Angriffe in Brjansk

Russische Region im Visier der Ukraine: Drohnen, Explosionen, Abstürze – Angriffe mit System

  • schließen

Die russische Region Brjansk wird Ziel mutmaßlicher Drohnenattacken und von Sabotage. Hier befindet sich Rüstungsindustrie. Und nicht nur das. Eine Analyse.

München/Brjansk - Russland erleidet im Ukraine-Krieg mittlerweile sogar Verluste hinter der eigenen Grenze. Im Fokus steht die Oblast Brjansk im äußersten Westen, die wegen mutmaßlicher Schienensprengungen und Guerilla-Angriffen in den Fokus rückt. Jetzt sind in der Region sogar mehrere russische Militärmaschinen binnen kurzer Zeit abgestürzt.

Russland: Mi-8 Helikopter und Su-Kampfjets stürzen in der Region Brjansk ab

Oder wurden sie zum Absturz gebracht? Laut dem US-amerikanischen Portal Newsweek handelte es sich um einen Su-34-Kampfjet, eine Su-35 („Super Flanker“) sowie zwei Mi-8-Transporthubschrauber. Im Fall eines Helikopters berichtete die staatliche russische Nachrichtenagentur Tass von einem angeblichen technischen Defekt - und veröffentlichte angebliche Aufnahmen von der Explosion des Mi-8 (siehe folgendes Foto) nahe der Kleinstadt Klinzy.

Der Brjansker Gouverneur Alexander Bogomas bestätigte den Absturz. Mindestens in diesem Hubschrauber und in der Su-34 sollen russischen Agenturen zufolge je zwei Militärangehörige getötet worden sein. Wegen technischen Versagens?

Abgeschossen oder technischer Defekt? An einem russischen Militär-Helikopter in der Region Brjansk wurde eine Explosion beobachtet.

Wagner-Chef Jewgeni Prigoschin schürte dagegen das Gerücht, die russischen Militärmaschinen seien von der eigenen Flugabwehr abgeschossen worden. Oder waren etwa die Streitkräfte der Ukraine involviert? Warum immer wieder Brjansk? Merkur.de analysiert die strategische Bedeutung der Grenzregion:

Angriffe auf Oblast Brjansk: Russlands Rüstungskonzern BAZ ist dort beheimatet

  • Standort des Rüstungskonzerns Brjanski Awtomobilny Sawod: Die BAZ (zu Deutsch: Brjansker Automobilwerk) fertigt seit Sowjetzeiten für die Armee Moskaus LKWs, Panzertransporter und Zugmaschinen für S-400-Flugabwehr­raketensysteme. Schwere geländegängige Lastkraftwagen für die russischen Landstreitkräfte gehen hier in Serie vom Band. Auch deshalb dürfte Brjansk für den ukrainischen Generalstab interessant sein.
Unter anderem die Zugmaschinen der russischen S-400-Flugabwehrraketensysteme werden in Brjansk gefertigt.

Angriffe auf Oblast Brjansk: Militärische Infrastruktur Russlands beeinträchtigt

  • Militärische Infrastruktur Russlands: Laut der unabhängigen osteuropäischen Nachrichten-Website Nexta wurde in der Region Brjansk kürzlich ein russisches Militärdepot angegriffen. Vier sogenannte Ural-Lastwagen und eine Haubitze seien zerstört worden. Die Oblast dient wegen ihrer Nähe zur Grenze zweifelsohne als Aufmarschgebiet. In den Anfangswochen des russischen Überfalls auf die Ukraine wurde die Großstadt Tschernihiw (rund 285.000 Einwohner), wo das Nordkommando der ukrainischen Armee stationiert ist, offenbar von hier aus belagert. Eines von vielen Indizien: Die Fernstraße M3, tatsächlich „Ukraina“ genannt, führt aus dem Moskauer Stadtzentrum über Brjansk bis an die ukrainische Grenze bei Chomutowka.

Angriffe auf Oblast Brjansk: Nachschublinien der russischen Armee attackiert

  • Nachschublinien der russischen Armee: Die Attacken auf die russischen Streitkräfte, ob von Partisanen oder durch die Ukrainer, was unklar ist, mehren sich hier. Am 3. Mai wurde das Flugfeld Seschtscha in der Oblast angeblich mit mehreren Drohnen angegriffen und dabei eine Transportmaschine vom Typ Antonow An-124 beschädigt. Unweit der Siedlung Belye Berega, ebenfalls in der Region Brjansk, kamen tags zuvor eine Lokomotive und rund 20 Waggons „wegen illegaler Eingriffe in die Arbeit des Eisenbahnverkehrs“ von den Schienen ab, hatte die russische Eisenbahn RZD auf Telegram mitgeteilt.
  • Bereits am 1. Mai war in derselben russischen Region ein Zug entgleist, nachdem Schienen gesprengt worden waren (siehe Twitter-Video oben). Offensichtlich sollen Nachschublinien getroffen werden. „Das ist eine klassische Strategie, die feindliche Logistik zu unterbrechen, bevor man selbst eine Offensive beginnt“, erklärte in der ZDF-Talkshow „Maybrit Illner“ kürzlich Ben Hodges, Generalleutnant a. D. der United States Army: „Genau so besiegt man Masse mit Präzision.“

Angriffe auf Brjansk: Russische Bürger sollen wohl Schrecken des Krieges sehen

  • Ukraine will Schrecken des Krieges in Russland zeigen: Die russischen Verluste sind immens: Die ukrainischen Verteidigungskräfte haben eigenen Angaben zufolge zwischen dem 24. Februar 2022 und dem 17. Mai 2023 rund 200.590 russische Angreifer getötet oder verwundet. Dies teilte der Generalstab der Ukraine auf Facebook mit, und weiter, dass sich derzeit etwa 400.000 russische Militärangehörige auf ukrainischem Staatsgebiet befänden. Die Zahlen lassen sich nicht unabhängig prüfen. Aber: Es kann wohl ausgeschlossen werden, dass die russische Zivilbevölkerung nichts davon mitbekommt.
  • Ukrainische Kommandeure hatten zuletzt wiederholt angekündigt, der russischen Bevölkerung die Schrecken des Krieges veranschaulichen zu wollen. Nach dem Absturz des Helikopters Mi-8 bei Klinzy veröffentlichten russische Agenturen Fotos von Bürgern, wie diese Blumen niederlegen. Laut Schweizer Blick gehen einzelne russische Miliärblogger davon aus, dass ukrainische Spezialeinheiten in die Grenzregion eingedrungen sein könnten, um die Helis und Kampfjets mit schultergestützten Flugabwehr-Raketen anzugreifen. Bereits Anfang März hatten mutmaßliche russische Partisanen für Aufsehen gesorgt, als sie zwei Dörfer in der Oblast Brjansk überfielen und zum Kampf gegen das Kreml-Regime aufriefen. Auffällig: Die bei Twitter abgebildeten Männer trugen die für ukrainische Einheiten typischen gelben Bänder an ihren Uniformen.

(pm)

Rubriklistenbild: © IMAGO / ITAR-TASS

Kommentare