Bundeswehr an der Ostflanke

Nachspiel für Pistorius-Plan: Jetzt fordert Rumänien „deutsche Truppen“ - und zwar dauerhaft

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Boris Pistorius verspricht Litauen tausende Bundeswehr-Soldaten zum Schutz der Ostflanke. Prompt meldet Nato-Partner Rumänien Ansprüche an.

München/Budapest - Schützen deutsche Bundeswehr-Soldaten die Nato-Ostflanke bald in einem weiteren Land? Angesichts des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine wünscht sich Rumäniens Ministerpräsident Marcel Ciolacu eine ständige deutsche Truppenpräsenz in seinem Land.

Wegen Russlands Ukraine-Krieg: Rumänien wünscht sich deutsche Truppen

„Ich glaube, dass es auf dem Territorium Rumäniens ständig deutsche Truppen geben sollte“, sagte Ciolacu am Dienstag (4. Juli) bei einer Pressekonferenz mit Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) auf die Frage, was er vom bevorstehenden Nato-Gipfel mit Blick auf eine Verstärkung der Ostflanke des Bündnisses erwarte.

Aktuell stellt die Bundeswehr Truppenkontingente in Estland, Litauen, Polen und der Slowakei. Erst kürzlich hatte Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) den Litauern die permanente Stationierung einer deutschen Kampfbrigade mit 4000 Soldatinnen und Soldaten versprochen. Samt Kampfpanzern Leopard 2 und weiterem schweren militärischen Equipment.

Im NATO-Bündnis gefragt: Deutsche Bundeswehr-Soldaten, hier bei einer Übung an der Ostflanke in Litauen.

Die Staats- und Regierungschefs der Nato werden bei ihrem Gipfel am 11. und 12. Juli im litauischen Vilnius nun erneut über die Truppenpräsenz im Osten der Verteidigungsallianz beraten. Ciolacu erzählte, er kenne die deutschen Pläne, 4000 Soldaten nach Litauen zu schicken. „Ich hoffe, dass wir bald auf dem Territorium Rumäniens permanent deutsche Soldaten haben werden“, erklärte der Regierungschef aus Bukarest. 

Boris Pistorius: Verteidigungsminister will 4000 Bundeswehr-Soldaten nach Litauen schicken

Die Nato hat nach jüngsten Angaben (Stand April 2023) etwa 1500 Soldaten in Rumänien stationiert, die meisten davon sind laut dpa Franzosen. Den Flughafen Mihail Kogalniceanu nahe der Schwarzmeer-Hafenstadt Constanta nutzen die USA seit vielen Jahren als Luftwaffenbasis. Direkt nach Ausbruch des Ukraine-Kriegs hatte Deutschland im Rahmen seiner Bündnisverpflichtungen dorthin sechs Eurofighter-Kampfjets des Taktischen Luftwaffengeschwaders 74 aus dem bayerischen Neuburg an der Donau verlegt. Aktuell sind vier Eurofighter vom taktischen Luftwaffengeschwader 71 „Richthofen“ im estnischen Ämari im Baltikum stationiert - mit etwa 140 deutschen Soldatinnen und Soldaten. 

Ich hoffe, dass wir bald auf dem Territorium Rumäniens permanent deutsche Soldaten haben werden.

Rumäniens Ministerpräsident Marcel Ciolacu

Voraussetzung für die Verlegung einer gesamten Brigade nach Litauen sei indes die Schaffung der notwendigen Infrastruktur zur Unterbringung der Soldatinnen und Soldaten sowie für Übungsmöglichkeiten, hatte Pistorius zu seinen jüngsten Nato-Plänen erklärt.

Die Bundeswehr leitet derzeit bereits die Nato-Battlegroup Lithuania der enhanced Forward Presence (eFP). Die multinationale Battlegroup besteht aus 1600 Soldaten, davon kommen etwa 900 aus Deutschland. Die deutschen Streitkräfte stellen am Standort Rukla unweit der Grenze zu Belarus laut ZDF acht Leopard-2-Kampfpanzer sowie mehrere Panzerhaubitzen 2000. Hinzukommen nach Informationen von IPPEN.MEDIA Schützenpanzer vom Typ CV 90 der Niederländer und der Norweger sowie Schützenpanzer vom Typ Patria aus Kroatien.

Begutachtet die Arbeit der Bundeswehr in Litauen: Verteidigungsminister Boris Pistorius (re., SPD).

Nato-Ostflanke: Bundeswehr-Truppen in Estland, Litauen, Polen und der Slowakei

Zusätzlich baut die Bundesrepublik aktuell eine in Norddeutschland stationierte schnelle Eingreif-Brigade mit bis zu 4500 Soldaten für Litauen auf, die im Konfliktfall über die Ostsee verlegt werden würde. In Summe wären dies zwischen 9000 und 10.000 Soldaten, die Deutschland für die Verteidigung des baltischen Bündnispartners zurückhalten würde.

Ferner sind seit März 2022 zwei „Patriot“-Flugabwehrsysteme der Bundeswehr mit 300 Soldatinnen und Soldaten in der an die Ukraine grenzenden Slowakei stationiert sowie seit Anfang des Jahres 350 Bundeswehr-Soldaten mit drei „Patriot“-Systemen in Polen im Einsatz. (pm)

Rubriklistenbild: © IMAGO/Thomas Imo

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