Nach dem Scheitern der Ampel steht Deutschland vor Neuwahlen. Der geplante Termin ist im Februar. Habeck spottet indes über die FDP
Berlin – Die Ampel-Koalition ist Geschichte, im politischen Berlin werden jetzt die Wunden geleckt und um den Termin der Neuwahlen gestritten. Aus Unionskreisen hieß es am Dienstag, dass der Bundestagswahl am 23. Februar 2025 stattfinden soll. Der potenzielle Zeitraum hatte sich zuletzt auf Februar oder März eingeengt. Eine schnellstmögliche Neuwahl bereits im Januar war bereits vom Tisch. Das lag daran, dass Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) hierfür im Bundestag die Vertrauensfrage bereits an diesem Mittwoch hätte stellen müssen. Der Politiker hat allerdings eine Frist für die Beantragung verstreichen lassen.
Inmitten des innenpolitischen Chaos, das am Tag der US-Wahl in der vergangenen Woche seinen Höhepunkt gefunden hat, versuchen die Parteien, sich aktuell für die kommende Bundestagswahl zu positionieren. Noch immer ringen SPD, FDP und Grüne um die Deutungshoheit vom Ampel-Aus. Die Liberalen teilten zuletzt massiv gegen die ehemaligen Regierungspartner aus. Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) reagierte mit deutlichen Worten und wies Warnungen der FDP vor einer „Hängepartie“ für die deutsche Wirtschaft zurück. „Da ist die FDP wirklich eine Blitzmerkerpartei“, spottete er in Berlin.
Deutschland vor Neuwahlen: Habeck ledert nach Ampel-Aus gegen FDP
„Natürlich gibt es eine Hängepartie“, sagte Habeck am Montag kurz vor einer Reise nach Portugal. Die FDP habe aber eine Hängepartie am vergangenen Mittwoch vermeiden können, so der Vizekanzler, der bei der Bundestagswahl als Kanzlerkandidat seiner Partei antreten will. FDP-Generalsekretär Bijan Djir-Sarai sagte am Montagmittag nach der Präsidiumssitzung seiner Partei, Deutschland brauche eine handlungsfähige Bundesregierung. Eine Hängepartie könne sich in der jetzigen Situation niemand leisten. „Deswegen muss die Vertrauensfrage und damit verbunden die Neuwahl rasch erfolgen.“
Die Union hält indes eine Vertrauensfrage Ende November für denkbar. Er rechne damit, dass Scholz bald ein Schreiben an Bundestagspräsidentin Bärbel Bas (SPD) mit der Ankündigung einer Vertrauensfrage richten werde, sagte der Parlamentarische Geschäftsführer der CDU/CSU-Bundestagsabgeordneten, Thorsten Frei (CDU), in Berlin.
Neuwahlen wohl im Februar: Nach Ampel-Aus gibt es heftige Debatten in Berlin
Das Gezerre um einen Termin für die Neuwahlen nach dem Ampel-Aus dominierte zuletzt die Debatten der deutschen Politik. Bundeswahlleiterin Ruth Brand untermauerte nach einer Beratung mit den Landeswahlleitungen zuletzt ihre Empfehlung, einen Neuwahltermin nicht zu früh anzusetzen. „Um Herausforderungen bei der Wahlorganisation, die sich aus den Fristen bei einer Neuwahl ergeben, bestmöglich zu begegnen, sollte dabei der (im Grundgesetz festgelegte) Zeitraum von 60 Tagen zwischen der Auflösung des Bundestages bis zur Neuwahl ausgeschöpft werden“, riet sie in einer Mitteilung. Brand war bei der Union in die Kritik geraten, nachdem sie in einem Brief an den Kanzler vor „unabwägbaren Risiken“ durch eine allzu frühe Wahl gewarnt hatte.
Wie tief aktuell die Gräben im Deutschen Bundestag sind, zeigte sich indes auch am Montagabend. In der Sendung Hart aber fair von Louis Klamroth debattierten Politiker verschiedener Parteien das aktuelle Ampel-Beben und eine mögliche Neuwahl in Deutschland.
Lindner als „Schuldenbremsen-Fetischist“ bezeichnet: CSU-Politikern wettert nach Ampel-Aus
CSU-Politikerin Dorothee Bär lässt dabei kein gutes Haar an den, teilweise ehemaligen, Vertretern der aktuellen Regierung. „Jetzt hat der Schuldenbremsen-Fetischist die Runde verlassen“, sagte die Oppositionspolitikerin über den verstoßenden Finanzminister Christian Lindner (FDP). Für die Debatte um Neuwahlen in Deutschland fällt ihr hingegen eine eindeutige Umschreibung ein: „Das ist peinlich.“ FDP-Politiker Wolfgang Kubicki sprach bei Klamroth im Zusammenhang mit dem Ampel-Aus und der Frage nach einem Termin für Neuwahlen von „Sandkastenspielen“. Für ihn bekommt „die Ampel gar nichts mehr durch“.
Kabinett Scholz: Nach dem Ampel-Aus kommt Rot-Grün ohne Mehrheit
FDP-Chef Lindner wirft Scholz seit vergangener Woche vor, dass der Kanzler ihn zum Bruch des Amtseids drängen wollte. Rechtsexperte Joachim Wieland stellte in diesem Zusammenhang gegenüber Spiegel klar: „Mit dem Verweis auf seinen Amtseid könnte Lindner natürlich auch lediglich sein Gewissen und seine politische Überzeugung gemeint haben.“ Er würde nicht sehen, dass der Kanzler etwas Verfassungswidriges vom Finanzminister Lindner verlangt hätte. Der Experte ging in dem Interview sogar weiter: „Das, was Olaf Scholz wollte, scheint mir relativ eindeutig verfassungsrechtlich zulässig gewesen zu sein.“
Vor Neuwahlen: Parteien verzeichnen nach Ampel-Aus Mitgliederzuwachs
Vor dem Hintergrund des Bruchs der Ampel-Koalition und der Debatte um Neuwahlen in Deutschland verzeichnen mehrere Parteien indes Mitgliederzuläufe. FDP-Generalsekretär Djir-Sarai berichtete von eher 1300 Neueintritten, die SPD registrierte nach Angaben von Generalsekretär Matthias Miersch seit dem Ampel-Crash am vergangenen Mittwoch online mehr als 1000 Parteieintritte. (fbu/dpa)