Gesetzentwurf „sehr zügig“

Bürgergeld-Reform: Bas kündigt strenge Strafen bei Regelverstößen an

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Bärbel Bas arbeitet am Nachfolger des Bürgergelds. Ein zentrales Problem will die neue Arbeitsministerin bewältigen und droht mit „spürbaren Konsequenzen“.

Berlin – Neben einer rigorosen Migrationspolitik war die Abkehr vom Bürgergeld eines der zentralen Versprechen der Union im Bundestagswahlkampf. Die schärferen Grenzkontrollen wurden auch umgehend nach der Vereidigung der neuen Regierung um Bundeskanzler Friedrich Merz umgesetzt. Auf Initiative des Regierungs- und CDU-Chefs, aber auch der von Innenminister Alexander Dobrindt (CSU).

Nun soll es auch dem Bürgergeld an den Kragen gehen. Das einstige Prestige-Projekt der SPD müsste jedoch federführend von einer Sozialdemokratin zu Grabe getragen werden. Denn Bärbel Bas folgte nach sieben Jahren auf Hubertus Heil als Arbeitsministerin. Die ehemalige Bundestagspräsidentin nutzte den Tag der Jobcenter, um einen Überblick zu geben, was sich ändern soll.

Minister unter Merz: Komplette Liste des Kabinetts – von Klingbeil bis zu „neuen Gesichtern“

17 Ministerinnen und Minister, dazu ein Bundeskanzler namens Friedrich Merz: Sie bilden das Kabinett der Koalition aus CDU, CSU und SPD und damit die 25. Bundesregierung Deutschlands.
17 Ministerinnen und Minister, dazu ein Bundeskanzler namens Friedrich Merz: Sie bilden das Kabinett der Koalition aus CDU, CSU und SPD und damit die 25. Bundesregierung Deutschlands. © dpa
Fritze Merz Kabinett CDU CSU Minister
Der neue Kanzler (offiziell ab dem 6. Mai): Friedrich Merz hat sein Kabinett zusammengestellt. Der 69-Jährige hat vertraute und neue Gesichter auserkoren. In dieser Fotostrecke finden Sie alle von der CDU bestimmten Minister, auch die von der CSU und SPD sind hier zu finden.  © IMAGO/Uwe Koch
Thorsten Frei Kanzleramtsminister Merz Kabinett
Bundesminister für besondere Aufgaben und Chef des Bundeskanzleramtes: Thorsten Frei (51) ist einer der engsten Vertrauten von Friedrich Merz und in der CDU angesehen.  © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Johann Wadephul Außenminister Merz Kabinett
Bundesminister für Auswärtiges: Johann Wadephul (CDU) heißt der neue Außenminister.  © IMAGO/ESDES.Pictures, Bernd Elmenthaler
Katherina Reiche Wirtschaftsministerin Merz Kabinett
Bundesministerin für Wirtschaft und Energie aus der CDU: Katherina Reiche ist 51 Jahre alt und wird die Nachfolge von Robert Habeck antreten. © IMAGO
Karin Prien Bildungsministerin FAmilie merz Kabinett
Bundesministerin für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend: Karin Prien von der CDU wird Bildungs- und Familienministerin, sie ist 59 Jahre alt. © IMAGO/Jens Schicke
Nina Warken Gesundheitsministerin Kabinett Merz
Bundesministerin für Gesundheit: CDU-Ministerin Nina Warken (45) soll die Nachfolge von Karl Lauterbach antreten.  © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Karsten Wildberger Digitalminister Merz Kabinett
Bundesminister für Digitales und Staatsmodernisierung: Karsten Wildberger ist die wohl größte Überraschung, der ehemalige MediaMarkt-Chef ist 56 Jahre alt.  © AnikkaxBauer
Wolfram Weimer Minister für Kultur
Kulturstaatsminister: Wolfram Weimer, der 60-Jährige pflegt gute Kontakte in einige Verlage.  © IMAGO/Thomas Bartilla
Schnieder Vekehrsminister CDU Kabinett Merz
Bundesminister für Verkehr: Patrick Schnieder von der CDU soll Verkehrsminister werden. © IMAGO
Dobrindt Innenminister CSU Kabinett Merz Liste
Bundesminister des Innern und für Heimat: Alexander Dobrindt. Der 54-jährige CSU-Mann ist schon zum zweiten Mal Minister. Unter Angela Merkel war er von 2013 bis 2017 Verkehrsminister © IMAGO/ESDES.Pictures, Bernd Elmenthaler
Alois Rainer LAndwirtschaft Merz Kabinett
Landwirtschaftsminister soll der CSU-Politiker Alois Rainer werden. Der 60-Jährige ist durchaus ein überraschender Name, den Söder hier aus den CSU-Kreisen ausgewählt hat.  © IMAGO/Christian Spicker
Bär Ministerin Söder Merz KAbinett
Ministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt: Dorothee Bär (47) übernimmt das neu zusammengestellte Ministeramt. Die CSU-Politikerin galt von vorneherein als Favoritin aus Bayern.  © IMAGO/Heiko Becker
Klingbeil Kabinett Vizekanzler Finanzminister
Lars Klingbeil wird Vizekanzler und Finanzminister. Der 47-Jährige spricht über die SPD-Minister mit den Worten: „Generationswechsel“ und „neue Gesichter und erfahrene Persönlichkeiten“. Nachfolgend sind alle SPD-Ministerinnen und SPD-Minister aufgelistet.  © IMAGO/FRANK TURETZEK
Boris Pistorius Verteidigunsminister SPD Merz Klingbgeil
Verteidigungsminister bleibt Boris Pistorius, 65 Jahre alt. Er ist eines der prominentesten SPD-Mitglieder des Kabinetts. © IMAGO/Noah Wedel
Der bisherige Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) gilt im Merz-Kabinett als gesetzt, wenn es mit schwarz-rot klappt. Er könnte allerdings das Ministerium wechseln und sogar Vizekanzler werden.
Pistorius ist der einzige Minister der einstigen Ampel-Koalition unter Olaf Scholz, der auch unter dessen Nachfolger Friedrich Merz einen Platz im Kabinett gefunden hat. © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Bas Ministerin Arbeit Kabinett
Bärbel Bas, die 57-Jährige wird Bundesministerin für Arbeit und Soziales. Von 2021 bis 2025 war die SPD-Politikerin Präsidentin des Deutschen Bundestags.  © IMAGO
Hubig, Justiz 56 SPD MErz Kabinett
Dr. Stefanie Hubig ist 56 Jahre alt. Sie wird Bundesministerin der Justiz und für Verbraucherschutz. DIe SPD-Politikerin ist schon in Rheinland-Pfalz Ministerin für Bildung gewesen.  © IMAGO/Jürgen Heinrich
Reem Alabali-Radovan Bundesministerin für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung
Die jüngste Person aus der SPD-Riege. Reem Alabali-Radovan ist 35 Jahre alt und kümmert sich um „Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung“. © IMAGO/Jürgen Heinrich
Hubertz wohnen, Bauministerin SPD KAbinett Merz Klingbeiil
Auch nicht viel älter, auch von der SPD: Verena Hubertz, 37 Jahre, Bundesministerin für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen.  © IMAGO
Carsten Schneider SPD Umweltminister Merz Klingbeil Kabinett
Carsten Schneider von der SPD (49), nicht zu verwechseln mit Patrick Schnieder, wird Bundesminister für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit. © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Saskia Esken, ehemalige Parteivorsitzende der SPD
Saskia Esken, ehemalige Parteivorsitzende der SPD, galt lange Zeit als aussichtsreiche Kandidatin für einen Kabinettsposten in der Regierung von Friedrich Merz. © Christophe Gateau/dpa
Armin Laschet (CDU) wollte 2021 selbst Kanzler werden und scheiterte. Nach der Bundestagswahl 2025 werden ihm Außenseiter-Chancen auf ein Amt unter Merz ausgerechnet.
Armin Laschet (CDU) wollte 2021 selbst Kanzler werden und scheiterte. Nach der Bundestagswahl 2025 galt er zumindest als Außenseiter-Kandidat für einen Posten im Kabinett von Friedrich Merz. Daraus wurde letztlich nichts. © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Kultursenator Joe Chialo
Kultursenator Joe Chialo war für die Berliner CDU bei den Koalitionsverhandlungen dabei (Archivbild). Fachleute spekulierten daraufhin Chialo könnte von Friedrich Merz als Kultusminister in sein Kabinett berufen werden. Doch der Posten ging letztlich an den Merz-Vertrauten Wolfram Weimer. © Jörg Carstensen/dpa
Jens Spahn als neuer und alter Minister? Dahinter steht ein Fragezeichen, auch wenn Spahn gewiss Ambitionen hat. Der frühere Gesundheitsminister stand wegen der Maskenaffäre in der Kritik. Andererseits verfügt er über große Regierungserfahrung, die Merz selbst bekanntermaßen fehlt.
Auch Jens Spahn hatte sich Hoffnungen auf einen Kabinettsposten unter Kanzler Friedrich Merz gemacht. Der ehemalige Gesundheitsminister ging in Sachen Kabinett zwar leer aus, kann sich aber dennoch über eine Beförderung im neuen Bundestag freuen: Spahn wird die CDU-Abgeordneten im Bundestag künftig als Fraktionsvorsitzender anführen. © IMAGO/Jens Schicke

Bas über Bürgergeld-Reform: Bei verpassten Terminen drohen „spürbare Konsequenzen“

„Wir arbeiten jetzt wirklich sehr zügig an einem Gesetzentwurf“, versprach Bas laut der Deutschen Presse-Agentur (dpa) und der Nachrichtenagentur Reuters: „Und wir wollen das schnell, aber nicht überstürzt angehen.“ Klar sei, dass jene Bürgergeld-Empfänger, die Termine beim Jobcenter sausen lassen, „spürbare Konsequenzen“ erwarten sollen.

Laut Bas ist es „keine Seltenheit, dass die Hälfte der Termine nicht wahrgenommen wird“. Dabei gebe es zwar regionale Unterschiede, aber es müsse sich etwas ändern. „Ich will dieses Problem gesetzlich angehen, damit Sie in den Jobcentern ein rechtlich sicheres Werkzeug haben gegen ständige Terminversäumnisse“, erklärte die 57-Jährige in Richtung der zu Hunderten anwesenden Jobcenter-Mitarbeiter.

Merz-Regierung und Bürgergeld: Sanktionen sollen „schneller und einfacher“ umgesetzt werden

Im Koalitionsvertrag hatte Schwarz-Rot niedergeschrieben, das „bisherige Bürgergeldsystem“ solle zu einer „neuen Grundsicherung für Arbeitssuchende“ umgestaltet werden. „Rechte und Pflichten müssen für beide Seiten verbindlich gestaltet werden“, ist weiter zu lesen. Und: „Jede arbeitslose Person hat sich aktiv um Beschäftigung zu bemühen.“

Über Sanktionen heißt es, diese werde Schwarz-Rot „im Sinne des Prinzips Fördern und Fordern verschärfen“. Zudem müssten sie „schneller, einfacher und unbürokratischer durchgesetzt werden können“.

Soll und will sich dem Bürgergeld annehmen: Arbeitsministerin Bärbel Bas muss das SPD-Projekt auf Vordermann bringen.

Bislang kann Empfängern das Bürgergeld je nach Anzahl der Verstöße in immer größeren Stücken gestrichen werden. Diskussionen darüber, sogenannten Totalverweigerern die Leistung komplett vorzuenthalten, nahmen zwar während der Zeit der Ampel-Koalition, befeuert von der Union, Fahrt auf. Eine solche Regelung gilt jedoch als höchst umstritten.

Bürgergeld-Reform unter Merz-Regierung: Karenzzeit bei Anrechnung von Vermögen soll geändert werden

Bas hatte bereits vor einigen Wochen den Zeitungen der Funke-Mediengruppe gesagt, sie wolle „die Sanktionen anschärfen, wenn dies angezeigt ist“. Dass Empfänger von Sozialleistungen einer Mitwirkungspflicht unterliegen, sei „eine Frage der Gerechtigkeit“. Konkret wurde sie auch bei dem jüngsten Termin in der Hauptstadt aber nicht.

Allerdings erwähnte Bas, sie wolle auch die Karenzzeit bei der Anrechnung eigenen Vermögens ändern. Diese beträgt bislang ein Jahr, in dieser Zeit wird das Vermögen beim Bürgergeldbezug nur berücksichtigt, wenn es erheblich ist, also für die erste leistungsberechtigte Person in der Bedarfsgemeinschaft 40.000 Euro und für jede weitere Person 15.000 Euro übersteigt.

Bas kam auch auf die Fälle von vor dem Ukraine-Krieg Geflüchteten zu sprechen. Vorerst würden diese Personen weiter Bürgergeld beziehen können. Dies solle sich mit der neuen Regelung jedoch ändern, dann würden sie nicht mehr wie andere Arbeitssuchende, sondern wie Asylbewerber behandelt und entsprechend geringere Leistungen erhalten.

Blick ins Jobcenter: Hier sollen Arbeitssuchende fündig werden.

So steht es im Koalitionsvertrag, mit Bezug auf „Flüchtlinge mit Aufenthaltsrecht nach der Massenzustrom-Richtlinie“. Bei der Anpassung geht es laut Bas auch darum, „dass den Jobcentern möglichst wenig Aufwand entsteht“.

Bürgergeld und der Job-Turbo: Eine Million Geflüchtete und Asylbewerber finden Arbeit

Die Sozialdemokratin, die zuletzt von „mafiösen Strukturen“ im Zusammenhang mit Bürgergeld gesprochen hatte, räumte auch ein, dass die Grundsicherung „ein politisch brisantes Thema“ bleibe. Sie setze auf weniger Polarisierung, mehr Pragmatismus und mehr Sachlichkeit.

Positiv hob Bas hervor, dass Bürgergeld-Empfänger ganzheitlich betreut würden. Denn oft lägen hinter der Arbeitslosigkeit andere Probleme. Grundsätzlich gelte: „Auch einfache Tätigkeiten können ein Sprungbrett sein.“

Darauf hoffen womöglich auch viele der 300.000 Geflüchteten aus der Ukraine und über 700.000 aus anderen Asylherkunftsstaaten, die inzwischen einen Job aufgenommen haben. Bas sprach hier von einem „Riesenerfolg“. Das entsprechende Programm unter dem Titel „Job-Turbo“ hatte Heil ins Leben gerufen. Darauf kann die Merz-Regierung nun aufbauen. Auch wenn das Bürgergeld bald ausgedient hat. (mg)

Rubriklistenbild: © Kay Nietfeld/dpa

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