Bei einer Bundestagswahl fiebern Parteien und Wähler dem Ende der Auszählung entgegen. Doch wann kann man mit den ersten Ergebnissen rechnen?
Berlin – In Deutschland gilt eine kurze Sperrfrist für Wahlergebnisse. Während Zeitungen und Fernsehsender die Sonntagsfrage („Wen würden Sie wählen, wenn am nächsten Sonntag Bundestagswahl wäre?“) regelmäßig und auch kurz vor einer Landtags- oder Bundestagswahl stellen, dürfen Prognosen über den möglichen Wahlausgang nicht veröffentlicht werden, solange Wähler ihre Stimme noch abgeben. Dies gilt natürlich auch bei den vorgezogenen Neuwahlen im Februar 2025.
Dabei gilt die Vermutung, dass erste Ergebnisse und Voraussagen das Wahlverhalten beeinflussen könnten. Deshalb sind diese Berichte am Wahltag zwischen 8.00 Uhr und 18.00 Uhr tabu.
| Alle Infos zur Bundestagswahl 2025 | |
|---|---|
| Neuwahlen am: | 23. Februar 2025 |
| Sitze im Bundestag: | 630 (aktuell 733) |
| Bundestagspräsidentin: | Bärbel Bas (SPD) |
| Sitz des Bundestags: | Reichstagsgebäude Berlin |
Erste Bundestagswahl-Ergebnisse liefern „exit polls“
Die Zählung der abgegebenen Stimmen beginnt am Tag der Bundestagswahl um kurz nach 18.00 Uhr, direkt im Anschluss an die Schließung der Wahllokale. Das gilt auch für die Stimmen, die in den Tagen vor der eigentlichen Wahl über die Briefwahl abgegeben wurden. Ein vorzeitiger Beginn der Auszählung ist verboten. Trotzdem bringen die Fernsehsender und die Onlineausgaben der Zeitungen bereits wenige Minuten nach der Schließung der Wahllokale Prognosen als erste Ergebnisse.
Diese Zahlen stammen aus den Nachwahlbefragungen („exit polls“). Bei einer Bundestagswahl ist die Stimmabgabe in rund 80.000 Wahllokalen möglich. In etwa 400 dieser Lokale, die nach dem Zufallsprinzip ausgewählt werden, findet eine Nachwahlbefragung statt. Dort erhalten die Wähler nach der Stimmabgabe einen Fragebogen, den sie selbstständig ausfüllen und in eine Sammelbox einwerfen. In die Auswertung fließen folgende Angaben mit ein:
- zur Prognostizierung des aktuellen Wahlergebnisses die Partei, für die gestimmt wurde
- um Wählerwanderungen nachzuvollziehen, welche Partei bei der letzten Bundestagswahl gewählt wurde
Briefwähler sind von der Nachwahlbefragung ausgeschlossen. Die Ergebnisse sind relativ genau, da Nichtwähler und Unentschlossene fehlen. Deren Angaben fließen in die weniger zuverlässigen Vorwahlbefragungen ein.
Die ersten Ergebnisse einer Bundestagswahl sind vorläufig
Wenn um 18.00 Uhr die Wahllokale schließen, beginnen die Wahlhelfer unmittelbar mit der Auszählung der für die Bundestagswahl abgegebenen Stimmen. Erste Ergebnisse aus den Wahllokalen sind frühestens ab 19.00 Uhr zu erwarten. Die Zählung der Stimmen erfolgt in mehreren Schritten:
- Über das Wählerverzeichnis und die Zahl der eingenommenen Wahlscheine (bei Wählern, die in einem anderen Wahlbezirk als dem eigenen wählen) stellt der Wahlvorstand die Zahl der Wahlberechtigten fest.
- Im Anschluss erfolgt die Zählung der Stimmzettel, um deren Gesamtzahl zu ermitteln.
- Die nächste Zählung erfasst alle gültigen Erststimmen.
- Im nächsten Schritt erfassen die Helfer alle gültigen Zweitstimmen.
- Danach erfassen die Ehrenamtler die Zahl der gültigen Erststimmen pro Kandidaten.
- Im letzten Schritt erfolgt die Zählung der Zweitstimmen für die Landeslisten der Parteien.
Ein Wahlkreis setzt sich aus vielen verschiedenen Stimmbezirken zusammen, damit jeder Wähler möglichst leicht ein Wahllokal erreichen kann. Die im Stimmbezirk erzielten Ergebnisse der Zählung meldet der Wahlvorstand im Rahmen einer telefonischen Schnellmeldung an die Gemeinde, die die Zahlen an den Kreiswahlleiter weiterleitet. Dieser übermittelt die Ergebnisse an den Landeswahlleiter, der sie an den Bundeswahlleiter weitergibt. Diese Zahlen sind vorläufig.
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Erste Ergebnisse sind nur nach einer Prüfung amtlich
Damit die Zählung im Wahllokal zu einem amtlichen Endergebnis führt, ist die Kontrolle der Niederschriften erforderlich. In jedem der rund 40.000 Wahllokale erstellen die Wahlhelfer bei der Zählung eine Niederschrift, die den gesamten Vorgang zur Auswertung protokolliert.
Der Wahlkreisleiter prüft nach der Bundestagswahl jede Niederschrift aus den Lokalen in seinem Wahlkreis auf Plausibilität. Hat alles seine Ordnung, wird die Schnellmeldung zum amtlichen Endergebnis. Zeigen erste Ergebnisse Auffälligkeiten, muss die Zählung der Stimmen in diesem Wahlbezirk wiederholt werden.
Dazu werden alle Stimmzettel geordnet nach Stimmbezirk aufbewahrt. Bis die Auswertung abgeschlossen ist, können einige Tage vergehen. Daher dauert es etwas, bis das amtliche Endergebnis verkündet wird. Interessierte sehen alle Ergebnisse seit 1949 bis zum Jahr 2009 übersichtlich dargestellt bei der Bundeszentrale für politische Bildung. Die nächste Bundestagswahl wird am 23. Februar 2025 stattfinden, nach dem die Ampel-Koalition unter Olaf Scholz zu Bruch gegangen war. (red)
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