Bundeskanzler Konrad Adenauer (mit Zylinder, CDU), Bundesratspräsident Karl Arnold (l, CDU) und Fritz Schäffer (r, CSU) bei der feierlichen Eröffnungssitzung des Deutschen Bundestages am 07.09.1949 in Bonn.
28. Mai 1945 – 28. September 1945: Fritz Schäffer (r, CSU) mit Konrad Adenauer (mit Zylinder, CDU), Bundesratspräsident Karl Arnold (l, CDU) bei der feierlichen Eröffnungssitzung des Deutschen Bundestages am 07.09.1949 in Bonn. © dpa
28. September 1945 – 21. Dezember 1946: Wilhelm Hoegner (SPD), ernannt durch die USA.
28. September 1945 – 21. Dezember 1946 (erste Amtszeit): Wilhelm Hoegner (SPD), ernannt durch die USA. © IMAGO/Rolf Poss
21. Dezember 1946 –
 14. Dezember 1954: Hans Ehard (CSU) mit Ehefrau Sieglinde.
21. Dezember 1946 – 14. Dezember 1954: Hans Ehard (CSU) mit Ehefrau Sieglinde. © IMAGO
14. Dezember 1954 – 16. Oktober 1957 (zweite Amtszeit): Wilhelm Hoenger (SPD) trat nach Verlust der Mehrheit im Landtag zurück.
14. Dezember 1954 – 16. Oktober 1957 (zweite Amtszeit): Wilhelm Hoenger (SPD) trat nach Verlust der Mehrheit im Landtag zurück. © IMAGO
16. Oktober 1957 – 26. Januar 1960: Hanns Seidel (CSU) überreicht General Lauris Norstad den Bayerischen Lowen.
16. Oktober 1957 – 26. Januar 1960: Hanns Seidel (CSU) überreicht General Lauris Norstad den Bayerischen Lowen. © IMAGO
26. Januar 1960 – 11. Dezember 1962 (zweite Amtszeit): Hans Erhard (CSU).
26. Januar 1960 – 11. Dezember 1962 (zweite Amtszeit): Hans Erhard (CSU). © IMAGO
11. Dezember 1962 – 7. November 1978: Ministerpräsident Alfons Goppel und Parteivorsitzender Franz Josef Strauß (beide CSU).
11. Dezember 1962 – 7. November 1978: Ministerpräsident Alfons Goppel, der aus Altersgründen zurücktrat, und Parteivorsitzender Franz Josef Strauß (beide CSU). © IMAGO
7. November 1978 – 3. Oktober 1988: Franz Josef Strauß (CSU) mit Münchens ehemaligem Oberbürgermeister Erich Kiesl.
7. November 1978 – 3. Oktober 1988: Franz Josef Strauß (CSU) mit Münchens ehemaligem Oberbürgermeister Erich Kiesl. © Heinz Gebhardt/IMAGO
3. Oktober 1988 – 19. Oktober 1988: Max Streibl (CSU) führte das Amt erst kommissarisch und trat dann in seiner offiziellen Amtszeit (19. Oktober 1988 – 28. Mai 1993) wegen der „Amigo-Affäre“ zurück.
3. Oktober 1988 – 19. Oktober 1988: Max Streibl (CSU) führte das Amt erst kommissarisch und trat dann in seiner offiziellen Amtszeit (19. Oktober 1988 – 28. Mai 1993) wegen der „Amigo-Affäre“ zurück. © IMAGO
28. Mai 1993 – 9. Oktober 2007: Edmund Stoiber (CSU) trat nach einem innerparteilichen Machtkampf zurück.
28. Mai 1993 – 9. Oktober 2007: Edmund Stoiber (CSU) trat nach einem innerparteilichen Machtkampf zurück. © IMAGO/Astrid Schmidhuber
9. Oktober 2007 – 27. Oktober 2008: Günther Beckstein (CSU) schied aus dem Amt, als die CSU bei der Landtagswahl 2008 einen deutlichen Stimmenverlust hinnehmen musste.
9. Oktober 2007 – 27. Oktober 2008: Günther Beckstein (CSU) schied aus dem Amt, als die CSU bei der Landtagswahl 2008 einen deutlichen Stimmenverlust hinnehmen musste. © IMAGO
27. Oktober 2008 – 13. März 2018: Horst Seehofer (CSU) gab das Amt ab, als die Ernennung zum Bundesminister des Innern, für Bau und Heimat anstand.
27. Oktober 2008 – 13. März 2018: Horst Seehofer (CSU) gab das Amt ab, als die Ernennung zum Bundesminister des Innern, für Bau und Heimat anstand. © Sammy Minkoff/IMAGO
13. März 2018 – 16. März 2018: Ilse Aigner (CSU) übernahm das Amt der Ministerpräsidentin kommissarisch.
13. März 2018 – 16. März 2018: Ilse Aigner (CSU) übernahm das Amt der Ministerpräsidentin kommissarisch. © Charles Yunck/IMAGO
Seit 16. März 2018: Markus Söder (CSU) ist Ministerpräsident von Bayern und CSU Vorsitzender.
Seit 16. März 2018: Markus Söder (CSU) ist Ministerpräsident von Bayern und CSU Vorsitzender. © IMAGO

Bayern startet Bezahlkarten-Test – doch Realismus ist gefragt

Die Umstellung selbst ist jedenfalls richtig. Denn natürlich liegt es auch an den großzügigen Leistungen, dass so viele Migranten Deutschland als Ziel wählen. Niemand, der wirklich vor Krieg oder Verfolgung flieht, wird sich um die Bezahlkarte scheren. Wohl aber solche Migranten, denen es vor allem um wirtschaftliche Fragen geht und die viel Geld in die Heimat überweisen.

Doch man muss realistisch bleiben: Nur ein breites Bündel von europaweiten Maßnahmen kann die Zahlen drosseln – die Bezahlkarte ist nur ein Mini-Baustein. Ehrlicherweise müsste man auch über die Leistungshöhe sprechen.

Streit um Bezahlkarte: Grüne sollten neue DIW-Studie lesen

Wenn sich die Grünen wirklich um Zugewanderte verdient machen wollen, sollten sie sich die neue DIW-Studie anschauen. Dass sich 91 Prozent der Migranten mehr Hilfe beim Deutschlernen wünschen, ist alarmierend. Spracherwerb ist der erste und wichtigste Punkt der Integration. Denn Sprache schafft Chancen.

Stichwort Fachkräftemangel: In Bayern fehlen bis 2030 allein 80.000 Busfahrer. Erst wenn wir es schaffen, die vielen Migranten und die offenen Stellen zusammenzubringen, profitieren alle.

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