Merz-Regierung mit Bürgergeld-Einigung – Knallharte Sanktionen sollen kommen
VonStephanie Munk
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Im Koalitionsausschuss gelang Merz der Durchbruch beim Bürgergeld. Es sollen scharfe Sanktionen für Totalverweigerer kommen.
Berlin – Wer dreimal Termine versäumt, dem soll das Bürgergeld offenbar künftig komplett gestrichen werden. Darauf soll sich die Merz-Regierung im Koalitionsausschuss geeinigt haben, berichtet Bild von den Ergebnissen des Treffens. Sogar Mietzahlungen sollen Bürgergeld-Empfängern dann offenbar gestrichen werden. Um 9 Uhr will die Regierung in einer Pressekonferenz über die Ergebnisse informieren.
Der Koalitionsausschuss zu den Themen Bürgergeld, Verbrenner-Aus, Aktivrente und Verkehrsprojekten ging gestern bis tief in die Nacht. Um 3 Uhr nachts verließen die letzten Teilnehmer das Kanzleramt, wie mehrere Medien berichten. Kanzler Friedrich Merz fuhr gar nicht erst nach Hause, sondern übernachtete offenbar im Kanzleramt.
Lange Bürgergeld-Diskussionen gab es am Mittwochabend im Kanzleramt, auf dem Bild sind (v.l.) Jens Spahn (CDU), Carsten Linnemann (CDU) und Alexander Hoffmann (CSU) zu sehen, die zu Friedrich Merz‘ Büro kommen.
Ergebnisse vom Koalitionsausschuss zum Bürgergeld offen – Merz will um 9 Uhr informieren
Ob auch andere Streitpunkte bei Sanktionen für Bürgergeld-Empfänger ausgemerzt werden konnte, ist derzeit noch offen. Bild will erfahren haben, dass es zunächst Ärger rund um den Gesetzesentwurf von Arbeitsministerin Bärbel Bas (SPD) zur Bürgergeld-Reform gegeben habe.
Merz wollte im Koalitionsausschuss Bürgergeld-Reform zünden – SPD wohl mit Bedenken
Am Mittwoch (8. Oktober) war das Bürgergeld im Koalitionsausschuss eines der angekündigten Themen, erwartet wurde schon zuvor ein langer Abend für die neunköpfige Runde im Kanzleramt. Gemeinsam mit Arbeitsministerin Bärbel Bas (SPD) wollte Merz der versprochenen Reform Leben einhauchen.
16.00 Uhr
Getrennte Vorbesprechungen von Union und SPD
17.00 Uhr
Start des Koalitionsgipfels
Pressekonferenz
nicht geplant
Ort
Kanzleramt
Teilnehmende
Friedrich Merz (CDU), Jens Spahn (CDU), Carsten Linnemann (CDU), Thorsten Frei (CDU), Markus Söder (CSU), Lars Klingbeil (SPD), Bärbel Bas (SPD), Matthias Miersch (SPD)
Themen
Bürgergeld-Reform, Aktiv-Rente, Klärung der Finanzierung von Straßen-Neubau-Projekten
Reform soll Bürgergeld zu Grundsicherung machen – Details im Koalitionsausschuss unter Merz
Details waren schon vor dem Koalitionsausschuss durchgesickert, sie betrafen vor allem schärfere Sanktionen für Arbeitsverweigerer und strengere Regeln, etwa bei der Größe der Wohnung und des Schonvermögens. Laut Merz werde das Bürgergeld künftig auch anders heißen. Grundsicherung will die schwarz-rote Regierung es nennen und damit schon allein durch den Begriff betonten, dass es eine Sozialleistung für den Notfall und nicht ein Grundeinkommen für alle Bürger sein soll.
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Als Knackpunkt bei Umwälzungen beim Bürgergeld gilt die mitregierende SPD. Merz sagte bei Miosga, die SPD sei die Erfinderin des Bürgergeld s und tue sich naturgemäß schwer damit, es wieder abzuschaffen. Dem Vernehmen nach ist man noch unterschiedlicher Meinung, wann verschärfte Sanktionen für „Totalverweigerer“ greifen sollen. Word das Bürgergeld für sie gleich bei der ersten Jobverweigerung gestrichen oder gibt es eine zweite Chance? Die Union will offenbar so weit gehen, dass für die Totalverweigerung 100 Prozent des Bürgergelds weg ist.
100-Prozent-Sanktionen beim Bürgergeld als Streitpunkt mit SPD – Kommt Merz-Machtwort?
Die SPD mit ihrem Chef Lars Klingbeil verwies bisher darauf, dass das Bundesverfassungsgericht für Bürgergeld-Kürzungen auf null enge Grenzen gesetzt habe. Es braucht wohl ein Machtwort des Kanzlers, um hier auf eine gemeinsame Linie zu kommen – oder aber ein erneutes Entgegenkommen an die SPD. Merz wird aber ohnehin schon ein zu weicher Umgang mit dem „sensiblen“ Lars Klingbeil (O-Ton des Kanzlers) vorgeworfen. Beim Bürgergeld steht er jetzt unter Druck, zu liefern.
In der Fraktionssitzung am Dienstag soll der Kanzler sich auffällig fröhlich und optimistisch gezeigt haben, berichtet Politico. Offenbar will die Koalition beim Bürgergeld jetzt tatsächlich Nägeln mit Köpfen machen. Ein wichtiges Signal wäre es, denn dann wäre zumindest eine Reform im Reform-Herbst umgesetzt, während wichtige Umwälzungen bei der Rente, Pflege und den Krankenkassen in Kommissionen verschoben wurden.
Merz zeigte sich bei Caren Miosga am Sonntag überzeugt, dass eine Einigung, wenn nicht schon am Mittwoch, bis „nächste Woche spätestens“ gelingen könne. Wiederholt betonten er und Arbeitsministerin und SPD-Chefin Bärbel Bas zuletzt, dass die Reform bald stehen werde. Letzte strittige Punkte würden bald abgeräumt, hieß es in Regierungskreisen.
Wie viel kann gespart werden beim Bürgergeld? Merz revidiert Aussage vor der Bundestagswahl
Viel diskutiert ist das Thema, wie viel beim Bürgergeld eingespart werden kann. Im Wahlkampf versprach die Union um Merz und CSU-Chef Markus Söder noch Einsparungen im zweistelligen Milliardenbereich. Inzwischen ist von drei bis fünf Milliarden Euro die Red. Merz rechtfertigte dies in der ARD damit, dass er im Wahlkampf von Einsparungen im Fall einer Bürgergeld-Reform nach reiner CDU-Lehre gesprochen habe. Jetzt habe man einen Koalitionspartner an der Seite und müsse zu mehrheitsfähigem Kompromissen gelangen.
Je mehr Menschen aber wieder von der Arbeitslosigkeit in die Arbeit kämen, so Merz – und das sei das oberste Ziel der Bürgergeld-Reform – desto mehr Sparpotenzial sei drin für den Staat. Über allem stehe das Gebot, dass Deutschland wieder wirtschaftlich wachsen müsse.
Bürgergeld-Reform soll Arbeitslose zu Jobaufnahme motivieren
Merz und auch sein Generalsekretär Carsten Linnemann betonten zuletzt, dass Menschen, die wirklich auf Sozialleistungen durch den Staat angewiesen sind, diese auch weiterhin erhalten sollen. Es gehe darum, diejenigen zu sanktionieren, die das System ausnutzen würden. Und es gehe darum, dass Arbeit sich im Vergleich zu Arbeitslosigkeit wieder mehr lohne. Nur dann würden Menschen das System als gerecht empfunden und nur dann bestünde auch der Anreiz, sich einen Job zu suchen, anstatt Bürgergeld zu beziehen. (Quellen: ARD, dpa, Politico) (smu)