- VonPatrick Peltzschließen
Nach jahrelangen Experimenten mit unbemannten Fahrzeugen will die US-Armee nun endlich zeitnah Aufträge für Roboter-Panzer vergeben.
Washington – Nach jahrelangen Experimenten plant die US-Armee die Einführung einer ganzen Familie unbemannter Kampffahrzeuge, um die Feuerkraft von Infanterie- und Panzerbrigadekampftruppen zu erhöhen. Nun steht die amerikanische Armee kurz davor, Aufträge an Lieferanten für die Phase I des Robotic Combat Vehicle (RCV) Programms zu vergeben, wie ein Beamter des Army Contracting Command laut dem Magazin Breaking Defense mitteilte.
Vier Anbieter sollen für die Entwicklung und den Bau eines Prototyps und einer leicht transportierbaren Roboterplattform ausgewählt werden. Die Gewinner werden in einer ersten Phase nach Leistung und Designreife bewertet und ein einziger Anbieter wird im ersten Quartal 2025 ausgewählt.
USA wollen künftig mehr Roboter-Panzer einsetzen
Hinter dem RCV-Projekt steht die Idee, den US-Streitkräften eine Familie unbemannter und konfigurierbarer Roboterplattformen zur Verfügung zu stellen. Aus der Sicht der Kriegsführung würden die RCVs den Kommandeuren mehrere Einsatzoptionen bieten, um feindliche Manövrierkräfte zu bekämpfen und gleichzeitige Angriffe in mehreren Bereichen zu ermöglichen, ohne die Soldaten zu gefährden. Das Programm umfasst die Beschaffung von leichten (RCV-L), mittleren (RCV-M) und schweren (RCV-H) unbemannten Bodenfahrzeugen. Das RCV-L soll ein entbehrliches Waffensystem sein, was bedeutet, dass seine Zerstörung im Gefecht zu erwarten und akzeptabel ist.
Ein einzelnes leichtes unbemanntes Bodenfahrzeug sollte in der Lage sein, leichte bis mittelschwere gepanzerte Bedrohungen zu bekämpfen und tödliche Fähigkeiten wie Selbstverteidigungssysteme, Panzerabwehrlenkraketen oder rückstoßfreie Waffen an Bord haben. Darüber hinaus sollte es von Hubschraubern transportiert werden können. Ein mittelschweres RCV sollte von einer C-17 transportiert werden können und mit Bordwaffensystemen ausgestattet sein, die in der Lage sind, alle bekannten gepanzerten Fahrzeuge des Gegners zu bekämpfen. Das schwere RCV sollte ebenso überlebensfähig sein wie ein bemanntes System.
Ein erster Prototyp ist bereits fertiggestellt
In Zusammenarbeit mit der Clemson University hat die US-Armee bereits ein geländegängiges, unbemanntes Hochgeschwindigkeits-Landfahrzeug namens Deep Orange 14 entwickelt. Der Prototyp soll zur Aufklärung in Städten und bei Naturkatastrophen eingesetzt werden. Er ist in der Lage, unbekanntes und schwieriges Gelände zu erfassen und zu navigieren, und seine kritischen Funktionen und autonomen Algorithmen können laut Clemson Missionen planen, Informationen sammeln und Karten aktualisieren.
Das entwickelte Fahrzeug werde nun von Forschern genutzt, um Daten zu sammeln und die Fähigkeiten der Algorithmen zu demonstrieren. Es sei ein Forschungsprototyp und werde nicht direkt von Soldaten eingesetzt. Es ermögliche aber, verschiedene Aspekte künftiger Militärfahrzeuge zu erforschen, erklärte Chris Paredis, Inhaber des Clemson-Lehrstuhls für Systemintegration, dem Magazin Breaking Defense.
Automatische und unbemannte Waffensysteme sind bereits in großem Umfang im Einsatz
Bestehende mobile Robotersysteme am Boden werden hauptsächlich für militärische Spezialaufgaben eingesetzt. So werden kleine ferngesteuerte Fahrzeuge zur Beseitigung von improvisierten Sprengsätzen und für bestimmte Überwachungsaufgaben eingesetzt. Im Irak wurden ca. 8.000 ferngesteuerte Roboter in ca. 125.000 Einsätzen eingesetzt. Im Jahr 2012 wurde das erste vollständig autonome Bodenversorgungsfahrzeug von Lockheed eingesetzt, um Nachschub von Stützpunkten zu verschiedenen Außenposten in Afghanistan zu transportieren. Auch unbemannte Drohnen werden für Angriffe eingesetzt.
Dabei kommt es immer wieder zu Fehlern. Für Aufsehen sorgte beispielsweise ein Drohnenangriff in Kabul vor zwei Jahren. Zehn Zivilisten wurden dabei getötet. Nachdem zunächst behauptet wurde, der Angriff sei notwendig gewesen, um einen Anschlag der IS-Terrormiliz auf die Truppen zu verhindern, räumte das Pentagon wenig später ein, dass der US-Drohnenangriff vor dem Abzug der US-Truppen aus Afghanistan ein tragischer Fehler gewesen sei. (PaPel)
Rubriklistenbild: © Tsgt. David W. Carbajal/Planetpi via www.imago-images.de
