„Schubladen-Denken“

„Wurde schon als rechts und links beschimpft“: Warum ein 17-Jähriger das BSW unterstützt

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Luca Sass hat monatelang Plakate für Sahra Wagenknecht aufgehängt. Warum unterstützt der Schüler das BSW? BuzzFeed News Deutschland fragt nach.

Bei den Landtagswahlen in Thüringen gibt es neben der rechtsextremen AfD einen weiteren großen Gewinner: Das Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW), eine Abspaltung der Linken, schaffte es auf 15,8 Prozent. „Vor einem halben Jahr gab es uns noch nicht und jetzt stehen wir hier und sind drittstärkste Kraft in Thüringen. Das ist übermenschlich“, sagt der 17-jährige Luca Sass aus Jena BuzzFeed News Deutschland von IPPEN.MEDIA.

Der Schüler ist seit Juni offiziell Unterstützer des BSW; einer von etwa neunhundert in Thüringen. Die vergangenen Monate habe er über 100 Plakate für das BSW aufgehängt, drei bis viermal die Woche an Wahlständen für Wagenknecht geworben. „Man arbeitet hart und hofft, dass das belohnt wird“, sagt Sass. Er will Mitglied beim BSW werden, ist Teil einer Gruppe von etwa 25 Jugendlichen, die in Thüringen ein BSW-Jugendbündnis gründen wollen.

Luca Sass aus Jena (Thüringen) ist BSW-Unterstützer. Warum, erklärt er bei BuzzFeed News Deutschland.

Bündnis Sahra Wagenknecht: Warum unterstützen junge Menschen das BSW?

Sass und seine Freunde wollen Teil eines Bündnisses sein, vor dem Mitglieder der früheren DDR-Bürgerrechtsbewegung explizit warnen. In einem offenen Brief schrieb die ehemalige Chefin der Stasi-Unterlagen-Behörde, Marianne Birthler, von „nationalem Sozialismus“ beim BSW und äußerte Beunruhigung über Wagenknechts Außenpolitik und deren Hintergrund als früheres SED-Mitglied. Selbst russische Staatsmedien werben für das BSW.

Warum feiern einige junge Menschen (auch Muslime) das Bündnis Sahra Wagenknecht trotzdem? „Weil die Vernunft beim BSW wieder etwas wert ist“, sagt Sass. „Weil man Dinge abwägt, nicht pauschal sagt: Du bist jetzt links oder rechts und deswegen hast du die Meinung.“ Der Politikwissenschaftler Klaus Schroeder von der Freien Universität Berlin bestätigt gegenüber BuzzFeed News Deutschland, dass das klassische links-rechte Parteienspektrum, so wie wir es kennen, auch durch das BSW ausgehebelt werde.

Sass findet, das BSW „durchbricht das Rechts-Links-Denken“ und bringe eine „echte Debattenkultur“ zurück. „Nur weil jemand etwas sagt, schieben wir ihn nicht gleich in eine Ecke“, sagt er. Beim BSW würden Politiker aus allen Parteien zusammenkommen und diskutieren, so empfinde er das. Bisher sei er aber nur Unterstützer, weil die Partei sich „langsam aufbauen“ wolle, eine „Vorgabe von oben“, erzählt er BuzzFeed News Deutschland. Stimmberechtigt ist er also gar nicht, hofft aber, dass sich das mit dem Wahlerfolg des BSW in Thüringen ändert.

17-jähriger BSW-Unterstützer: „AfD kam für mich nie infrage“

Sass macht kein Geheimnis daraus, dass er Wagenknechts außenpolitische Positionen unterstützt, also auch, der Ukraine keine Waffen zu liefern. Ein Grund, warum die CDU in Thüringen bei einer Koalition mit dem BSW zurückhaltend ist. Es störe ihn, dass er „direkt als Russland-Unterstützer abgestempelt werde, egal was ich sage“. „Ich will Diplomatie“, rechtfertigt er sich.

„AfD kam für mich nie infrage“, sagt Sass. Im Gegensatz zum BSW pauschalisiere diese Partei, findet er, zum Beispiel bei Ausländern. „Das sieht man mir ja an, dass ich das nicht befürworte“, sagt er. Dass das BSW sehr ähnliche Positionen wie die AfD hat, sei für ihn keine Abschreckung. Ja, das BSW wolle Migration begrenzen, wie die AfD, aber das wollten die Ampel-Parteien ja auch, sagt Sass.

Luca Sass aus Jena (Thüringen) an einem BSW-Wahlstand.

„Ich wurde schon als rechts- und als linksextrem beschimpft“

„Ich wurde schon als rechts- und als linksextrem beschimpft, weil ich das Bündnis Sahra Wagenknecht unterstütze. Das ist für mich das Sinnbild dafür, wie Politik zum Schubladen-Denken geworden ist.“ Vielen Menschen wählten genau deswegen Björn Höcke –weil sie, bevor sie überhaupt ein Argument bringen könnten, in Schubladen gesteckt würden.

„Diese Einstellung hat in Thüringen enorm zugenommen in den letzten Jahren“, sagt er. Wie „enorm gefährlich“ das sei, sehe man ja an den Wahlen jetzt. Auch Politikwissenschaftler wie Wolfgang Muno sehen die Wahlergebnisse in Sachsen und Thüringen mit „Sorge“. Muno bezeichnet bei der dpa jedoch nicht nur die AfD, sondern auch das BSW als „populistische Polarisierer“, gegen die andere Parteien in Zukunft nur schwer mit Fakten ankommen dürften.

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