„Nichts mehr auf Erden zu tun“

Brasilien-Wahl: Umfrage sieht Linken Luna als Sieger – Bolsonaro schlägt ungewohnte Töne an

Die Präsidentschaftswahl polarisiert die Brasilianer. Nun prognostiziert eine aktuelle Umfrage eine Stichwahl mit Amtsinhaber Bolsonaro.

Brasilia - Der frühere brasilianische Präsident Luiz Inácio Lula da Silva steuert einer neuen Umfrage zufolge auf eine weitere Amtszeit im größten Land Lateinamerikas zu. Bei der ersten Wahlrunde am 2. Oktober darf Lula nach jetzigem Stand auf rund 45 Prozent der Stimmen hoffen, wie das Meinungsforschungsinstitut Datafolha am 15. September seine jüngste Umfrage zitierte.

Amtsinhaber Jair Bolsonaro würde demnach etwa 33 Prozent der Stimmen erhalten. Auf dem dritten Platz folgte der sozialdemokratische Politiker Ciro Gomes mit 8 Prozent der Wählerstimmen.

Brasilien-Wahl: Stichwahl zwischen Lula und Bolsonaro?

Damit deutet alles auf eine Stichwahl zwischen der linken Ikone Lula und dem nicht weniger umstrittenen rechtspopulistischen Scharfmacher Bolsonaro hin. Laut der Datafolha-Umfrage würde Lula in der zweiten Runde nach jetzigem Stand rund 54 Prozent der Stimmen holen und die Wahl damit gewinnen. Bolsonaro käme demnach auf 38 Prozent im zweiten Wahlgang.

Wer ist Luiz Inácio Lula da Silva?

Luiz Inácio Lula da Silva regierte Brasilien von 2003 bis 2010. Mit Sozialprogrammen holte er Millionen Menschen aus der bittersten Armut. Auch wirtschaftlich boomte Brasilien während seiner Amtszeit. Allerdings blühte während seiner Präsidentschaft auch die Korruption in der größten Volkswirtschaft der Region.

2018 wurde Lula wegen Korruption und Geldwäsche zu einer langen Haftstrafe verurteilt. 2021 hob ein Richter am Obersten Gerichtshof das Urteil auf - und Lula erhielt seine politischen Rechte zurück.

Bolsonaro vor Wahl: „In meinem Alter nichts mehr auf Erden zu tun“

Vergangene Woche hatte Bolsonaro angekündigt, sich im Fall einer Niederlage aus der Politik zurückzuziehen. „Wenn Gott will, mache ich als Präsident weiter. Wenn nicht, werde ich die Schärpe weitergeben und mich zurückziehen“, sagte Bolsonaro in einem Podcast für junge evangelikale Christen. Zuvor hatte der 67-Jährige mehrfach Zweifel an der Rechtmäßigkeit der Brasilien-Wahl gesät und unter anderem gesagt, er werde entweder gewinnen, sterben oder im Gefängnis landen.

Brasilien-Wahl 2022: Luiz Inácio Lula da Silva bei einer Wahlkampfveranstaltung in Curitiba

Zuletzt hatte Bolsonaro sich aber versöhnlicher geäußert. Im Interview mit dem Podcast sagte er zudem, er habe in seinem Alter „nichts mehr auf Erden zu tun“, wenn sein Weg in der Politik zum Jahresende vorbei sei. Die reguläre Amtszeit des brasilianischen Präsidenten endet am 31. Dezember. Die Präsidentschaftswahl in Brasilien findet am 2. Oktober statt. (AFP/dpa/frs)

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