Starkes Ergebnis bei Kommunalwahl

„Blaue Welle“ bei der NRW-Wahl 2025? Was der AfD-Zuwachs politisch bedeutet

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Die AfD konnte bei der NRW-Wahl 2025 stark zulegen, ohne aber stärkste Kraft zu werden. In drei Städten stehen nun brisante Stichwahlen an.

Düsseldorf – Bei der NRW-Wahl 2025 hat die AfD deutlich zugelegt, ohne jedoch zur stärksten Kraft zu werden. Landesweit kam sie laut vorläufigem Endergebnis auf etwa 14,5 Prozent und verdreifachte damit ihr Ergebnis von 2020 nahezu. Die CDU blieb klar vorn (rund 33,3 Prozent), die SPD landete auf Platz zwei (gut 22 Prozent), während die Grünen stark verloren und bei rund 13,5 Prozent lagen.

Reaktionen auf Kommunalwahl in NRW – Wüst: „Dieses Ergebnis muss uns zu denken geben“

NRW-Kommunalwahlen
Die CDU gewinnt die Kommunalwahlen in NRW. Die AfD legt deutlich zu, während SPD und vor allem die Grünen Einbußen hinnehmen müssen. Entsprechend gemischt fallen die Reaktionen aus. © Federico Gambarini/dpa
Hendrik Wüst (CDU, M), Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen, gibt auf der Wahlparty der Düsseldorfer CDU ein Statement zur Kommunalwahl ab.
Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) spricht von einem „tollen Ergebnis“ für seine Partei. „Wir sind und wir bleiben Kommunalpartei Nummer 1 in Nordrhein-Westfalen“, sagte Wüst am Abend bei einer CDU-Veranstaltung in Düsseldorf. Das Wahlergebnis sei großartig und ein „klares Votum für eine pragmatische, eine lösungsorientierte Politik der Mitte“. © Christoph Reichwein/dpa
Hendrik Wüst (CDU, M), Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen, gibt auf der Wahlparty der Düsseldorfer CDU ein Statement zur Kommunalwahl ab.
Auf die deutlichen Zugewinne der AfD hat der Ministerpräsident aber besorgt reagiert. „Dieses Ergebnis muss uns zu denken geben, kann uns auch nicht ruhig schlafen lassen. Selbst meine Partei nicht, die diese Wahl so klar gewonnen hat“, sagte Wüst im ARD-„Bericht aus Berlin“. © Christoph Reichwein/dpa
Söder macht Wahlkampf mit Wüst
Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) spricht von einem „tollen Ergebnis“ für seine Partei. „Wir sind und wir bleiben Kommunalpartei Nummer 1 in Nordrhein-Westfalen“, sagte Wüst am Abend bei einer CDU-Veranstaltung in Düsseldorf. Das Wahlergebnis sei großartig und ein „klares Votum für eine pragmatische, eine lösungsorientierte Politik der Mitte“. © Fabian Strauch/dpa
Linken-Parteichef Jan van Aken
Der Linken-Vorsitzende Jan van Aken hat das Abschneiden seiner Partei bei der Kommunalwahl in Nordrhein-Westfalen als grandios betitelt. © Fabian Sommer/dpa
Plenarsitzung Landtag NRW
Die AfD-Landtagsabgeordnete Enxhi Seli-Zacharias hat das Abschneiden ihrer Partei nach der ersten Prognose für die Kommunalwahlen als großartig bezeichnet. „Ich freue mich riesig“, sagte sie im WDR-Fernsehen. © Rolf Vennenbernd/dpa
Martin Vincentz, Landesvorsitzender der Alternative für Deutschland in Nordrhein-Westfalen, ist auf dem Parteitag für eine weitere Amtszeit gewählt worden.
Der nordrhein-westfälische AfD-Landeschef Martin Vincentz hat sich „sehr zufrieden“ mit dem Abschneiden seiner Partei bei der Kommunalwahl gezeigt. „Unser ausgegebenes Ziel – eine Verdreifachung – haben wir offensichtlich erreicht“, sagte er der dpa nach der ersten WDR-Prognose. © Thomas Banneyer/dpa
Kommunalwahlen in Nordrhein-Westfalen - Düsseldorf
Der Generalsekretär der CDU in Nordrhein-Westfalen, Paul Ziemiak, hat das Kommunalwahlergebnis für seine Partei nach der ersten Prognose als großen Erfolg gewertet.  © Christoph Reichwein/dpa
Achim Post (SPD), spricht bei der Bewerbungsrede als stellvertretender Bundesvorsitzender.
NRW-SPD-Chef Achim Post freut sich darüber, dass die Sozialdemokraten „spürbar besser als zuletzt bei den Bundestagswahlen abgeschnitten“ hätten. Gleichzeitig betont er: „Kommunalwahlen finden niemals isoliert von der Politik in Bund und Land statt. Die Rechtsextremen gehen gestärkt aus dieser Wahl hervor. Mit dem heutigen Abschneiden können alle Parteien der Mitte nicht zufrieden sein, die in den letzten Jahren in Bund und Land Regierungsverantwortung getragen haben. Auch die schwarz-grüne Landesregierung hätte nach jetzigem Stand keine Mehrheit mehr in NRW.“ © Michael Kappeler/dpa
Bärbel Bas (SPD), Bundesarbeitsministerin, gibt vor einer Klausur des SPD-Parteivorstandes vor dem Willy-Brandt-Haus ein Statement ab.
Die SPD-Vorsitzende Bärbel Bas hat enttäuscht auf den Ausgang der Kommunalwahlen in NRW reagiert. „Es ist richtig, dass wir den Abwärtstrend nicht stoppen konnten“, sagte Bas im „WDR“. „Die Ergebnisse machen mich natürlich nicht glücklich.“ Dennoch seien die Werte kein Desaster, wie es ihrer Partei zuvor prognostiziert wurde. Aber: „Wir müssen uns natürlich fragen, wie wir aus diesem Tief wieder rauskommen“, sagte Bas, die im Ruhrgebiet aufwuchs. Das gute Ergebnis der AfD müsse allen demokratischen Parteien Sorge machen. © Jörg Carstensen/dpa
Politischer Frühschoppen auf dem Volksfest Gillamoos
Bei den Grünen ist die Enttäuschung derweil groß. „Es war klar, dass wir bei dieser Wahl nicht das Ergebnis von 2020 wiederholen werden“, sagte Parteivorsitzender Felix Banaszak dem WDR: „Mit dieser Situation wurden wir bei der Bundestagswahl konfrontiert. Das ist Ausdruck einer recht fundamentalen Verschiebung der politischen Lage. Ökologische, progressive Politik hat es gerade schwer.“  © Lukas Barth/dpa
Die Landesvorsitzenden der Grünen in Nordrhein-Westfalen, Tim Achtermeyer (l.) und Yazgülü Zeybek bei einer Pressekonferenz der Grünen im Landtag von Nordrhein-Westfalen.
Die Landesvorsitzenden der Grünen in Nordrhein-Westfalen, Tim Achtermeyer und Yazgülü Zeybek, sagen in einem gemeinsamen Statement: „Mit Blick auf die ersten landesweiten Zahlen gratulieren wir der CDU NRW, sie hat diese Wahl gewonnen. Unser landesweites Ergebnis bleibt hinter unseren Ansprüchen zurück. Bei der vergangenen Kommunalwahl hatten Zukunftsthemen Rückenwind, derzeit haben sie oft Gegenwind. Das macht sich dann auch in den Wahlergebnissen bemerkbar.“ © Henning Kaiser/dpa
Bundestag - Haushaltsberatungen
„Wir sind ein bisschen hinter den Erwartungen zurückgeblieben. Es ist trotzdem eine deutliche Verbesserung zur letzten Kommunalwahl. Das ist für uns entscheidend“, sagte Sascha Wagner, Sprecher des Landesverbands der Linken gegenüber dem WDR. © Katharina Kausche/dpa
Jens Spahn (CDU), Vorsitzender der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, sitzt bei einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur dpa im Newsroom der Nachrichtenagentur.
Der Ausgang der Kommunalwahlen in NRW hilft nach Einschätzung von Unions-Fraktionschef Jens Spahn auch der schwarz-roten Koalition im Bund. „Das starke Ergebnis in NRW ist der Lohn der guten Arbeit vor Ort. Es gibt aber auch Rückenwind für die Koalition in Berlin“, sagte der selbst aus Westfalen kommende CDU-Politiker der dpa. Das Ergebnis sei Ansporn für eine ruhige pragmatische Arbeit. Das werde von den Menschen belohnt, wie man sehe. „Der Zuwachs der extremen Rechten muss uns allen ein Weckruf sein: Armutsmigration, Sozialmissbrauch und zu oft gescheiterte Integration dürfen nicht tabuisiert werden“, sagte Spahn. „Wir müssen diese Probleme endlich durch konkrete Entscheidungen lösen.“ © Bernd von Jutrczenka/dpa
Sitzungen und Statements der Bundestagsfraktionen - AfD
Tino Chrupalla hat das Abschneiden seiner Partei bei der Kommunalwahl als Erfolg bezeichnet. „Erste Prognosen rechnen damit, dass die AfD bei der Kommunalwahl in NRW ihre Stimmen verdreifacht hat“, schrieb der AfD-Chef auf X. © Helena Dolderer/dpa
Amid Rabieh, Stellvertretender Parteivorsitzender BSW, spricht beim Gründungskongress des Jugenbündniss im BSW.
BSW-Landesvorsitzender Amid Rabieh: „Vor dem Hintergrund der massiven Behinderungen in NRW für kleinere Parteien, die nicht im Bundestag vertreten sind, bei ihrem Antritt zur Kommunalwahl, können wir mit unserem Ergebnis zufrieden sein: In den Städten und Kreisen, in denen wir antreten konnten, haben wir offensichtlich ordentlich abgeschnitten.“ © Christoph Reichwein/dpa

Schon im Februar hatte die Bundestagswahl in NRW eine starke AfD mit 16,8 Prozent Zweitstimmen signalisiert – ein Vorbote für den kommunalen Zuwachs, wie auch die letzten Umfragen zur Kommunalwahl in NRW zeigten.

Gelsenkirchen vor NRW-Wahl 2025 im Fokus – der AfD fehlten wenige Stimmen zum großen Wurf

In der Fläche zeigt sich aber ein differenziertes Bild: Die AfD gewann überall deutlich dazu, wurde jedoch in keinem Kreis oder keiner kreisfreien Stadt stärkste Kraft. Politisch bedeutsam ist dennoch ihr Einzug in mehrere Stichwahlen um Oberbürgermeisterämter – etwa in Gelsenkirchen, Duisburg und Hagen.

In Gelsenkirchen fehlten der AfD nach Auszählung nur wenige hundert Stimmen zu Platz eins – ein symbolträchtiger Befund in einer ehemaligen SPD‑Hochburg, die bereits bei der Bundestagswahl als Schlüsselfall galt. Wahlforscher und Politiker verorten den AfD‑Aufschwung im Westen insbesondere dort, wo die SPD traditionell stark war. Armin Laschet sprach von einem „interessanten Phänomen“, dass SPD‑Wähler „nahtlos zur AfD“ wechselten – ein Warnsignal für die Sozialdemokraten im industriell geprägten Ruhrgebiet.

Die AfD konnte bei der NRW-Wahl 2025 ihr Ergebnis von vor fünf Jahren etwa verdreifachen. (Symbolfoto)

Trotz AfD-Erfolgen bei NRW-Wahl 2025: Ein Durchmarsch blieb aus

Ist das nun eine „blaue Welle“? Der Begriff suggeriert einen Durchmarsch – davon kann keine Rede sein. Die AfD legte stark zu und stabilisierte sich in NRW auf einem Niveau, das im Westen früher undenkbar schien. Aber sie dominiert das Land nicht, blieb drittstärkste Kraft und erzielte keine landesweiten Spitzenpositionen. Die CDU hält ihre kommunale Vormachtstellung, die SPD behauptet Platz zwei – wenn auch schwach.

Doch was geht noch für die AfD in NRW? Mehrere Stichwahlen um Oberbürgermeisterposten stehen noch aus. In drei Städten – Gelsenkirchen, Duisburg und Hagen – schafften es AfD-Kandidaten in die Stichwahl. Als Reaktion auf die Wahlergebnisse haben CDU und SPD angekündigt, sich bei den Stichwahlen am 28. September gegenseitig gegen AfD-Kandidaten zu unterstützen.

NRW-Wahl 2025 verschiebt kommunale Debatte nach rechts

Politisch hat das Ergebnis drei unmittelbare Folgen. Erstens verschiebt sich die kommunale Debatte nach rechts – nicht weil die AfD regiert, sondern weil etablierte Parteien in Themen wie Sicherheit, Migration, soziale Infrastruktur und kommunale Haushalte stärker um Deutungshoheit ringen werden. Die in Teilen rechtsextreme Partei habe zur NRW-Wahl 2025 aber „große Lücken in ihrem Personalaufgebot“ gehabt, sagte der Bochumer Politologe Oliver Lembcke der dpa.

Zweitens geraten SPD‑Hochburgen unter Druck: Wo Milieubindungen bröckeln, konkurriert die AfD um enttäuschte Stammwähler – die Stichwahlen in Ruhrgebietsstädten sind dafür Prüfsteine. Drittens ist die Wahl ein Stimmungstest für kommende Landtagsrennen: Sie belegt Mobilisierungsfähigkeit der AfD, aber auch die Robustheit der CDU‑Kommunalbasis. Wie nachhaltig das ist, entscheidet sich an kommunaler Leistungsfähigkeit – bei Kitas, Wohnungsbau, Energiewende vor Ort.

Kurz: Nordrhein-Westfalen hat eine Warnlampe aufleuchten lassen, aber keinen Systemwechsel vollzogen. Für die anstehenden fünf Landtagswahlen im kommenden Jahr dient die NRW-Wahl 2025 dennoch als deutliches Warnzeichen. (Quellen: Tagesschau, dpa, WDR, wahlrecht.de, eigene Recherche) (nak)

Rubriklistenbild: © Christoph Reichwein/dpa

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