„Blaue Welle“ bei der NRW-Wahl 2025? Was der AfD-Zuwachs politisch bedeutet
VonNail Akkoyun
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Die AfD konnte bei der NRW-Wahl 2025 stark zulegen, ohne aber stärkste Kraft zu werden. In drei Städten stehen nun brisante Stichwahlen an.
Düsseldorf – Bei der NRW-Wahl 2025 hat die AfD deutlich zugelegt, ohne jedoch zur stärksten Kraft zu werden. Landesweit kam sie laut vorläufigem Endergebnis auf etwa 14,5 Prozent und verdreifachte damit ihr Ergebnis von 2020 nahezu. Die CDU blieb klar vorn (rund 33,3 Prozent), die SPD landete auf Platz zwei (gut 22 Prozent), während die Grünen stark verloren und bei rund 13,5 Prozent lagen.
Reaktionen auf Kommunalwahl in NRW – Wüst: „Dieses Ergebnis muss uns zu denken geben“
Schon im Februar hatte die Bundestagswahl in NRW eine starke AfD mit 16,8 Prozent Zweitstimmen signalisiert – ein Vorbote für den kommunalen Zuwachs, wie auch die letzten Umfragen zur Kommunalwahl in NRW zeigten.
Gelsenkirchen vor NRW-Wahl 2025 im Fokus – der AfD fehlten wenige Stimmen zum großen Wurf
In der Fläche zeigt sich aber ein differenziertes Bild: Die AfD gewann überall deutlich dazu, wurde jedoch in keinem Kreis oder keiner kreisfreien Stadt stärkste Kraft. Politisch bedeutsam ist dennoch ihr Einzug in mehrere Stichwahlen um Oberbürgermeisterämter – etwa in Gelsenkirchen, Duisburg und Hagen.
In Gelsenkirchen fehlten der AfD nach Auszählung nur wenige hundert Stimmen zu Platz eins – ein symbolträchtiger Befund in einer ehemaligen SPD‑Hochburg, die bereits bei der Bundestagswahl als Schlüsselfall galt. Wahlforscher und Politiker verorten den AfD‑Aufschwung im Westen insbesondere dort, wo die SPD traditionell stark war. Armin Laschet sprach von einem „interessanten Phänomen“, dass SPD‑Wähler „nahtlos zur AfD“ wechselten – ein Warnsignal für die Sozialdemokraten im industriell geprägten Ruhrgebiet.
Trotz AfD-Erfolgen bei NRW-Wahl 2025: Ein Durchmarsch blieb aus
Ist das nun eine „blaue Welle“? Der Begriff suggeriert einen Durchmarsch – davon kann keine Rede sein. Die AfD legte stark zu und stabilisierte sich in NRW auf einem Niveau, das im Westen früher undenkbar schien. Aber sie dominiert das Land nicht, blieb drittstärkste Kraft und erzielte keine landesweiten Spitzenpositionen. Die CDU hält ihre kommunale Vormachtstellung, die SPD behauptet Platz zwei – wenn auch schwach.
Doch was geht noch für die AfD in NRW? Mehrere Stichwahlen um Oberbürgermeisterposten stehen noch aus. In drei Städten – Gelsenkirchen, Duisburg und Hagen – schafften es AfD-Kandidaten in die Stichwahl. Als Reaktion auf die Wahlergebnisse haben CDU und SPD angekündigt, sich bei den Stichwahlen am 28. September gegenseitig gegen AfD-Kandidaten zu unterstützen.
NRW-Wahl 2025 verschiebt kommunale Debatte nach rechts
Politisch hat das Ergebnis drei unmittelbare Folgen. Erstens verschiebt sich die kommunale Debatte nach rechts – nicht weil die AfD regiert, sondern weil etablierte Parteien in Themen wie Sicherheit, Migration, soziale Infrastruktur und kommunale Haushalte stärker um Deutungshoheit ringen werden. Die in Teilen rechtsextreme Partei habe zur NRW-Wahl 2025 aber „große Lücken in ihrem Personalaufgebot“ gehabt, sagte der Bochumer Politologe Oliver Lembcke der dpa.
Zweitens geraten SPD‑Hochburgen unter Druck: Wo Milieubindungen bröckeln, konkurriert die AfD um enttäuschte Stammwähler – die Stichwahlen in Ruhrgebietsstädten sind dafür Prüfsteine. Drittens ist die Wahl ein Stimmungstest für kommende Landtagsrennen: Sie belegt Mobilisierungsfähigkeit der AfD, aber auch die Robustheit der CDU‑Kommunalbasis. Wie nachhaltig das ist, entscheidet sich an kommunaler Leistungsfähigkeit – bei Kitas, Wohnungsbau, Energiewende vor Ort.
Kurz: Nordrhein-Westfalen hat eine Warnlampe aufleuchten lassen, aber keinen Systemwechsel vollzogen. Für die anstehenden fünf Landtagswahlen im kommenden Jahr dient die NRW-Wahl 2025 dennoch als deutliches Warnzeichen. (Quellen: Tagesschau, dpa, WDR, wahlrecht.de, eigene Recherche) (nak)