VonFelix Busjaegerschließen
Wladimir Putin steht nach seiner Teilmobilmachung in Russland vor einem Problem: Offenbar fliehen vor allem Bessergestellte und Gutausgebildete aus dem Land.
London – Wladimir Putins Teilmobilmachung läuft wohl nicht nach Plan: Seit der Bekanntgabe in der vergangenen Woche herrscht in Russland schiere Aufregung und zahlreiche Russen im wehrpflichtigen Alter verlassen das Land. Andere wiederum zieht es auf die Straßen. In der ganzen Russischen Föderation wird über Proteste gegen den Ukraine-Krieg berichtet. Besonders Frauen machen ihrem Ärger Luft – sie befürchten, dass Söhne, Ehemänner oder Väter sinnlos im Krieg in der Ukraine sterben könnten. Neue Untersuchungen zeigen jetzt, dass die Teilmobilmachung auch zu einem enormen intellektuellen Aderlass in Russland führt.
Nach Teilmobilmachung in Russland: Zehntausende Russen verlassen das Land
Wie das britische Verteidigungsministerium laut Deutscher Presse-Agentur berichtet, treffe dies auch Zehntausende russische Männer zu, die wegen der Teilmobilmachung nun Russland verlassen würden oder bereits verlassen haben. „Unter denjenigen, die versuchen, Russland zu verlassen, sind die Bessergestellten und Gutausgebildeten überrepräsentiert“, heißt es aus dem Ministerium. Die Folgen für Wladimir Putin könnten dramatisch sein: Durch die Abwanderung könnte die Binnenwirtschaft Russlands vor einer Bewährungsprobe stehen. Laut der britischen Behörde könnte Russland auf lange Sicht der Verlust von Arbeitskräften und ein sogenannter Brain Drain dazu führen, dass insbesondere Technikbrachen unter dem Verlust der Fachkräfte leiden könnten.
„In den sieben Tagen, seit Präsident (Wladimir) Putin die ‚Teilmobilmachung‘ angekündigt hat, hat ein beträchtlicher Exodus von Russen begonnen, die der Einberufung entgehen wollen“, teilte das britische Verteidigungsministerium weiter mit. Es würden zwar genaue Zahlen nicht vorliegen, allerdings wird vermutet, dass die Zahl der Ausgereisten die Stärke der Invasionsarmee übersteigt, die Wladimir Putin zu Beginn des Ukraine-Kriegs eingesetzt hat. Damals sollen etwa 150.000 Soldaten an der Grenze zur Ukraine aufmarschiert sein.
Brain Drain: Auswirkungen für Russland nach Teilmobilmachung noch ungewiss – wohl auch Gefahr für Putin möglich
Inwieweit der sogenannte Brain Drain in Russland Wladimir Putin weiter schwächen und zu einem möglichen Sturz des Kremlchefs führen könnte, kann derzeit noch nicht abgesehen werden. Allerdings verdichten sich seit Wochen immer mehr die Indizien, dass Russlands Präsident auch innenpolitisch unter Druck gerät. Nachdem der Ukraine-Krieg bereits über sieben Monate andauert, wenden sich inzwischen immer mehr Vertraute von Putin ab – auch international wird die Zahl seiner Partner immer geringer.
Während Putin wohl in den kommenden Wochen mit weiteren innenpolitischen Problemen rechnen könnte, zeigt sich der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj weiter von seiner kämpferischen Seite und hat Deutschland um weitere Waffenlieferungen an Kiew und die Verschärfung des geplanten achten EU-Sanktionspakets gegen Moskau gebeten. „Zum Thema Verteidigung habe ich unsere Erwartung an ein Raketenabwehrsystem aus Deutschland unterstrichen – vielen Dank für Ihre Hilfsbereitschaft bei der Luftverteidigung“, sagte er nach einem Telefonat mit Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD).
Ukraine-Krieg: Selenskyj erkennt Ergebnisse der Scheinreferenden nicht an und will Gebiete erobern
Kurz nach der Bekanntgabe der Ergebnisse der Scheinreferenden in den von Russland besetzten Regionen hat Selenskyj deutlich gemacht, dass sich die Ukraine mit den Gebietsverlusten nicht abfinden werde. Zudem kündigte er erneut die Rückeroberung der besetzen Gebiete an. Die russischen Soldaten forderte er einmal mehr auf Russisch dazu auf, zu fliehen – oder sich zu ergeben. Dies sei die einzige Möglichkeit, ihr Leben zu retten, so Selenskyj. Derweil hat die US-Botschaft in Moskau Amerikaner aufgefordert, Russland zu verlassen.
