Brandmauer-Diskussion: SPD wirft Merz Wortbruch vor - Union sieht „reines Ablenkungsmanöver“
VonJan-Frederik Wendt
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Merz äußert: Es muss eine Veränderung in der Migration geben, unabhängig davon, ob die AfD dafür ist. Mützenich entgegnet: Das war anders abgesprochen.
Berlin – In der Diskussion um eine verschärfte Migrationspolitik und dem Umgang mit der AfD wirft die SPD dem Union-Kanzlerkandidaten Friedrich Merz (CDU) vor, eine vereinbarte Absprache zu brechen. „Wir hatten nach dem Ende der Ampel-Koalition vereinbart, dass es keine Mehrheiten mithilfe der AfD geben soll. Jetzt ist ihm das wieder egal“, sagte der SPD-Fraktionsvorsitzende Rolf Mützenich der Süddeutschen Zeitung.
Brandmauer zur AfD wackelt: Scholz sieht „faktische Abschaffung“ des Grundrechts auf Asyl
Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) wirft CDU und CSU vor, mit der Forderung nach Zurückweisung aller Menschen ohne Einreiseerlaubnis – einschließlich Asylsuchender – die „faktische Abschaffung“ des Grundrechts auf Asyl vorzuschlagen. „Das ist verfassungswidrig und lässt sich auch nicht einfach per Dekret verfügen“, sagte er der Saarbrücker Zeitung.
Laut Mützenich sollte Merz noch in dieser Woche vorliegenden Regierungsentwürfen zu einer Mehrheit im Bundestag verhelfen, die sofortige Verbesserungen bringen könnten. Konkret geht es um:
die Reform des Gemeinsamen Europäischen Asylsystems (GEAS). Unter anderem ist geplant, dass über viele Asylanträge bereits an den EU-Außengrenzen entschieden wird. In Deutschland könnten Verfahren direkt am Flughafen abgewickelt werden.
ein Sicherheitspaket mit mehr Befugnissen für das Bundeskriminalamt (BKA)
ein Reformpaket für die Bundespolizei mit einer Ausweitung der Kompetenzen
„Damit können wir in dieser Woche ein deutliches Zeichen setzen. Und ich fordere alle demokratischen Fraktionen auf, einen europarechtskonformen Weg einzuschlagen“, sagte Mützenich.
Was ist mit der Brandmauer? SPD-Ministerpräsidenten fordern klare Abgrenzung zur AfD
Die SPD-Ministerpräsidenten rufen ihre Kollegen in den übrigen Ländern zu einer klaren Abgrenzung von der AfD auf. „Die Brandmauer zwischen demokratischen und undemokratischen Parteien darf nicht ins Wanken geraten“, schreiben die sieben Länderchefinnen und -chefs in einem Brief. Das berichtet die Deutsche Presse-Agentur (dpa). Auf kommunaler Ebene sei das leider längst passiert. „Weder auf Landes- noch auf Bundesebene darf sich diese Entwicklung fortsetzen“, fordern die SPD-Politiker.
Kabinett Scholz: Nach dem Ampel-Aus kommt Rot-Grün ohne Mehrheit
Die Union fordert ihrerseits SPD und Grüne auf, ihren Anträgen zuzustimmen. CDU-Parlamentsgeschäftsführer Thorsten Frei sagte dem Redaktionsnetzwerk Deutschland: „Nach Solingen, Magdeburg und Aschaffenburg ist für uns klar, dass die Grenze des Zumutbaren längst überschritten ist“, und fügte an. „Kompromisse sind nicht länger tragbar. Jetzt liegt es an der SPD, klar Stellung zu beziehen.“
CSU-Politikerin hält Debatte über Brandmauer zur AfD für „reines Ablenkungsmanöver“
Die Fraktionsvizevorsitzende Andrea Lindholz (CSU) rief SPD und Grüne auf, sich mit den Vorschlägen der Union zu beschäftigen – statt sich auf eine mögliche Zustimmung der AfD zu fokussieren. „Die Brandmauer-Debatte ist ein reines Ablenkungsmanöver“, sagte sie in einem dpa-Interview. „Die Union hat sich in den letzten Jahren Vorhaben von übergeordneter Bedeutung nicht verschlossen.“ Auch die Sozialdemokraten hätten der Aussetzung des Familiennachzugs zu subsidiär Schutzberechtigten – von März 2016 bis Juli 2018 – zugestimmt.
In ihren Anträgen fordert die Union:
dauerhafte Grenzkontrollen und die Zurückweisung ausnahmslos aller Versuche einer illegalen Einreise – unabhängig von einem Asylgesuch
Abschiebehaft für nachvollziehbar ausreisepflichtige Personen
mehr Unterstützung für die Bundesländer beim Vollzug der Ausreisepflicht
ein schärferes Aufenthaltsrecht für Straftäter und sogenannte Gefährder
nationales Recht vorrangig anzuwenden, wenn EU-Regelungen nicht funktionieren – wie es für „außergewöhnliche Notlagen“ vorgesehen ist
Zudem hofft die Union auf eine Abstimmung im Bundestag über das von ihr bereits eingebrachte Zustrombegrenzungsgesetz. (Jan-Frederik Wendt)