Aus Gesetzesentwurf gestrichen

Bundeswehr-Flop im neuen Gesetz: Ampel scheitert am Nato-Ziel - wegen Baerbock?

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Die Ampel wollte sich per Gesetz zum Zwei-Prozent-Ziel der Nato bekennen. Doch dieser Plan für die Bundeswehr ist wohl gestrichen.

Berlin - Seit Beginn des Ukraine-Kriegs ist Aufrüstung in vielen Ländern wieder Thema. Im Fall der Bundeswehr geht es jedoch weniger um Auf- als vielmehr um die grundlegende Ausrüstung der Soldatinnen und Soldaten. Deshalb und wegen des Drucks der Verbündeten wollte die Bundesregierung das Zwei-Prozent-Ziel der Nato gesetzlich verankern. Davon hat die Koalition jetzt aber wieder Abstand genommen.

Das Bundeskabinett verabschiedete am Mittwoch (16. August) einen Entwurf zum Haushaltsfinanzierungsgesetz. In dem fehlt allerdings die Selbstverpflichtung, jedes Jahr zwei Prozent des Bruttoinlandsprodukts für Verteidigung auszugeben. Darüber berichteten zunächst die Süddeutsche Zeitung und die Nachrichtenagentur Reuters. Auf der Bundespressekonferenz bestätigte ein Sprecher den Vorgang schließlich offiziell.

Ob Deutschland das Zwei-Prozent-Ziel in den kommenden Jahren einhalten wird, ist nach der Streichung der Selbstverpflichtung ungewiss.

Ampel-Zoff um Bundeswehr: Baerbocks Ministerium wohl gegen Verankerung des Zwei-Prozent-Ziels

Nach Informationen der Süddeutschen Zeitung brachte das Auswärtige Amt die Wende. Das Haus von Annalena Baerbock (Grüne) habe sich dagegen gewandt, das Zwei-Prozent-Ziel ab 2024 gesetzlich festzulegen - wie es Boris Pistorius‘ Verteidigungsministerium eigentlich wollte. Entsprechend sei dieser Passus wieder gestrichen worden. Das Auswärtige Amt hält die geltende Rechtslage demnach für ausreichend. Zudem sei die gesetzliche Festlegung auf eine genaue Prozent­angabe problematisch, weil sich die Nato-Vorgaben ändern könnten, so die Begründung.

Nun ist das jährliche Einhalten der Nato-Quote rechtlich weiterhin nicht bindend. Stattdessen muss das Ziel lediglich im mehrjährigen Durchschnitt eingehalten werden, wie es auch im Gesetz zum Sondervermögen für die Bundeswehr heißt. Die Verteidigungsausgaben können also mal über und mal unter zwei Prozent des Bruttoinlandsproduktes liegen. Der Maßstab sollen hierbei fünf Jahre sein.

Eurofighter und Tornado: Die Kampfjets der Bundeswehr im Überblick

Ein Kampfjet des Typs „Eurofighter Typhoon“ steht auf einer Landebahn.
Der häufigste Kampfjet bei der Bundeswehr: Der Eurofighter Typhoon. 138 der Mehrzweckkampfflugzeuge befinden sich im Besitz der Luftwaffe. Die Bundeswehr bezeichnet den Flieger deshalb als „Rückgrat der deutschen Kampfflugzeugsflotte“. (Archivbild) © Nicolas Economou/Imago
Ein Kampfjet des Typs „Eurofighter Typhoon“ der Bundeswehr fliegt durch die Luft
Der Eurofighter Typhoon ist ein wahrer Alleskönner. Der Flieger kann sowohl zur Verteidigung als auch für den Angriff in der Luft verwendet werden. Dabei ist der Eurofighter mit einem Leergewicht von elf Tonnen und einer Schubkraft von bis zu 90.000 Newton pro Triebwerk besonders antriebsstark. (Archivbild) © Rainer Droese/Imago
Ein Kampfjet des Typs „Tornado ECR“ startet von der Landbahn des Fliegerhorst Lechfeld.
Mit seinem geringen Gewicht und der hohen Schubkraft hat der Eurofighter dem Kampfjet des Typs „Tornado ECR“ von Panavia etwas voraus. Das Mehrzweckkampfflugzeug ist mit einem Leergewicht von 14 Tonnen deutlich schwerer. Zudem kommt der Tornado ECR“auf eine maximale Schubkraft von bis zu 69.000 Newton. (Archivbild) © StockTrek Images/Imago
Der Kampfjet Panavia Tornado ECR steht auf einer Landebahn
Seit der Einführung des Eurofighters wurde der Bestand des in die Jahre gekommenen Tornado ECR deshalb auf 85 Waffensysteme reduziert. Ab 2030 ist dann komplett Schluss: Der Tornado ECR, der zur elektrischen Lokalisierung und zur Bekämpfung gegnerischer Radarstellungen vorgesehen ist, wird dann nach über 40 Dienstjahren in den Ruhestand geschickt. (Archivbild) © Rob Edgcumbe/Imago
Ein Panavia Kampfjet des Typs „Tornado“ der Bundeswehr steht auf einer Landebahn.
Das baldige Ende gilt auch für den Kampfjet des Typs Tornado IDS von Panavia. Im Gegensatz zum Tornado ECR dient der Jet als tieffliegender Jagdbomber. Er ist für die Unterstützung der Bodentruppen aus der Luft, zum Verhindern des Eintreffens neuer Bodentruppen und für den Luftangriff auf feindliche Einrichtungen und Stellungen vorgesehen. (Archivbild) © Star-Media/Imago
Ein Kampfjet des Typs „ Tornado IDS“ fliegt durch die Luft.
Der Tornado IDS führt umfangreiche Mittel und Ausrüstung zur Selbstverteidigung mit, wie die Bundeswehr schreibt. Am Rumpf des Tornados kann zudem noch das digitale Aufklärungssystem „RecceLite“ mitgeführt werden. Durch den Einsatz ist unter anderem eine Echtzeitübertragung der Aufklärungsergebnisse möglich. (Archivbild) © PIZ - Luftwaffe/dpa
Ein Tornado-Kampfjet der Luftwaffe wurde 2013 für das Nato Tiger Meet speziell foliert.
Für besondere Anlässe geben die Soldaten der deutschen Luftwaffe ihren Kampfjets auch immer wieder besondere Folierungen. Im Jahr 2013 nahmen Teile das Taktischen Luftwaffengeschwader 51 aus der Nähe von Schleswig in Schleswig-Holstein an der Militärübung „Tiger Meet“ der NATO teil. Der Name beruht auf den Wappen der ersten Teilnehmer, die allesamt einen Tigerkopf im Wappen führten. Seither ist es Tradition, dass die Fliegerstaffeln ihre Kampfjets im passenden Design präsentieren – in diesem Fall ein Tornado. (Archivbild) © StockTrek Images/Imago
Ein Kampfjet des Typs Tornado mit spezieller Folierung fliegt im Rahmen der Nato-Übung Tiger Meet im Jahr 2018 über Polen.
Auch 2018 nahm das taktische Luftwaffengeschwader 51 am Nato Tiger Meet teil. In diesem Jahr fand die Militärübung in Polen statt. Dieses mal setzten die Soldatinnen und Soldaten auf die klassischen Farben eines Tigers – orange und schwarz. (Archivbild) © Giovanni Colla/StockTrek Images/Imago
Das Taktische Luftwaffengeschwader 74 verpasste einem Eurofighter anlässlich des Nato Tiger Meet ein „Ghost Tiger“-Design
Auch die Fliegerstaffel Bavarian Tigers – die durch Angehörige des Taktischen Luftwaffengeschwaders 74 aus Neuburg in Bayern gegründet wurde – nahm 2018 am Nato Tiger Meet teil. Dafür wurde ein Eurofighter zu einem grün-schwarzen „Ghost Tiger“ foliert. (Archivbild) © Giovanni Colla/Imago
Ein Eurofighter wurde im Rahmen des Nato Tiger Meets und des 60. Geburtstags des Taktischen Luftwaffengeschwaders 74 ein Design in den bayerischen Landesfarben blau und weiß.
2021 nahmen die Bavarian Tigers nicht an dem Nato Tiger Meet teil. Zum 60. Jubiläum des Luftwaffengeschwaders aus Bayern ließen sich die Soldatinnen und Soldaten es sich trotzdem nicht nehmen, einem Eurofighter ein besonders Bayern-Design zu geben. Die Landesfarben blau und weiß sowie auch die Darstellung schemenhafter Berge sollten Heimatverbundenheit, Eleganz und Seriosität vermitteln, heißt es bei der Bundeswehr. (Archivbild) © Timm Ziegenthaler/Imago
Ein Eurofighter Typhoon der Luftwaffe der Bundeswehr wurde für eine Reise nach Japan speziell foliert.
Die Soldatinnen und Soldaten aus Bayern nahmen vergangenes Jahr an internationalen Übungen in Australien teil. Weil es im Anschluss direkt weiter nach Singapur zu einem Treffen mit Verbündeten aus Südkorea und Japan ging, erhielt ein Eurofighter dieses Design, welches die Flaggen von Australien, Japan, Südkorea und Deutschland enthält. (Archivbild) © Kento Nara/Future Image/Imago
Der speziell folierter Eurofighter Eagle Star nimmt an der Luftwaffenübung Blue Flag in Israel teil
Zu der internationalen Militärübung „Blue Flag 2021“ in Israel reisten die Soldatinnen und Soldaten des taktischen Luftgeschwaders 31 aus Nörvenich unter anderem mit dem Eagle Star an. Das Design des Eurofighter-Kampfjets sollte ein Ausdruck der Freundschaft zwischen den Luftwaffen aus Deutschland und dem Gastgeberland darstellen. (Archivbild) © Falk Bärwald/dpa
Deutschlands erste Luftwaffen-Jetpilotin sitzt in einem Übungsjet des Typs „Northrop T-38C Talon“
Doch selbst die besten Flugsysteme sind ohne gut ausgebildete Soldatinnen und Soldaten nutzlos. Dafür erhalten deutsche Flugschüler der Luftwaffe im Rahmen des Euro Nato Joint Jet Pilot Training innerhalb von 55 Kalenderwochen ihre fliegerische Ausbildung auf der Sheppard Air Force Base im Nordosten von Texas.  © DB Marcus Rott IMZ-Bw/dpa
Ein Übungsjet des Typs „Northtrop T-38C Talon“ fliegt durch die Luft.
Als Schulflugzeug dient dabei die Northrop T-38C Talon. Mit einer Geschwindigkeit von bis zu 1.380 Kilometern pro Stunde liegt das Tempo des Fliegers knapp über der Grenze zur Schallgeschwindigkeit. Mit einer Spannweite von 7,70 Meter ist der Flieger zudem deutlich schmaler als viele andere Kampfjets. (Archivbild) © StockTrek Images/Imago

Bundeswehr-Finanzen: Scholz bekannte sich zum Nato-Ziel - Union kritisiert nun Abkehr

Im Februar 2022, kurz nach dem Angriff Russlands auf die Ukraine, hatte Bundeskanzler Olaf Scholz eine sogenannte Zeitenwende ausgerufen und sich zum Zwei-Prozent-Ziel bekannt. Jahr für Jahre werde die Regierung künftig mehr als zwei Prozent des BIP in Verteidigung investieren, sagte er damals. Zuletzt hatte Scholz bei der Sommerpressekonferenz im Juli betont, das Ziel langfristig und erstmals im kommenden Jahr 2024 erreichen zu werden.

Möglich sei das durch das Zusammenspiel aus Haushaltsmitteln und dem Sondervermögen. Kritiker hatten bemängelt, dass unklar sei, was geschehe, sobald das Sondervermögen aufgebraucht sei. Auch dann werde man das Ziel noch erreichen, hatte Scholz ebenfalls im Juli gesagt. Aus der Union hagelt es nun Kritik an der Abkehr von einer gesetzlichen Festschreibung. Die CDU-Bundestagsabgeordnete Serap Güler sagte etwa, die Bundesregierung zeige, dass sich die Verbündeten nicht auf Deutschlands Zusagen verlassen könnten. (grmo)

Rubriklistenbild: © Kay Nietfeld/dpa

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