VonAndreas Schwarzkopfschließen
Moskau nutzt das Brics-Treffen, um sich größer zu machen als er ist. Ohnehin ist die das lose Bündnis nur ein Debattierclub und hat sich von der ursprünglichen Idee entfernt. Der Leitartikel.
Kasan – Es ist erstaunlich, dass sich selbstbewusste Staaten wie China und Indien beim Treffen der Brics-Staaten für eine Propaganda-Show des russischen Präsidenten Wladimir Putin hergeben. Der Autokrat mimt den Weltenlenker, um zu widerlegen, dass sein Land seit dem Überfall auf die Ukraine isoliert ist. Darauf sollte niemand hereinfallen.
Moskau umgeht westliche Sanktionen: Handel mit China und Indien ermöglicht weiterhin Ukrainekrieg
Moskau ist es zwar gelungen die Folgen der westlichen Sanktionen weitestgehend durch einen intensivierten Handel mit China, Indien und einigen wenigen anderen Staaten zu kompensieren. Auch seine militärische Zusammenarbeit mit Iran und Nordkorea hilft ihm, den Krieg gegen das Nachbarland weiterzuführen.
Und ökonomisch kann Russland weder mit China noch mit Indien mithalten. Das Bruttoinlandsprodukt entspricht numerisch dem Italiens. Rechnet man es auf das Pro-Kopf-Einkommen um, fällt Russland in der Weltrangliste noch weiter zurück.
Debattierclub statt Bündnis: Zusammenarbeit im Handels- und Gesundheitssektor stockt
Auch die Brics sind ein Scheinriese. Die Plattform steht zwar für 45 Prozent der Weltbevölkerung, doch das nur dank der bevölkerungsreichen Staaten China und Indien. Und die sind Konkurrenten und keine Bündnispartner. Die wirtschaftliche Zusammenarbeit haben die Brics seit nunmehr gut 20 Jahren auch nicht vorangetrieben.
Sie arbeiten auch nicht niedrigschwellig zusammen – etwa im Gesundheitsbereich. So könnten sich die Brics-Staaten beim Schutz vor Tuberkulose gegenseitig helfen, womit einige von ihnen zu kämpfen haben. Letztlich handelt es sich also bei dem losen Bündnis um einen Debattierclub, der lediglich die Kraft hat, wenig überzeugende Symbolik zu produzieren.
Deshalb ist es auch nicht dramatisch, dass die Türkei gerne dazu gehören möchte. Deren Präsident Recep Tayyip Erdogan eifert in diesem Zusammenhang dem Vorbild Indiens nach, das durch die Annäherung an China einige Zugeständnisse des Westens erhielt. Doch niemand rechnet damit, dass Erdogan sich vom Westen und oder gar der Nato abwenden würde, sollten sich die Brics wider erwarten zu einem ökonomischen oder gar verteidigungspolitischen Bündnis entwickeln.
Danach sieht es aber nicht aus. Denn das einzige, was die Brics-Staaten verbindet, ist ihre nicht unberechtigte Klage gegen die US-dominierte Weltordnung. Doch ist wenig darüber bekannt, dass die Brics-Staaten konstruktiv daran arbeiten würden, diese zu reformieren.
Egoistische Nationen: Nicht nur Russland und China denken an sich, auch USA schottet sich ökonomisch ab
Russland bekämpft den Westen und deren Werte mit dem hybriden Krieg. China verfolgt zunehmend nationalistische Ziele und ignoriert Regeln des Welthandels. Und Vorschläge, wie die Weltbank oder gar die Vereinten Nationen so modernisiert werden können, dass die veränderten weltweiten Machtverhältnisse besser dargestellt werden können, sind ebenfalls nicht bekannt.
Doch auch westliche Länder wie die USA oder die EU-Staaten bekleckern sich bei diesem Thema nicht gerade mit Ruhm. Sie reden beispielsweise zwar oft und gerne davon, auch mit den Staaten des globalen Südens mehr kooperieren zu wollen. Doch wenn es Ernst wird, kommen sie nicht so recht voran. Zudem ist dabei ein Motiv, den Einfluss Chinas durch deren Seidenstraßenprojekt wieder zurückzudrängen.
Außerdem verliert der Multilateralismus auch in westlichen Staaten an Zuspruch. Am deutlichsten wird dies an Donald Trumps Politik, der Amerika wieder groß machen will, indem er es beispielsweise ökonomisch abschotten möchte. Nachahmer finden sich in Großbritannien und einigen EU-Staaten.
Doch statt eines Gegeneinanders wäre es nötig, die Zusammenarbeit der Staaten zu fördern, um drängende Probleme zu lösen. Der Klimaschutz wird jedenfalls nicht erreicht, wenn Nationen nur an sich denken.
Rubriklistenbild: © IMAGO / SNA/Alexander Kazakov


