Sahra Wagenknecht, Kanzlerkandidatin und Bundesvorsitzende des Bündnis Sahra Wagenknecht BSW, spricht auf dem Bundesparteitag. Auf dem Parteitag will das BSW unter anderem das Wahlprogramm beschließen.
News-Ticker zum BSW vor der Bundestagswahl: Die Partei verabschiedet ihr Wahlprogramm. An Wagenknecht geht ein vorwurfsvoller Brief.
Update vom 12. Januar, 18.03 Uhr: Das Bündnis Sahra Wagenknecht baut eine eigene parteinahe Stiftung auf. Die „Stiftung für Frieden, Vernunft und Gerechtigkeit“ sei bereits im Dezember gegründet worden, hieß es in einem Dringlichkeitsantrag, der beim Parteitag in Bonn gebilligt wurde.
Nach rechtlicher Einschätzung bedurfte es zur weiteren Umsetzung des Parteitagsbeschlusses. Damit wird diese Stiftung als parteinahe Stiftung anerkannt. Diese habe „Bedeutung für die mittel- und langfristige Finanzierung der Partei“, hieß es zur Begründung .Parteinahe Stiftungen dienen in der Regel der politischen Bildung. Sie werden aus staatlichen Mitteln finanziert. Beispiele sind die CDU-nahe Konrad-Adenauer-Stiftung oder die SPD-nahe Friedrich-Ebert-Stiftung.
BSW-Forderung: „Ami go home“ – US-Truppen sollen raus aus Deutschland
Update vom 12. Januar, 16.01 Uhr: Die BSW-Politikerin Sevim Dagdelen hat den Abzug aller US-Truppen aus Deutschland gefordert. „Wir können uns die 37.000 US-Soldaten in Deutschland schlicht nicht mehr leisten“, sagte Dagdelen beim Bundesparteitag des Bündnisses Sahra Wagenknecht in Bonn. „Deshalb sagen wir auch: Ami go home.“ US-Atomwaffen sollten ebenfalls weg aus Deutschland.
Sie wandte sich zudem erneut gegen die Stationierung von US-Mittelstreckenraketen in Deutschland und sprach von „US-Angriffswaffen“. „Wir wollen keinen Krieg gegen Russland von deutschem Boden, wir wollen Frieden mit Russland“, sagte Dagdelen unter sehr großem Applaus der rund 600 anwesenden Mitglieder.
Sie fügte hinzu: „Die Vasallentreue deutscher Regierungen gegenüber den USA, diese Vasallentreue gegenüber den USA, die muss endlich ein Ende finden“. Deutschland verdiene „Souveränität“.
BSW-Parteitag in Bonn: Harsche Worte zum Wahlkampfauftakt
Update vom 12. Januar, 13.29 Uhr: Rund 600 Mitglieder stimmen sich beim BSW-Bundesparteitag auf den Wahlkampf für die Bundestagswahl ein. Einige Töne sind scharf: „Es ist nicht zu übersehen, die hassen uns, und das ist auch gut so“, sagte Co-Parteichefin Amira Mohamed Ali. „Denn wir halten ihnen den Spiegel vor. Wir decken ihr Versagen auf, und wir zeigen ihnen, wie es besser geht.“ Gegen die AfD grenzte sie sich strikt ab. „Die hassen uns ganz besonders“, meinte die BSW-Chefin.
Auch die Medien attackierte Mohamed Ali. „Natürlich versucht man, uns jetzt runterzuschreiben, denn wir sind in der Tat eine echte Gefahr für den politischen Mainstream. Weite Teile der Medien berichten nun mal nicht objektiv, sondern machen mehr oder weniger offen Wahlkampf für Union, SPD, FDP und Grüne.“ Eine starke AfD sei ihnen lieber als ein starkes BSW.
Wagenknecht-Partei startet in heiße Wahlkampfphase
Erstmeldung: Bonn – Erst vor rund einem Jahr gegründet, hat es das Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW) bereits in das Europaparlament, mehrere Landtage und Landesregierungen geschafft. Laut Umfragen zum BSW droht die Partei bei der Bundestagswahl allerdings unter die Fünf-Prozent-Hürde zu fallen. Bei einem Bundesparteitag in Bonn will das BSW an diesem Sonntag (12. Januar) sein Programm beschließen.
Bundesparteitag vom BSW: Wagenknecht lässt Wahlprogramm durchwinken
Erwartet werden zu dem eintägigen Treffen bis zu 700 der insgesamt etwa 1100 Mitglieder. Nach dem Gründungsparteitag vor rund einem Jahr ist dies der zweite Bundesparteitag des BSW. Das 39-seitige Papier trägt den Titel „Unser Land verdient mehr“. Laut dem Spiegel wurde das Programm erst vor wenigen Tagen an die Mitglieder versandt. „Mehr als ein Durchwinken des vom Vorstand erarbeiteten Wahlprogramms“ werde kaum möglich sein, meint das Nachrichtenmagazin daher.
Das „Bündnis Sahra Wagenknecht“ will die deutsche Politik prägen
Unterdessen hat der BSW-Mitbegründer Torsten Teichert Wagenknecht scharf kritisiert, wie der Spiegel schreibt. Teichert war im vergangenen Sommer aus dem BSW ausgetreten. Er habe nach eigenen Angaben vor wenigen Tagen einen Brief in E-Mail-Form an die „liebe Sahra“ verschickt. In dem Schreiben, das auch an Wagenknechts Lebenspartner Oskar Lafontaine gegangen sei, heißt es unter anderem, Wagenknecht habe sich „verrannt“. Das BSW mache „Stimmung gegen Asylbewerber und Immigranten“, und Wagenknecht habe die „gesellschaftliche Linke“ gespalten. „Wir brauchen keinen neuen Führer-Kult“, so Teichert nach Informationen des Spiegels.
Das BSW fordert einem Bericht zufolge eine „Infrastrukturgarantie für Deutschland“ zur Sicherstellung der Grundversorgung. Das hatte die Welt am Sonntag (WamS) unter Berufung auf den Entwurf für das Wahlprogramm berichtete. Der Staat solle demnach folgende Dinge sichern:
den öffentlichen Nahverkehr
die ärztliche Grundversorgung
die schnelle Erreichbarkeit von Krankenhäusern
die Versorgung durch Supermärkte
bezahlbaren Wohnraum
Die Partei will zur Finanzierung eines „großen Investitionsprogramms“ die Schuldenbremse lockern, schrieb die WamS weiter. Für Investitionen in „Brücken, Straßen, Schienen, Schulen, Wohnungen und Netze“ dürften wieder mehr Schulden aufgenommen werden. In der nächsten Wahlperiode werde sich entscheiden, „ob Deutschland auch in Zukunft zur Liga der führenden Industrienationen gehört“, schreibt die Partei weiter – dafür solle mit Russland über den Bezug von Erdgas verhandelt werden.
Ein weiterer Punkt: Die „unkontrollierte Migration“ müsse gestoppt werden, so der Programmentwurf. Asylverfahren sollten außerhalb der EU in sicheren Drittstaaten stattfinden, kriminelle Geflüchtete ihren Anspruch auf ein Asylverfahren verlieren. Zudem müsse der versprochene „Jobturbo“ für Ukrainerinnen und Ukrainer und andere Geflüchtete mit Schutzstatus „endlich umgesetzt“ werden. (Redaktion mit Nachrichtenagenturen)